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Mehr als nur Prinzessin… by Michaela Cordes | 1. März 2012 | