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That´s Amore! by . | 2. September 2022 | Travel

Wer einmal an der Amalfiküste entlanggefahren ist, kennt das Gefühl: Beim Anblick von Pinien, die sich wie Skulpturen vor dem tintenblauen Mittelmeer verbeugen, krabbelt ein Glücksgefühl vom Bauch bis in den Hals hinauf. Steigt man in ein Boot und erkundet die Gegend vom Wasser aus, kann es passieren, dass man sich beim ersten Anblick verliebt. So beginnt die Liebesgeschichte zwischen einer trauernden Witwe und dem „Monastero Santa Rosa Hotel & Spa“.

Verzaubert – so fühlt es sich an, im Hotel „Monastero Santa Rosa“ anzukommen. Die Magie beginnt mit einer eiskalten Limonade und einem Blick, der den Atem raubt. Ich stehe hoch oben auf einem Balkon des ehemaligen Klosters und schaue hinunter auf duftende Zitronen- und prächtige Olivenbäume.

Ein verwunschener Garten, pink blühende Bougainvilleen, romantische Lustwandelwege, die sich auf vier Terrassen verteilen und bis zum Pool führen. Das Ganze umrahmt vom tief blauen Mittelmeer. Nach meiner 80-minütigen Autofahrt vom Flughafen in Neapel bin ich vor dem sehr unscheinbaren und versteck- ten Eingang – an dem Gäste oft vorbeifahren – mit einem lauten Glockengong angekündigt worden. So, wie es schon im 17. Jahrhundert üblich war, als Nonnen hier zu Hause waren. Man hat mir als Erstes das kühle Getränk gereicht und mich gebeten, auf den Balkon gegenüber der Rezeption zu treten und die Aussicht zu genießen.

Es ist ein wahres Naturspektakel, das sich mir darbietet. Ich beobachte, wie kleine Fischerboote eifrig zwischen Amalfi, Positano und Capri hin- und herdüsen und weiße Linien in das blaue Meer zeichnen. Unter mir kreisen Möwen über das prächtige Grundstück und drehen stolz ihre Runden, als wäre das „Monastero Santa Rosa Hotel & Spa“ ihr Eigentum. Ähnlich benommen von so viel Schönheit muss sich die Amerikanerin Bianca Sharma gefühlt haben, die tatsächliche Besitzerin, als sie dieses außergewöhnliche Anwesen vor 22 Jahren vom Meer aus entdeckte.

Unmittelbar nach dem plötzlichen und viel zu frühen Tod ihres Mannes war die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und ehemalige Montessori-Kindergärtnerin mit Familie und Freunden auf einem Boot an der Amalfiküste unterwegs, um Trost zu finden. „Ich sah hoch oben über uns diesen Bau, der wirkte, als würde er aus dem Berg hinauswachsen, und fragte sofort unseren Kapitän, was das für ein Gebäude sei“, erzählte Bianca Sharma dem US-Fachmagazin „Leaders“. „Ein verlassenes Kloster, erklärte er mir, das seit Jahren zum Verkauf stünde. Ich fühlte mich sofort magisch angezogen und flog mit einem Plan zurück in die USA: das Anwesen in ein einzigartiges Luxushotel zu verwandeln.“

„Prego, signora“, sagt der Concierge, nimmt mir mein leeres Glas aus der Hand und reißt mich aus meinen Gedanken. „Sicher möchten Sie Ihr Zimmer sehen?“ Wir schreiten durch die dunklen, kühlen, gewölbten Klostergänge und kommen an dem alten Beichtstuhl der Nonnen vorbei, in dem Hotelgäste heute aufgefordert werden, ihre Bewertungen abzugeben. Auf der hellen Terrasse im obersten Stockwerk kann man nicht nur den Sonnenuntergang genießen, man hat auch einen spektakulären 180-Grad-Blick über den Golf von Salerno. In meiner Suite angekommen, öffne ich als Erstes die Fenster und freue mich, dass ich auch von hier aus auf das Meer und den Garten schauen kann.

Bei der Einrichtung der 20 Zimmer und Suiten hat Bianca Sharma streng darauf geachtet, dass der Klostercharakter erhalten bleibt. Warme Mahagonihölzer harmonieren mit hellen, wertvollen Textilien und passen sich so den ehemaligen Quartieren der Nonnen äußerst harmonisch an. Aber trotz der sehr zurückhaltenden Klosterästhetik muss hier kein Gast auf Gemütlichkeit und Komfort verzichten.

Die 20 bis 25 Quadratmeter großen Räume – es gibt nur wenige Suiten mit eigenem Balkon und eine einzige mit einer 75 Quadratmeter großen Terrasse – sind aus mehreren Einzelkammern der Nonnen zusammengelegt worden und bieten jeden denkbaren technischen Luxus. Möchte man Musik hören oder einen Film schauen, kann auch der verwöhnteste Techie seine Mediathek mit gleich zwei Fernsehern verbinden.

Dass im „Monastero Santa Rosa“ sehr viel Liebe im Detail steckt, spürt man als Gast an jeder Ecke. Statt einfacher „Nicht stören“-Hinweise sind die Schilder hier aus Holz, mit einem Lederband versehen und zeigen eine von Hand gemalte Nonne, die mit geschlossenen Augen einen Zeigefinger an den Mund legt. Auf der Rückseite des Holzes räumen Nonnen das Zimmer auf. Auch die Menükarten wurden fröhlich illustriert. Sie sind zum Beispiel mit fliegenden Nonnen bemalt, die an roten Regenschirmen vom obersten Stockwerk des Hotels in den Garten purzeln.

