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Provence-Gefühl aus dem Flakon by Steffi Kammerer | 6. September 2019 | Personalities

Für die New Yorker Shirin von Wulffen und Frédéric Fekkai ist Aix-en-Provence zweites Zuhause. Der Ort hilft ihnen, im Einklang mit der Natur zu leben. Dieses Lebensgefühl wollen sie in die Welt tragen. Mit „Bastide“, ihrem nachhaltigen Kosmetiklabel.

Sie hatten das Haus nicht gesucht. Aber beim ersten Anblick war die Sache klar: Sie würden das Anwesen aus dem 17. Jahrhundert kaufen und restaurieren. Seither verbringen Frédéric Fekkai und Shirin von Wulffen gut vier Monate des Jahres in der Provence. Für das Ehepaar und seine zwei Kinder ist es das perfekte Kontrastprogramm zu ihrem Power- Alltag in Manhattan. Hier haben sie sich 2003 kennengelernt, bei einem Abendessen gemeinsamer Freunde. Frédéric, der Franzose mit ägyptischen und vietnamesischen Wurzeln, der Hillary Clinton die Haare schnitt und mit seinen Salons Millionen verdient hat. Und die Deutsche Shirin, die in Teheran und Virginia aufgewachsen ist und PR-Chefin für Yves Saint Laurent und Tom Ford war.

Auf der Upper East Side sind wir zum Mittagessen verabredet. Die Kinder sind ein paar Straßen weiter im Lycée Français, Shirin hat sie vorhin mit dem Tretroller hingebracht, wie jeden Morgen. Während wir auf Frédéric warten, erzählt sie, dass er sich in den ersten Jahren, die sie ihn kannte, wenig für seinen Heimatort Aix-en-Provence interessiert hat. Wenn er nicht in Manhattan war, zog es ihn nach Aspen oder Kalifornien, ständig waren sie unterwegs. Dann aber wurde er 50. Und plötzlich änderte sich alles. Er begann, seine Wurzeln wieder zu entdecken. Sah alles mit neuen Augen: das unbeschreibliche Licht seiner Heimat, das Essen, die Natur. „Wirklich alles“, sagt er, während er Platz nimmt: „Wie könnte man es nicht mögen?“ Seine Frau fügt hinzu: „Wenn er in der Provence ist, fallen seine Schultern um fünf Zentimeter.“

Ihr ockerfarbenes Haus, eine „bastide“, wie die Franzosen die traditionellen Landsitze nennen, liegt fünf Minuten außerhalb von Aix. Nachbarn sieht man in keiner Richtung. Nur endloses Grün. Sie haben das Gebäude entkernt und jahrelang aufwendig saniert. Feigenbäume gepflanzt, Lavendel und Eisenkraut gesät, es wachsen hier alle Kräuter und unzählige Beeren. Und dicke Tomaten, die die Kinder von den Stauden pflücken, so begeistert, als seien es Süßigkeiten.

Es geht darum, sich Zeit zu nehmen. Mit den Kindern Fahrrad zu fahren. Gut zu essen, viel zu schlafen. Das ist die Botschaft.“ FRÉDÉRIC FEKKAI

In Aix kommt alles Gemüse aus dem Garten, der frische Fisch vom Markt. Dann gibt es Ratatouille, Loup de mer in Salzkruste, Bouillabaisse. Beide kochen sie gern. Die Provence bringe einem viel bei, sagt Shirin. Sich nach den Jahreszeiten zu richten, auch bei Lebensmitteln. Und Maß zu halten. Drei gute Malzeiten pro Tag statt ständiger Esserei. „Die Natur zu nutzen ist ein großer Teil des provenzalischen Lebensstils.“ Viele ihrer Freundinnen in der Provence behandelten ihre Haut mit Olivenöl. „Man fühlt sich anders dort. Und es gibt eine kreative Energie, die dazu führt, dass Menschen schöne Dinge tun.“ Fünf Minuten vom Haus entfernt liegt Picasso begraben. In Aix war Shirin zum ersten Mal mit 19 Jahren, damals studierte sie in Paris. Sehr viel später kam sie dann zurück, mit Frédéric. Ihren Rückzugsort kauften sie vor sieben Jahren; etwa zu der Zeit, als Philip zur Welt gekommen war, ihr zweites Kind.

