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Namibia – my Love by Michaela Cordes | 6. März 2020 | Personalities

Kilometerweit nichts als Sanddünen oder rote Erde. Die Namib, die als älteste Wüste der Welt gilt, erscheint so unwirtlich wie eine Mondlandschaft. Und doch lassen sich in dieser spektakulären Natur exotische Tiere beobachten, die sich an die besonderen Lebensbedingungen angepasst haben. Eine unvergessliche Reise durch drei einsame Safari-Camps.

Es ist meine erste Reise nach Afrika. Aber anstatt wie viele meiner Freunde diesen Kontinent über Kapstadt kennenzulernen, mache ich mich gleich in eine der abenteuerlichsten Ecken auf: nach Namibia. Das Land ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, aber hier leben nur etwas über 2,5 Millionen Einwohner. Nach der Mongolei ist der südwestafrikanische Staat der am geringsten besiedelte der Welt. Auf einen Quadratkilometer Land verteilen sich gerade mal rund 3,2 Einwohner – in Deutschland liegt diese Zahl bei knapp 230 Menschen. Etwas aufgeregt über meine exotische Reise besteige ich das Flugzeug von Ethiopian Airlines, das mich über Istanbul nach Windhuk, die Hauptstadt des Landes, transportiert. Nach dem 15 Stunden langen Flug geht es für unsere dreiköpfige Reisegruppe in einer minikleinen, 40 Jahre alten Cessna-Maschine weiter.

Ruby Wilson, unsere Pilotin, ist erst 25 Jahre alt, aber schon seit sieben Jahren für die „Wilderness Safaris“-Gruppe tätig. Das erste Reiseunternehmen, das sich schon 1983 als Ziel gesetzt hat, nachhaltigen Ökotourismus zu etablieren. Vor 37 Jahren von den Guides Colin Bell und Chris McIntyre in Botswana gegründet, arbeiten heute rund 3.000 Menschen für das mittlerweile börsennotierte Unternehmen. Heute ist es auch in Kenia, Namibia, Südafrika, Ruanda, Sambia und in Simbabwe aktiv.

Nachdem unser leichtes und sehr knautschbares Gepäck in dem kleinen Flugzeug verstaut ist und wir uns auf den engen Sitzen zusammengefaltet haben, hebt Ruby mit uns ab. Schnell werden die Siedlungen unter uns zersetzter, bis man schließlich nur noch weite Wüstenlandschaften und scheinbar ausgetrocknete Flussbetten sieht. Wie Adern ziehen sie sich über das dürre Land. An deren Ausläufern aber ist immer wieder ein wenig Vegetation zu erkennen. Wie wir später lernen, bieten sich hier die größten Chancen, wilde Tiere zu beobachten, da diese nur hier Wasser und auch Pflanzen finden, die ihnen das Überleben in der Wüste ermöglichen.

Der dreistündige, etwas rüttelige Flug transportiert uns zunächst zum „Desert Rhino Camp“ – einer Partnerschaft von „Wilderness Safaris“ mit dem „Save the Rhino Trust“. Dieser Teil Namibias ist das Zuhause der größten frei lebenden Population Schwarzer Nashörner in Afrika. Nach dem Motto „Purpose is the new Luxury“ verfolgt Wilderness mit dem „Desert Rhino Camp“ das Ziel, zum fortwährenden Schutz dieser Spezies beizutragen. Eine traurige Tatsache: Derzeit sind alle weltweit noch lebenden fünf Arten von Nashörnern wegen Wilderei vom Aussterben bedroht. Den Höhepunkt erlebt derzeit Afrika, wo statistisch alle acht Stunden ein Nashorn illegal erschossen, das Horn brutal abgetrennt und auf dem Schwarzmarkt nach Asien verkauft wird. Um diesem sinnlosen Sterben ein Ende zu bereiten – bis heute gibt es übrigens keinerlei wissenschaftliche Belege für irgendeine medizinische Wirkung von pulverisiertem Nashornhorn –, kümmern sich im „Desert Rhino Camp“ rund 36 Wildhüter um die noch verbliebenen Spitzmaulnashörner. 2014 machte die Regierung Namibias es zum Gesetz, dass die Hörner unter Betäubung abgefeilt werden müssen und jedes Tier registriert wird. 1995 lag die Anzahl der Black Rhinos in ganz Afrika bei nur noch 2.410 Tieren. Die Maßnahme scheint zu wirken: Heute zählt man immerhin wieder 5.000 Exemplare dieser seltenen Nashorn-Art.