Ich packe meinen Koffer aus und sehe, dass man mir zur Begrüßung zwei kleine „Sfogliatelle“ hingestellt hat – die berühmte süße Blätterteigspezialität, die von den Nonnen dieses Klosters erfunden wurde. Das Rezept des mittlerweile landesweit berühmten Gebäcks haben sie über Jahre streng geheim verwahrt. Ich beiße in eine der knusprigen Köstlichkeiten – es schmeckt wirklich himmlisch!

Kein Wunder, dass dieser Ort auch Bianca Sharma so begeistert hat, steckt doch so viel Geschichte in den dicken Mauern: Ursprünglich 1680 von der Familie Pandolfi gebaut, gehörte das Kloster zur Kirche Santa Maria delle Grazie in Grado und bot dem Dominikanerorden Unterkunft, bis es 1866 von der katholischen Kirche entweiht und an die Gemeinde übergeben wurde. Den dort noch lebenden Nonnen wurde erlaubt, bis 1912 hier zu wohnen. Kurze Zeit darauf entdeckte der sizilianische Hotelier Massimiliano Marcucci den Bau, kaufte ihn und verwandelte das Kloster erstmals in ein Hotel. Der letzte Verwandte dieser Familie starb 1998, und das Anwesen wurde an einen weit entfernten Verwandten vererbt, der im Norden Italiens lebte.

Als Sharma das „Monastero Santa Rosa“ entdeckte, glich das Gebäude einer Ruine. Ihre finanziellen Berater machten sich ein eingehendes Bild der Situation: Es gab keine Infrastruktur, nur drei Badezimmer für alle Zimmer und dazu die Herausforderung, als Amerikanerin im Süden Italiens Geschäfte machen zu wollen. Bianca Sharma hielt trotz aller Warnungen an ihrer Vision fest.

Viel bürokratischer Gegenwind und langwierige Renovierungsarbeiten verzögerten die Eröffnung, sodass es insgesamt elf Jahre dauerte, bis das heutige „Monastero Santa Rosa Hotel & Spa“ seine Eröffnung feiern konnte. Heute sei die Besitzerin stolz, dass ihr Haus innerhalb relativ kurzer Betriebszeit schon viele, sehr wichtige Auszeichnungen gewonnen habe. 2019 wurde ihr Haus vom Magazin „Condé Nast Traveler“ zum „Top Hotel in Italy“ gekürt, bei den „European Hotel Awards“ wurde es 2020 das „Hotel of the Year“.

In diesem Jahr hat man mit Alfonso Crescenzo einen neuen Küchenchef ins Team geholt. Das Restaurant „Il Refettorio“ – ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern – zieht auch viele Touristen aus der Umgebung an, die nicht unbedingt im Hotel wohnen.

Wie sehr ist die Chefin, die durch den Tod ihres Mannes ein Vermögen erbte, heute noch präsent? „Oh, sehr!“, erklärt Ferdinando Alfano, der Generaldirektor des Hauses, der mich auf einen Aperitif an der Hotelbar eingeladen hat. „Morgen früh bin ich mit ihr in Positano verabredet, und wir erledigen ein paar wichtige Dinge zusammen.“ Bianca Sharma verbringt hier am liebsten den Frühling, um ihr Hotel auf die Saison vorzubereiten. Sie pendelt nach wie vor zwischen ihren Wohnsitzen in Colorado, South Carolina und der Amalfiküste. Statt mit Journalisten über ihr Hotel zu sprechen, lässt die Unternehmerin ihr Werk für sich wirken. Ihr Sohn Nathan unterstützt seine Mutter heute als Managing Partner.

Langsam versammeln sich auf der Terrasse auch die anderen Gäste, herausgeputzt für einen Sundowner-Drink, bevor es zum Dinner ins Restaurant geht, wo auch ich später mit einem köstlichen Menü verwöhnt werde. Am nächsten Tag stehe ich extra sehr früh auf, nehme den Aufzug in die Gartenebene und laufe die Stufen zum Pool hinunter, als gerade die Sonne aufgeht. Obwohl alle Gäste noch zu schlafen scheinen, erscheint sogleich ein Poolboy und bringt mir einen Eiskaffee.

Ich genieße den Luxus, dieses Plätzchen für mich ganz allein zu haben. Von hier aus kann man sich stundenlang im geheizten Wasser an die Brüstung hängen, den Aus- blick auf die Felsen unter einem bewundern und das Spiel der ersten Sonnenstrahlen über dem Meer beobachten. Als ich am Nachmittag nach meinem Besuch im Spa mit herrlichem Dampfbad, Sauna und Jacuzzi für ein paar Minuten am gut besuchten Pool entspanne, ist die Stimmung und sind auch die Far- ben der Natur verändert.

Die folgenden Tage mache ich es daher zu meinem Ritual, die frühen Morgenstunden zu nutzen, um den Sonnenaufgang vom Pool aus ganz allein zu genießen. Und jeden Morgen bekomme ich ganz automatisch meinen Eiskaffee serviert. Nur zweimal verlasse ich diese Traumburg. Den Ausflug mit dem hoteleigenen Shuttle nach Amalfi halte ich sehr kurz, weil es mir nach der exquisiten Atmosphäre schwerfällt, die Touristenmassen zu ignorieren. Sehr viel empfehlenswerter ist das 20 Minuten entfernte Ravello, wo ich mir mehrere Stunden Zeit nehme, die Villa Cimbrone, die Villa Rufolo und die traumhaft angelegten Gärten anzuschauen. Auf dem Weg zu- rück entdecke ich hoch oben auf der Klippe klebend das „Monastero Santa Rosa“. Mein Fahrer zeigt es mir ganz aufgeregt und schwärmt respektvoll: „Signora Sharma wird hier sehr bewundert!“

Issue.
City/Country.
Photography© MSR