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Bohemian Rhapsody by Michaela Cordes | 3. Dezember 2010 | Personalities

Ihr Schmuck ist so fröhlich, als würde sie für ihre Designs in ein kunterbuntes Bonbonglas greifen. Kein Wunder, dass Tamara Comolli im Winter gern dem tristen, kalten Europa entflieht und sich von der farbenfrohen Welt Floridas inspirieren lässt. Das Bohemian-Dasein einer echten Selfmade-Frau und warum weniger manchmal so viel mehr ist.

Schon als Kind spielte Tamara Comolli am liebsten mit Steinen. Am Strand von Gibraltar, wo ihr Vater das Casino aufbaute und die Mutter sich für große Einladungen abends in exotische Saris wickelte. Vielleicht ist die Lust auf das Unangepasste und Lockere, der Spaß am Sichschmücken ohne zu übertreiben, damals geboren, als die kleine Tamara ihrer Mutter zuschaute. „Ich bin mehrsprachig aufgewachsen, mit drei Geschwistern. Wir haben viele Kulturen und Mentalitäten erlebt mit einem sehr ehrgeizigen Vater und einer aufopferungsvollen Mutter, die mit vier kleinen Kindern durch die Welt zog. Wir Kinder haben früh gelernt, dass wir uns durchschlagen mussten.“ Kein Wunder, dass Tamara Comolli im Herzen immer noch ein Hippie ist. Mit ihren Schmuckstücken ist ihr heute eine kleine Revolution gelungen: der lässige Umgang mit echtem Schmuck. GG hat die erfolgreiche Geschäftsfrau, die eigentlich mit ihrem Ehemann, einem Werbefilmer, und dem gemeinsamen Sohn Tim am Tegernsee lebt, in ihrem Strandhaus in Naples besucht.

Dort, wo sie am liebsten ihre Seele baumeln lässt, hat vor 29 Jahren einmal alles angefangen – mit einer Trunk-Kollektion, die sie im Auto durch Florida fuhr. „Als ich Jahre später herumfuhr und die Gegend so schön fand – eine stille Straße zum Strand runter mit den großen Banyan Trees –, stand da ein Schild: for rent. Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Ein Florida Style Bungalow mit Steindach: beachy und easy. „Ich mietete es unbesehen, durfte es renovieren und habe dabei ganz bewusst Einfachheit walten lassen. Kein Fernseher, Computer ja, aber ansonsten sollte es ein echtes Beach House sein – chilly und easy, hell, keine Vorhänge, und alles immer da, damit ich nichts packen muss. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dort die Wäsche nicht gebügelt, sondern einfach so angezogen wird. Alles ist ‚egal‘. Am schönsten ist, dass der Strand nur wenige Minuten zu Fuß entfernt ist.“

„Als Kind habe ich viele Kulturen und Mentalitäten erlebt mit einem ehrgeizigen Vater und einer aufopferungsvollen Mutter, die mit uns um die Welt zogen.“ Tamara Comolli

Obwohl Tamara Comolli hierher kommt, um Ferien zu machen, inspirieren die Farben Floridas sie immer wieder neu für zukünftige Kreationen. „Das Licht hier ist einzigartig, die Frische der Farben, das ‚laid back‘-Lebensgefühl, kombiniert mit der Möglichkeit, nicht weit weg vom normalen Arbeitsleben zu sein. Man hat hier alles: Business Network, Shopping, der Airport ist nur 30 Minuten entfernt. Ich glaube, mein Schmuck spiegelt auch dieses Gefühl wider: Leichtigkeit, Unprätentiöses, Lässigkeit und all die Farben, die in diesem unglaublichen Sonnenlicht so wirken. Ich kann hier abends schnell noch im Meer baden oder fischen gehen oder zuschauen, wie ein Hai geangelt wird, danach in ein tolles Restaurant gehen und am nächsten Tag vollgetankt wieder arbeiten. Ich kann aber auch wie ein ‚beachbum‘ herumlaufen und im Garten meine selbst gesetzten Seerosen – die Water Lilies – betrachten. Oder schnell nach Miami zum Kunden düsen, wenn es sein muss.“

