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Ed Dubois by Michaela Cordes | 10. Dezember 2014 | Personalities

Elegant wie ihr Name, sportlich und trotzdem so komfortabel – Dubois gelten unter Kennern als die Haute-Couture-Boote unter den Superyachten. GG traf den berühmten Designer Ed Dubois, eine der ikonischsten Figuren der Szene, der es mit seinen Kreationen schafft, kompetitives Segeln und luxuriöses Cruisen unter ein Deck zu bringen.

Die heißen Escapade, Salperton oder Moonbird und ziehen majestätisch elegant über die Weltmeere. Die riesengroßen Segelyachten – einige über 60 Meter lang – sind schon von Weitem schnell als seine Kreation zu erkennen. Organisch, fast erotisch nennt er sie gern, besonders wie sie hinten, rund um das Heck, konstruiert sind. „Wie das Wasser unter dem Boot nach hinten verdrängt wird – wenn das gut gelingt, hat es für mich fast etwas Sexuelles, Erotisches“, erklärt Ed Dubois in seinem Office im englischen Lymington.

Hier, gut zwei Autostunden südwestlich von London, auf dem Land, an dem berühmten Kanal, wo der America’s Cup seinen Ursprung hatte, wo man zwei der größten britischen Yachthäfen findet und alles, was Rang und Namen hat und jemals mit Segeln zu tun hatte, lebt und arbeitet, hat der berühmte Superyachtdesigner seinen Firmensitz. Ed Dubois, der mit seinem Charme und Äußeren ein wenig an den Schauspieler Steve Martin erinnert, bezeichnet sich gern als Glückskind. Was vielleicht etwas damit zu tun hat, dass er als einziger Junge unter drei Schwestern aufwuchs. „Ich war sozusagen der ,Golden Boy‘, nicht besonders sportlich, aber – obwohl ich in der Stadt groß wurde – seit meinem sechsten Lebensjahr sehr fasziniert von Booten. Damals hatte mich meine Mutter zum ersten Mal ins Maritime Museum mitgenommen – und ich war hin und weg von dem, was ich sah. Später baute ich mir von meinem selbst ersparten Geld mein erstes Segelboot, das ich immer und überall ausprobieren wollte. Um diese Leidenschaft in mir zu hegen, machten meine Eltern alles für mich und unterstützten mich, wo sie nur konnten. Jedenfalls empfanden das meine Schwestern so. Die nannten mich gern ,Boat Bore‘, den Boot-Langweiler …“

Zum Erfolg gehört immer auch eine Portion Glück und so passt auch jenes Detail in den Lebenslauf von Ed Dubois, dass die Universität von Southampton genau ein Jahr vor seinem Schulabschluss 1970 ein neues Fach einführte: Yachtdesign! Dubois: „Das war wunderbar! Ich hatte schon seit meinem 15. Lebensjahr entschieden, dass ich Bootsdesigner werden wollte. Aber es gab bis dahin nur klassische Naval-Architecture-Design-Kurse, in denen es um die Konstruktion von großen Marineschiffen aus Stahl ging. Das war mir eigentlich zu trocken. Als ich von dem neuen Studiengang hörte, schrieb ich mich sofort an der Uni ein.“

Innerhalb der folgenden zwei Jahrzehnte erlebte die Yachtwelt den größten Boom. Mit jedem Jahr wurden die Boote länger und die Aufträge von Ed Dubois größer. „1979 designte ich das dritte Boot, mit dem absurden Namen Policecar, weil man ein Polizeiauto nicht überholen kann. Bei dem Fastnet Race, das wir damals gewannen, ertranken 15 Menschen in einem furchtbaren Sturm. Es war eine Tragödie. Ich bekam, weil dieses Ereignis die Welt beschäftigte und wir gewonnen hatten, weltweite Presse. Wir waren überall Front-Page-News – bekamen auch deswegen Aufträge für die darauffolgenden sechs Monate. Ich wachte an dem Tag damals auf und wusste, für meine Karriere ist gesorgt. Ich erinnere mich noch genau, es war ein sehr merkwürdiges und paradoxes Gefühl.“

Der junge Engländer machte als Gewinner sämtlicher Segelrennen Schlagzeilen. Mit dem Erfolg wuchs auch die Sehnsucht seiner Kunden nach immer größeren Yachten. Aus Segelbooten um die zehn Meter wurden sechsmal so große Megayachten. „Für diese Entwicklung gibt es drei Gründe: Zum einen den großen Reichtum in den 1980er-Jahren. Zum zweiten die Revolution in der Kommunikation – dass man plötzlich über Satelliten und mobile Netzwerke arbeiten konnte, ohne in seinem Büro sitzen zu müssen. Der dritte Grund war, dass plötzlich der Schwerpunkt auf Exklusivität und Privatsphäre gelegt wurde. In der Zeit erhielt ich von einer Frau einen Auftrag. Sie erklärte mir: ,Wissen Sie, wa­rum ich eine Yacht brauche? Weil ich es in Hotels nicht ertragen kann. Ich will nicht noch einmal in einem Bett schlafen, wo bereits jemand anders übernachtet hat!‘“

Die Kunden von Ed Dubois haben sich seit den Anfangszeiten sehr verändert. „Früher waren meine Auftraggeber selbst sehr gute Segler mit viel Erfahrung und üblicherweise war es so, dass man sich zusammensetzte und mit den gemeinsamen Erfahrungen neue Ideen zu Papier brachte. Diese Menschen verkauften oft ihre Firmen am Ende ihrer Karriere für den großen Traum, ihr eigenes Boot zu bauen. Heute sind meine Kunden Menschen, die sehr viel Geld verdient haben, aber nicht unbedingt viel von dem Sport verstehen. Sie heuern Crews an, die für sie ihr Boot segeln. Oft entscheiden sie sich auch erst nachdem sie jahrelang eine Motoryacht hatten für ein Segelboot, weil es romantischer und eleganter ist und vielleicht auch nostalgischer. Einer meiner derzeitigen Kunden beispielsweise ist ein Mann, der neu liiert ist. Seine neue Frau hat von ihm verlangt: ,Bevor du mich heiratest, musst du erst einmal dein hässliches Motorboot verkaufen und dir eine Segelyacht anschaffen.‘“

Dubois steht für Komfort und Segeltüchtigkeit, und genau das ist es, was immer wieder die Herausforderung darstellt. „Man muss sich einerseits an Bord wohl und sicher fühlen, andererseits in der Lage sein, die Welt umsegeln zu können. Einer meiner ersten Kunden, ein Amerikaner, sagte zu mir: ,Ed, was du hier machst, ist nicht mehr Yachtdesign – du begibst dich jetzt auf das Gebiet der Segelarchitektur.‘ Seitdem gehört es zu meinen größten Aufgaben, diverse Annehmlichkeiten neben der Segelfähigkeit meiner Boote zu schaffen: dass man zum Beispiel den Horizont aus großen Fenstern unter Deck sehen kann. Dass man trotz der Größe der Boote weiterhin viel Kontakt mit dem Meer hat. Dies schuf den Dubois-Look und mein Mantra.“

Derzeit arbeitet Dubois an einer 60 Meter langen Yacht. „Sie wird sehr schnell! Der Auftraggeber sagte nur: ,Bau mir ein Biest!‘ Was mich aber bis heute beflügelt, ist der Traum von Freiheit und Unabhängigkeit, wenn ich selbst segeln gehe. “mc

IssueGG Magazine 01/15
City/CountryLymington/ United Kingdom
PhotographyPress Images Ed Dubois
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