Ein fröhliches Empfangskomitee begrüßt uns und zeigt uns unsere simplen, aber sehr gemütlichen Zelt-Unterkünfte. „Niemals den vorgegebenen Pfad zum Hauptzelt des Camps verlassen!“ und „Immer schön die Zelt-Reißverschlüsse geschlossen halten!“ lernen wir oder „Wenn Not sein sollte, die Nebelhupe betätigen!“ Es sind lebenswichtige Regeln, auf die wir aufmerksam gemacht werden. Dazu werden wir gebeten, das Duschwasser in einem bereitgestellten Eimer zu sammeln und nur die bereitgelegte Öko-Seife und das Shampoo zu benutzen, um die Umwelt nicht mit unnötigen Sulfaten zu belasten. Abends versammeln wir uns nach dem Essen mit einigen Wildhütern unter einem spektakulären Sternenhimmel um das Lagerfeuer und lauschen ihren spannenden Erlebnissen und ihren traditionellen Gesängen. Am nächsten Morgen, noch bevor der Sonnenaufgang beginnt, den Himmel dramatisch glutrot zu färben, kutschiert uns Guide Bonse, der hier aufgewachsen ist, in seinem offenen Jeep durch die Gegend und erklärt, dass man vor allem früh morgens oder kurz vor Sonnenuntergang die größten Chancen hat, die wild lebenden Tiere zu beobachten. Da nämlich die Luft nur dann kühl genug ist. In der Mittagshitze suchen sich die wilden Tiere gern ein schattiges Versteck. Außer den seltenen Nashörnern leben am Fuß der Hartmannberge auch wüstenadaptierte Zebras, Giraffen, Oryx, Springböcke und die gefleckte Hyäne.

„Muskeln entspannen, der Geist wächst. Die Weite kriecht unter deine Haut. Und unsere Zeit löst sich auf.“ ARIANNA DAGNINO, „THE AFRIKANER“

Und tatsächlich, nur wenige Meter vom Camp entfernt steht gleich eine stolze, etwa 14 Jahre alte männliche Giraffe und grast ungeniert an einem Baum. Am Wegesrand zeigt uns Bonse die Nationalpflanze Namibias – die „Welwitschia Mirabilis“, die bis zu 1.500 Jahre alt werden kann, wenn sie nicht vorher von Elefanten und Giraffen ausgebuddelt und leergesogen wird, da sie das in der Wüste rare Wasser optimal speichern kann. Am Nachmittag bekommen wir per Walkie-Talkie Nachricht: Man hat zwei Nashörner entdeckt. Man bittet uns, das GPSSignal in unseren Handys auszustellen. Wir haben hier die ganze Zeit über keine Verbindung zur Außenwelt, aber falls wir Fotos machen, die wir nach unserer Rückkehr online stellen, könnten die Geodaten Wilderern helfen, die geschützten Tiere aufzuspüren. Wir lassen den Jeep stehen und begeben uns zu Fuß weiter. Und tatsächlich: Mithilfe von Ferngläsern können wir eine etwa 20 Jahre alte Nashorn-Mutter mit ihrem vier bis sechs Jahre alten Teenager-Sohn beobachten.

Schwarznashörner können über 40 Jahre alt werden und bringen bis 1.400 Kilogramm auf die Waage. Sie können zwar kaum etwas sehen, weil sie sehr schlechte Augen haben, aber dafür umso besser riechen und hören. Untereinander kommunizieren sie vor allem mit ihrem Kot, den sie kreisförmig niedertrampeln und anderen Nashörnern so Signale geben. Später beim Drink mit Blick auf den spektakulären Sonnenuntergang über der roten, steinigen Erde, die an eine außerirdische Marslandschaft erinnert, erzählt uns Bonse, dass hier der vierte Teil der „Mad Max“-Kinofilme gedreht worden ist.

IssueGG Magazine 02/20
City/CountryNamibia
Photography© Wilderness Safaris (www.wilderness-safaris.com)
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