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Passion and Power by Michaela Cordes | 3. März 2007 | Personalities

Die offene Smokingfliege flattert im Fahrtwind, aus dem Heck gurgelt die Gischt, raketengleich fliegt der schnelle Wally Tender über das Mittelmeer – aber der Mann an Bord lächelt gelassen. Wo ist Wally-Erfinder Luca Bassani am glücklichsten? „Hier, genau hier. An Bord, auf dem Meer!“ Leidenschaft definiert sich bei der zur Zeit weltweit gefeierten Architektin Annabelle Selldorf in der Zurückhaltung und Ruhe, Innenarchitekt Christian Heymes liebt São Paulo und Tribal Art, und das Fashion-Duo Dolce & Gabbana liebt den Tanz auf dem Vulkan – auf der italienischen Insel Stromboli. Lesen Sie, und lassen Sie sich anstecken!

WALLY – fünf Buchstaben, die so wunderbar leicht über die Zunge rollen wie eine Yacht über die Wellen. Der Name, der noch heute mit Absicht an die lustige Drachen-Comicfigur „Wally Gator“ von Hanna Barbera erinnert, gilt mittlerweile als Trademark für ein Bootsdesign, das durch Perfektion besticht und immer wieder kopiert wird: klare, flach gehaltene Decks, subtil schillernde Metallicfarben, die mit edlen Holztönen harmonieren, und dazu Stoffe, die sich erst behaglich ins Auge und gleich darauf ins Gemüt schmeicheln. Kein überladenes Gold mit Silber, keine Rüschen, kein Schnörkel zu viel – bei Wally regiert Purismus.

Monte Carlo an einem sonnigen Vormittag. Die Luft duftet nach Frühling, die Sonne glitzert über dem fast tintenblauen Mittelmeer. Nur wenige Schritte vom Heliport entfernt, unten an der Marina, residiert Luca Bassani, der Erfinder von Wally. Ein Revolutionär. Kein anderer Designer hat den Look von Segel- und Motoryachten im 21. Jahrhundert mehr auf den Kopf gestellt als der freche Italiener aus Milano. Lässiger Dreitagebart, ein schmunzelnder Blick und ein Zwinkern in den Augen – Luca Bassani über James Bond, schwimmende Inseln, den Neid der Konkurrenz, warum Frauen so inspirierend sind und das Geheimnis der Wallymanie.

„Eine Wally ist ein Machoobjekt“ Luca Bassani

Ob Segler oder nicht – kaum ein Mensch geht an einer Wally-Yacht unberührt vorbei. Ihre Yachten, so sagt man, strahlen fast so etwas aus wie Sex-Appeal. Warum sind Ihre sehr modernen Bootskreationen so faszinierend?

Ich habe das gerade einem Freund erklärt: Bevor es Wally-Yachten gab, ist kaum eine Frau stehen geblieben, um sich ein Segelboot anzuschauen. Vielleicht blieb sie mal stehen, um sich ein Powerboot näher anzuschauen. Heute kann ich mit Sicherheit sagen, dass 90 Prozent der Frauen stehen bleiben, um eine Wally näher zu betrachten.

Wie erklären Sie sich das? Was spricht eine Wally in einer Frau an?

Ich kann das natürlich nicht genau sagen (lachend), man weiß ja nie so genau bei den Frauen. Aber ich denke, es sind zwei Aspekte. Die Linien sind so klar und rein, das Layout unserer Yachten so pur und aufgeräumt. Die Hölzer und Materialien an Deck sind auch immer darauf bedacht, dass man sie mit nackter Haut berühren möchte. Andererseits sind unsere Boote hoch technologisch und ein bisschen Macho. Das ist ein sehr guter Mix und hoch attraktiv. Eine Wally ist ein technologisches Macho-Objekt, das aber gleichzeitig sanft genug ist, auch einer Frau zu gefallen.

Ihre Designs gelten als revolutionär in der Yachting-Welt. Lange vor dem Trend zu puren Interiors setzten Sie bereits Yachtdesigns um, die sich auf ein Minimum reduzierten.

Sie werden mir das kaum glauben, aber als ich begann, war es gar nicht mein Ziel, ein Designerobjekt zu kreieren. Mein Focus galt der Funktionalität. Um diese zu erreichen, hieß es automatisch auch schlichter zu werden, viel zu verstecken. Wenn man sich für diese Richtung einmal entschieden hat, alles zu verstecken, erhält man ein wunderschönes, sauberes Deck. Daher ist der Look eher ein Designergebnis und entstand sozusagen ganz natürlich. Ganz am Ende begann ich erst, auch ein wenig von meinem eigenen persönlichen Geschmack mit einzubringen.

