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Brastet Castle by Christina Libuda | 5. März 2021 | Prime Properties

Im katalanischen Aran-Tal, tief im Herzen der Pyrenäen, liegt die 1580 erbaute Burg von Brastet. Sie ist umgeben von mächtigen Gebirgsketten und einer beeindruckenden Landschaft. Die mittelalterliche Festung erstrahlt heute in neuem Glanz.

In der katalanischen Provinz Lleida liegt das idyllische Aran-Tal. Hier treffen dramatische Felsschluchten der Pyrenäen auf satte, grüne Landschaften. Mittelalterliche Festungen und historische Steinhäuser mit schiefergedeckten Dächern verleihen der Region einen märchenhaften Charme. Am Rande des Tals, nur elf Kilometer von der französischen Grenze entfernt, thront in Hanglage das idyllische Dorf Unha. Nur eine Straße führt durch den 114-Einwohner-Ort, an dessen Eingang eine ganz besondere Immobilie wartet.

Während sich im Winter anderswo in Spanien Badeurlauber am Strand sonnen, sinken die Temperaturen im Aran-Tal auf Minusgrade. Die Landschaft verwandelt sich in eine der besten Wintersportregionen des Landes. Das Skigebiet Baqueira-Beret ist über Landesgrenzen hinweg bekannt. Nicht nur für den besten Pulverschnee der Pyrenäen, sondern vor allem, weil der spanische Hochadel hier stets seine Winterferien verbringt. 27 Lifte und zwei Gondeln erschließen das Terrain in bis zu 2.510 Metern Höhe. Mittlerweile gibt es von Chalets bis zu Luxushotels zahlreiche Übernachtungsangebote. Am Berg steigt der Dampf heißer Thermalquellen empor, während im Tal Pferdeschlitten über den Schnee gleiten. Zur Abwechslung gibt es eine beleuchtete Rodelbahn, einen Eislaufplatz, Saunen und ein Hallenbad. Im Sommer geht es ruhiger zu. Morgens schwebt eine dünne Nebeldecke über dem Tal. Wanderer spazieren durch den nahe gelegenen Aigüestortes-Nationalpark, Bergsteiger erklimmen die Dreitausender vor der Tür.

33 Dörfer gehören zum Aran-Tal, das über Jahrhunderte von Süden aus isoliert war – nur Mauleselpfade führten über den 2072 Meter hohen Bergpass Port de la Bonaigua. Seit 1924 verbindet der kurvenreiche Bonaigua-Pass die Region mit Frankreich. Das prägt die Kultur des 620 Quadratkilometer großen Hochtals. Die rund 10.000 Einwohner sprechen Katalanisch, Spanisch oder Aranèse, auf dem Wochenmarkt werden neben Baguette und Käselaiben auch Paella und Südfrüchte verkauft.

„Die Burg ist eine Zeitreise ins Mittelalter mit dem Komfort von heute.“ ANA MARIA CRUSAFONT SABATE

Eine Reise durch die Dörfer wird in Touristenführern als „Route der Romantik“ angepriesen. Nicht nur mittelalterliche Festungen – wie die Burg von Brastet – verleihen der Region ihren einzigartigen Zauber. Im benachbarten Boí-Tal stehen gleich neun romanische Kirchen, die wegen ihrer Fresken zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Durch das Dorf Unha führt eine einzige Straße; am Ortseingang thront die Burg von Brastet. Ihre massiven Mauern wurden 1580 im Auftrag von König Philipp II. von Spanien errichtet, als Hugenotten über die Bergpässe in das Aran-Tal vordrangen. Die Burg sollte als Schutzwall dienen. Damals ließen sich aus den Türmen die Hugenotten erspähen, heute fliegt mit etwas Glück der seltene Bartgeier vorbei, eines der Symboltiere der Pyrenäen. Unten fällt der Blick in den Burggarten, in dem Wildblumen, alte Eichen und Obstbäume wachsen. Dazwischen versteckt sich eine Scheune, und in der Ferne plätschert ein Brunnen. Alles wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, oder vielmehr so, als würde die Zeit stillstehen.

Die derzeitige Eigentümerin Ana Maria Crusafont Sabate war 1959 mit ihrer Familie auf einer Reise durch das Aran-Tal, als sie die alte Burg entdeckte. Zu dem Zeitpunkt stand diese mehr als 20 Jahre leer. „Das Innere war völlig zerstört, die Fenster und Türen teilweise kaputt oder lieblos ersetzt worden“, sagt Ana Crusafont. Die Familie kaufte das historische Gebäude und renovierte es originalgetreu im katalanischen Stil, vom Keller bis unter die Dachspitze. Heute verfügt es über ein großzügiges Wohnzimmer mit Kamin, eine Küche mit Speisekammer, eine Bibliothek, neun Schlafzimmer, vier moderne Badezimmer und einen Dachboden.

„Alte Zeichnungen und schwere Stoffe vervollständigen den Mittelalter-Stil.“ ANA MARIA CRUSAFONT SABATE

„Als wir das Haus kauften, war die Eingangstür durch eine neue ersetzt worden. In einer verlassenen Ruine in der Stadt Benasque entdeckten wir dann eine Tür aus dem 16. Jahrhundert und kauften sie – sie passt perfekt“, sagt Ana Crusafont. Sie fanden Kreuzfenster aus der Renaissance. Das Schieferdach wurde mit den alten Ziegeln neu gedeckt. Für den Boden wurden zehn Meter lange Dielen aus regionalem Holz verwendet und rustikal aufbereitet. Das Mobiliar stammt teils aus dem 16. Jahrhundert, von den Tellern wurde schon in der Renaissance gegessen. „Wir wollten keine Luxusvilla schaffen, sondern einen Ort, der mit seiner Geschichte lebt“, so Ana Crusafont. Nun ist es Zeit, die Geschichte weiterzuschreiben.

„Das Haus ist liebevoll mit Funden aus dem 16. Jahrhundert eingerichtet.“ ANA MARIA CRUSAFONT SABATE

IssueGG Magazine 02/21
City/CountrySpain
PhotographyGala España