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Besser ankommen by Axel Kintzinger | 6. März 2017 | Offices

Die Automobilindustrie steht vor den größten Herausforderungen ihrer Geschichte: Sie muss den Wandel zur E-Mobility stemmen. Zudem braucht sie Lösungen, bei denen natürliche Ressourcen bestmöglich geschont werden – beginnend bei der Produktion. BMW ist Vorreiter beim nachhaltigen Wirtschaften. Erfahrungen sammelt der Konzern seit vielen Jahren auch am anderen Ende der Welt, in Südafrika.

Zukunft sieht nicht immer nach Hightech aus. In München natürlich schon, vor dem klassischfuturistischen BWM-Hauptgebäude steht ein Elektroauto an der Ladestation wie ein Pferd an der Tränke: zufrieden und voller Kraft. Die Zukunft von BMW, so wie sie sich in Südafrika präsentiert, kann auch mal ein schlichtes Holzgestell sein – mit einem Dach aus Solarzellen. Im Sommer 2016 hat der bayerische Automobilhersteller den Solar-Carport auf den Markt gebracht, mit Erfolg. Dass dies in Südafrika geschah, ist kein Zufall. Das dortige BMW-Werk ist ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und ökologischer Produktion. Und: Am Produktionsstandort in Rosslyn, vor den Toren der Hauptstadt Pretoria, scheint fast immer die Sonne. Weniger als acht Stunden am Tag sind es nie, selbst im südafrikanischen Winter nicht, wenn am späten Nachmittag die Sonne so schnell untergeht, als hätte jemand das Licht ausgeknipst – 3,6 Kilowatt Solarstrom kann an sonnigen Tagen produziert werden; diese Menge reicht, um die Batterie des BMW i3 aufzuladen. Der Kleinwagen ist das erfolgreichste Elektroauto in Südafrika, auch wenn die Verkaufszahlen bisher eher bescheiden sind: 148 Exemplare von März 2015 bis November 2016. Zum Vergleich: Allein die Polizei von Los Angeles hat in diesem Sommer 100 BMW i3 geordert. Aber es ist ein Anfang in einem Land, das natürlich nicht über die Kaufkraft entwickelter Industriestaaten verfügt. Rosslyn war BMWs erster Fabrikationsstandort im Ausland, seit 1968 wird hier produziert. Und der Fortschritt war nicht nur technisch: Schon vor Nelson Mandelas friedlicher Revolution und dem Ende der Apartheit traf man bei BMW in Rosslyn Maßnahmen gegen Rassentrennung, Job-Diskriminierung und ungerechte Bezahlung. Geht es nach BMW, soll das Carport-Modell nicht nur im hoch gelegenen Pretoria Erfolg haben, sondern auch im mitunter regnerischen Kapstadt, im ebenfalls sonnigen Johannesburg und im tropischen Durban am Indischen Ozean. Das Ganze ist eine Premiere: Südafrika ist für BMW der erste Markt, auf dem die Solar-Carports vertrieben werden. Zum möglichst nachhaltigen Wirtschaften gehören für BMW auch intelligente Mitarbeiterführung, Personalentwicklung und die Ressourcen schonende Produktion. In Rosslyn ist man damit schon ziemlich weit gekommen. Vergleicht man die Verbrauchszahlen von vor zehn Jahren, kann sich die Bilanz sehen lassen. Die zentralen Werte – Energieverbrauch, Emissionen und Wasserverbrauch pro hergestelltem Fahrzeug, das anfallende Prozessabwasser und Müll – sind von 2006 bis 2015 zwischen 24,6 und 58,5 Prozent gesunken. BMW zeigt also in Südafrika, wie es vorangehen kann auf dem ökologischen Weg. Und das nicht nur in Rosslyn. Für seine neue Verwaltungszentrale in Midrand, auf halber Strecke zwischen Pretoria und Johannesburg gelegen, wurden die Münchner vom „Green Building Council of South Africa“ mit einem Fünf-Sterne-Award ausgezeichnet. Keinem anderen Automobilhersteller ist das bisher gelungen. Das BMW-Gebäude ist ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit – und es sieht auch noch gut aus. Auf mehr als 90 Prozent