Eine ihrer Kollektionen gibt dieses Lebensgefühl hier am besten wieder. „Die Mikado-Kollektion mit den Flamenco-Schmuckstücken oder das türkise Mikado-Armband – die typischen Dinge meiner Kollektion passen hier einfach so gut, aber auch das Bohemian Feeling der Ocean-Jasper-Kollektion: pure Natur mit Edelsteinen, bei denen jedes Stück eben einzigartig ist und ein luxuriöses Hippie Feeling verkörpert, etwas, das ich immer so in der Schmuckwelt vermisst habe, als ich begann, meine Marke aufzubauen. Es sind der Zeitgeist und die Träume, die jeder Mensch hat: Freiheitsgefühl, Luft, man kann denken und auch kreieren. Und selbst wenn es regnet und der Himmel über dem Meer fast schwarz ist, sind diese Farben, die man sonst nur in der Karibik findet, dramatisch!“

Aber was genau ist der Hippie Chic in den Comolli-Designs? „Hippie Chic habe ich Hippie Glam genannt, die Verbindung von Lässigkeit mit Luxus. Jeder kennt doch den Begriff ‚underdressed‘, dass man zu einem Anlass nicht chic genug angezogen ist: Das war ich laut meinen Boyfriends und auch laut meinem Mann immer. So wollte ich mit Hippie Glam das Verständnis wecken, dass weniger oft mehr ist und dass die Accessoires es oft ausmachen. Für mich gibt es dieses underdressed nicht – nur schlechten Geschmack. Im Beach House habe ich das genauso gemacht. Es muss immer Raum für Erlebnisse bleiben, für Dinge, die man später kauft, wie meine marokkanischen Puffs, die grossen Sitzkissen, auf denen ich mit Timmi im Garten Gitarre spiele. Ich habe die bei Judith Liegeois, einer Neuseeländerin, hier in Naples gesehen, die ganz toll moderne mit Stilmöbeln mischt. Und dazu die Farbe, die ich am liebsten allen Dingen zugrunde lege: Auf Weiß wirkt alles wie es ist. Ähnlich gemixt finden meine Einladungen hier statt, im Patio, mit Kindern, Hunden: kein gesetztes Essen, meine peruanische Haushaltshilfe hilft mir ein Buffet zu machen – viele Salate, mit Glück ein selbst gefangener Fisch. Viele Windlichter und Kissen am Boden verstreut. Und spanische Gitarrenmusik.

„Modern Gypsy heißt für mich, im Einklang mit sich und der Natur zu sein und künstliche Dinge wegzulassen.“ Tamara Comolli

Ja, ich bin auch ganz tief im Herzen Hippie geblieben: unkonventionell, aber ethisch. Immer im Zwiespalt zwischen Zwängen und der Leichtigkeit, die ich liebe. Das Business erfordert Strukturen und Regeln und ich respektiere diese sehr, aber der Umgang damit und mit den Menschen, die mit mir arbeiten, muss leicht sein. Wenn die Akzeptanz für das Gypsy-Lebensgefühl da ist, geht doch alles leichter. Ein Modern Hippie braucht auch weniger, weil er den Zwängen nicht so unterliegt. Ich war schon immer ein kleiner Rebell, von Kindheit an. Ich weiß noch, wie ich die Penny Loafers anziehen musste und als 12-Jährige sagen konnte, mir stehen die nicht! Auch Make-up steht mir nicht und ich finde, viele Frauen macht zu viel buntes Geschmiere im Gesicht alt. Modern Gypsy heißt für mich nicht, in Hippiefetzen durch die Welt zu gehen, sondern eine gute Grundeinstellung zu sich und zur Natur zu haben und die künstlichen Dinge wegzulassen. Dabei muss man nicht auf Luxus verzichten. Eine Tomate aus dem eigenen Garten schmeckt doch sensationell!“

Und seit Timmi auf der Welt ist, heißt Luxus für Tamara Comolli  auch viel Zeit für Timmi, aber bitte ohne BlackBerry. „Hätte ich nicht so verbissen die Marke aufgebaut, wäre ich sicher schon Mutter von fünf Kindern. Zum Glück habe ich noch die Kurve gekriegt. Timmi ist mein größter Edelstein. Klar, manchmal ist Job und Mutter sein anstrengend, aber ich glaube, drei Kinder zu haben und Hausfrau zu sein, ist noch anstrengender. Ich bringe Timmi immer zur Schule und am Wochenende schalten wir ab: Kein BlackBerry und kein Laptop!“

IssueGG Magazine 01/11
City/CountryFlorida/ U.S.
PhotographyMark Seelen