Ihre Yachten wirken, als strebe jedes Detail nach Perfektion. Würden Sie sagen, Sie sind selbst ein Perfektionist?

Wahrscheinlich – ja. Als ich jung war überhaupt nicht. Aber heute weiß ich natürlich viel mehr, was ich will. Also eindeutig ja.

Bevor Wallys auf den Markt segelten, steckte das klassische Design von Segelyachten in einem sehr traditionellen Look. Was war der Moment in Ihrem Leben, an dem Sie entschieden haben: Nun baue ich mal ein ganz anderes Boot?

Einige Jahre ist das her. Ich bin schon als Kind mit meinen Eltern gesegelt und hatte mehrere Regatten und auch World Championships gewonnen. Ich war auf Sardinien und segelte wieder mal ein Rennen mit und schaute mir die neuen Designs der Rennboote an. Sie hatten viel mehr Volumen als die Cruising-Boote. Ich dachte mir, wie absurd, es sollte doch umgekehrt sein. Wenn man also mit mehr Volumen mehr Performance erhält, dann sollte man das ausprobieren.

Sie wollten also ein schnelleres Boot?

Schneller, aber komfortabler. 1989 entwarf ich die erste Wallygator selbst, weil ich kein Boot auf dem Markt fand, das ich kaufen wollte. Das erste Boot mit einem Rumpf aus Karbon und einem Karbonmast. Mit einem revolutionären Layout. Einem Segelplan, wie es ihn noch nie gab, neuen Systemen, um die Segel zu trimmen. Ich verlegte die Eignerkabine von achtern nach vorne, um weniger Geräusche vom Motor zu hören und mehr frische Luft zu erhalten. Ich habe mich immer gefragt, warum noch keiner vor mir darauf gekommen ist.

Sie sprachen für das neue Design zwei bekannte Schiffsarchitekten an, keiner wollte mitmachen. Schließlich entwarfen Sie die erste Wallygator mit einem jungen, noch unbekannten italienischen Architekten. Was waren die ersten Reaktionen auf eine so drastische und sehr neue Richtung?

In den ersten Jahren kamen immer wieder neugierige Menschen und schauten sich meine Boote an, aber sie waren voller Angst. ängstlich vor dem neuen Design, der neuen Technologie. Sie waren noch nicht bereit, etwas so provozierend Neues zu kaufen. Aber dann kam endlich nach vielen Besuchen der erste Auftrag.

Heute gehören Valentino, Dolce und Gabbana, Loro Piana sowie viele internationale Unternehmerpersönlichkeiten aus der Wirtschaft zu Ihren Kunden. Beschreiben Sie den typischen Wally-Kunden. 

Es sind Menschen, die die Herausforderung lieben und gerne zeigen, dass sie sich von der Masse abheben. Sie besitzen eine Wally, weil sie wissen, dass ein solches Boot auch ein kulturelles Statement ist. Das betrifft auch das Interieur. Es geht nicht darum, Marmor, Gold und so viele verschiedene Edelhölzer wie nur möglich zu verarbeiten. Es geht viel mehr um das Essenzielle. Die Linien, die Materialien, die Farben. Wir wollen nicht zehn, nur eine. Wir wollen die besten Materialien, aber jeweils nur eins davon.

Im Gegensatz zum klassischen Blau oder Weiß stellten Sie zum ersten Mal Yachten vor, die wie Autos in metallischen Farben lackiert sind. 

Ja, eine der Hauptsensationen war es sicherlich, dass wir mit den Farben ganz anders umgingen. Metallische Lacke wirken in der Natur viel natürlicher als die üblichen Bootsfarben. Warum? Nun, schauen Sie in die Natur. Ein Blatt hat niemals nur einen Grünton, sondern setzt sich aus Millionen Pixeln zusammen. Mit der metallischen Farbe erhält man denselben Effekt. Eine Wally, die dicht an den Felsen einer Bucht liegt, harmoniert viel mehr mit ihrer Umgebung. Die anderen Yachten dagegen verpesten fast den Blick.

„Die Zukunft ist die Wally Island“ Luca Bassani

Nach dem Segelyachtmarkt mischten Sie anschließend den noch viel etablierteren Motorbootmarkt auf und stellten die heute 21 Millionen Euro teure WallyPower vor. Nun ist die „kleinere“ Version, der WallyTender, Ihr Bestseller und scheint einen ähnlichen Kultstatus zu erreichen wie früher einmal die Riva-Boote. Wie haben Sie die Reaktionen erlebt, die Ihre bisher gewagteste Kreation auslöste?