der Bürofl.chen fällt Tageslicht, was an Beleuchtung noch fehlt, liefern energiesparende LEDBirnen. Nachhaltigkeit definiert BMW nicht nur ökologisch und ökonomisch, sondern auch sozial. Hier ist der südafrikanische Standort Rosslyn wieder ganz vorn dabei. Etwa mit der Einrichtung eines betriebseigenen Gesundheitszentrums. Es ist rund um die Uhr geöffnet, Ärzte und Therapeuten kümmern sich um psychisches Wohlbefinden ebenso wie um Bluthochdruck und Krebsvorsorge oder sie beraten zum Thema Aids, in Südafrika besonders wichtig. Achtsamkeit hat bei BMW Tradition. Ein Beleg dafür dürfte sein, dass die Münchner schon 1973 einen Umweltbeauftragten installiert haben – als erste in der Automobilbranche, weltweit. Das Engagement lohnt sich in vielerlei Hinsicht. Zum einen spart es Geld: „Unsere Investitionen in den betrieblichen Umweltschutz“, so bilanziert man bei BMW, „führen zu einer kontinuierlichen Steigerung unserer Ressourceneffizienz und haben uns seit 2006 Kosteneinsparungen in Höhe von 158 Millionen Euro erbracht.“ Zum anderen nutzt die organisierte Nachhaltigkeit dem Image. Im Dow Jones Sustainability Index World, dem weltweit maßgeblichen Nachhaltigkeitsranking, ist  BMW als einziges Unternehmen der Automobilbranche seit Bestehen des Rankings im Jahre 1999 ununterbrochen dabei. Nicht nur das: Zwischen 2005 und 2012 sowie im Jahr 2014 stand das Münchner Unternehmen auf Platz eins. So soll es weitergehen: „Im Bereich der Energienutzung reduzieren wir unsere Umweltauswirkungen systematisch“, sagt die Leiterin Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei BMW, Ursula Mathar. „Hierzu verbessern wir kontinuierlich die Energieeffizienz unserer Prozesse, prüfen zum Beispiel den Einsatz von Wind- und Wasserkraft an unseren Standorten und kaufen regenerativ erzeugten Strom zu.“ Das ehrgeizige Ziel: Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Die Ausweitung der E-Mobility ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg, möglichst nachhaltig zu wirtschaften. Und BMW muss sich, ähnlich wie die anderen europäischen Hersteller, sehr ranhalten. Pro Jahr verkaufen die Münchner derzeit weniger als 30.000 elektrische Modelle: Das macht lediglich 1,2 Prozent des Umsatzes aus. Marktführer Tesla hat allein im dritten Quartal 2016 etwa 24.500 E-Autos ausgeliefert. Für sein kommendes Modell gibt es satte 400.000 Vorbestellungen. BMW verstärkt nun sein Elektro-Engagement auch im Heimatmarkt Deutschland, wo man Renault die Marktführerschaft abnehmen möchte. Für dieses wichtige Ziel arbeitet man mit den Wettbewerbern zusammen. Ende 2016 verkündete eine Koalition aus BMW, Daimler, Volkswagen und Ford: Wir bauen Tausende Stromtankstellen. In einem ersten Schritt werden 2017 an den wichtigsten Autobahnen 400 sogenannte Schnellladestationen eingerichtet. Entsprechend vielfältige Autos plant man ebenso. Neben den bisherigen Modellen i3 und i8 soll es ab 2018 einen rein elektrischen Mini geben. Zwei Jahre darauf soll ein batteriebetriebener SUV BMW X3 folgen. Große Hoffnung setzt BMW auf die i5-Limousine, die es derzeit als Hybrid gibt, ab 2020 aber als rein elektrisches Auto den Markt erobern soll. BMW-Vorstandschef Harald Krüger will die Kosten für Elektroautos spürbar senken. Es bedarf „einer neuen Architektur für sämtliche Antriebsformen“, sagt er. Und die müsse spätestens dann fertig sein, wenn die Nachfrage nach E-Wagen auch in Deutschland merklich ansteigt. Krüger vermutet, das werde 2023 der Fall sein.

IssueGG Magazine 02/17
City/CountryMunich/ Germany
PhotographyBMW AG, München
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