Neben dem Haupthaus gibt es ein ebenso großes Gästehaus – und den ganzen Sommer sind Freunde da. „Für uns ist es ein Ort, an dem viel Schönes passiert. Wo man Lachen hört und Kochen riecht. Das ist auch die Idee unserer Marke“, sagt Shirin. „Bastide“, so der Name ihres Labels, ist inspiriert von der Natur und ihren Zutaten. Den Vorgänger „Côté Bastide “ gab es schon 25 Jahre, Shirin und Frédéric benutzten die Produkte seit Langem, deren Kerzen standen überall im Haus. Und sie wussten, die Eigentümerin wollte in Pension gehen. „Eines Tages haben wir entschieden, wir werden die Marke erhalten und wieder aufbauen“, sagt Shirin. 2015 haben sie das Unternehmen gekauft – und waren nun auch beruflich ein Team. Sie haben schon beim Umbau des Hauses gemerkt, dass sie sich gut ergänzten. Bis hin zu den hochwertigen Verpackungen haben sie alles neu gemacht, die PR-Expertin Shirin kümmert sich um den Internet-Auftritt und um Social Media. Es gibt einen Laden im Ortskern von Aix und vielleicht bald einen im New Yorker Stadtteil SoHo. „Bastide“-Produkte findet man bei Printemps Haussmann in Paris, bei Liberty in London, in den USA bei Neiman Marcus und Nordstrom. Auch in Deutschland ist das Ehepaar im Gespräch mit einigen großen Kaufhäusern, bald wollen sie nach China expandieren. „Wir fangen gerade an, überall mitzumischen“, sagt Shirin.

„Schönheit ist mehr als eine Creme. Bei ,Bastide‘ geht es auch darum, dass man sich innerlich stärkt.“ SHIRIN VON WULFFEN

Die Produkte werden in der Provence hergestellt. Von ausgesuchten Spezialisten, deren Leidenschaft es ist, umweltschonend die feinsten Seifen oder Lotionen zu produzieren. Ohne Zusatzstoffe. Dass irgendwann auch Haushaltsgegenstände oder Möbel zum Sortiment gehören könnten, schließen von Wulffen und Fekkai nicht aus. „Aber um Produkte geht es erst in zweiter Linie“, so Frédéric. „Viel wichtiger ist, einen besonderen Lebensstil zu promoten. Daraus kann dann alles wachsen.“ Was die Marke vermitteln will: sich Zeit zu nehmen für die wichtigen Dinge. „Mit den Kindern Fahrrad zu fahren. Gut zu schlafen, gut zu essen. Das ist die Botschaft.“

Zu allem bei „Bastide“ gibt es Geschichten, wie bei jeder starken Marke. Das Eau de Toilette „Rose Olivier“ etwa entstand aus einem Mittagessen heraus. Frédéric saß mit seinem Parfümeur in Grasse auf der Terrasse. Da sah er einen Olivenbaum, der war voll mit blühenden Rosen. „Das brauchen wir in Flaschenform“, rief er begeistert. Shirin ergänzt: „Es ist doch die perfekte Liebesgeschichte. Maskulin und feminin, für immer verbunden, beide geben einander Kraft.“ Der Duft, der aus diesem Bild entstand, ist hölzern und süß. Immer wieder haben sie getestet und optimiert – ein bisschen frischer, weniger pudrig – bis sie beide mit dem Ergebnis zufrieden waren. Alle „Bastide“-Düfte, so Shirin, entstehen aus einer Inspiration. „Es ist es etwas, das wir leben und an dem wir andere teilhaben lassen wollen.“ Das Eau de Toilette, das sie derzeit beide tragen, „Verveine du Sud“, versammelt die frischen Gerüche, die sie in ihrem Garten lieben: Zitrone, Minze, Grapefruit. Gerade entwickeln sie den Duft „Nue au soleil“, nackt in der Sonne. Der Name sage schon alles, sagt Frédéric lachend: „Ich bin frei! Die Welt gehört mir!“ Es ist dieses spezielle Provence- Gefühl, das sie in die Welt tragen wollen. Und so ist ein Duschgel gleich viel mehr, es ist ein Innehalten und Erinnern. „Schönheit“, betont Shirin, „ist mehr als eine Creme. Sie kommt auch von Momenten, wo du Ruhe hast und einatmen und spüren kannst.“

IssueGG Magazine 04/19
City/CountryAix- en-Provence, France
PhotographySimon Watson