In der Branche gab es einen Aufschrei! Alle sagten: Wie kann er nur? Hässlich! Das wird niemals funktionieren! Außerhalb wurde ich von den Medien und der jüngeren Generation zum Helden gemacht. Uns als Marke zu etablieren wäre sicherlich schwerer gewesen, wenn wir mit den Motorbooten angefangen hätten, deren Look noch mehr in einer Rokoko-Tradition feststeckte. Sogar die neuesten Boote auf dem Markt sind oft so geschmacklos, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass irgendjemand bei sich zu Hause so eingerichtet ist. Mein schönstes Kompliment bekam ich allerdings für meine WallyPower morgens um 7 Uhr in der Bucht vom „Cala di Volpe“-Hotel auf Sardinien von einer sehr alten Dame. Sie kam mit ihrem Mann vom Hotel mit einem Bötchen zu uns gefahren und sagte: „Ich bin sehr alt, und glauben Sie mir, ich habe in meinem Leben einige Boote gesehen, aber dies ist mit Abstand das schönste!“ Und das von einer bestimmt 80-jährigen Engländerin!

Sie haben gerade eine neue 143-Fuß-Wally vorgestellt, arbeiten an Ihrer bisher größten Yacht, einer 148-Fuß-Wally. Privatyachten von 100 Fuß Länge sind schon fast alltäglich. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen, wohin wird die Wally-Reise gehen?

Der Trend wird sicherlich wieder in Richtung kleinerer Boote gehen. Denn je länger ein Boot ist, umso mehr verliert man die Beziehung zum Meer, die ja ursprünglich der Grund für einen Bootskauf ist. Da ich aber vielen Menschen begegne, die über enorme finanzielle Mittel verfügen, kann ich mir vorstellen, dass man sich zukünftig eher für eine kleine private Flotte von Booten entscheidet. Zwei kleine Powerboote, ein Segelboot, um Rennen mit Freunden zu segeln, eines, um gemütlich zu cruisen – das alles kann ich mir sehr gut vorstellen.

Eine Vision, die auch zu Ihrem nächsten großen Projekt, der Wally Island, passen könnte? Können Sie Ihr neuestes Vorhaben ein wenig erläutern?

Diese Idee ergab sich fast von selbst. Es wird doch heute immer schwerer, ein Grundstück mit privatem Meerzugang, ein „pied dans l’eau“, zu finden. Auch wenn man bereit ist, viel Geld dafür auszugeben. Die Lösung? Kaufen Sie sich ein großes Boot! Aber dies sollte natürlich denselben Komfort bieten wie ein Haus. Die Idee entstand, als ich darüber nachdachte, ein Schiff zu entwickeln, auf dem man den größten Teil des Jahres leben könnte, ohne das Land zu vermissen. Ein Schiff, das nicht in den Hafen hineinmuss, aber dem Besitzer ein Stück Land bietet, etwa 1.000 m.. Genug, um sich physisch zu betätigen, Tennis zu spielen oder übers Deck zu joggen. Stellen Sie sich einen flachen Tanker vor, auf dem man leben kann. Achtern verstauen Sie Ihre Tender, Ihren Helikopter, Ihre Segelboote, vorne spazieren Sie durch Ihren Palmengarten. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Platz lässt sich vielseitig nutzen.

Nach all der anfänglichen Kritik sieht man heute immer mehr Yachten Ihrer Konkurrenten, die sich an Ihrem Design zu orientieren scheinen. Wie fühlt sich das an?

(lachend) Ich wäre natürlich gerne schon viel früher ernst genommen worden. Aber glücklicherweise sehe ich bisher, dass wir nur in Teilen kopiert werden, niemals das gesamte System. Ich habe noch keine andere Yacht gesehen, die die Seele einer Wally trägt.

Hat James Bond nicht längst angeklopft? Ihre WallyPower wäre doch das ideale Boot für den bösen Widersacher von 007.

Leider nicht. Obwohl ich selbst ein großer Bond-Fan bin. Ich habe mein ganzes Leben davon geträumt, einmal James Bond sein zu dürfen. Sean Connery bleibt für mich unübertroffen.

Aber wie bei James Bond spielen Frauen auch bei Ihnen eine große Rolle.

Frauen sind wunderbare Wesen und haben mich schon immer inspiriert. Zuallererst natürlich meine Frau. Sie hat einen tollen Style und sehr guten Geschmack. Aber auch meine Mutter hat mich sehr geprägt und mir den Sinn für die richtigen Farben mitgegeben.

IssueGG Magazine 02/07
City/CountryMonaco
PhotographyMark Seelen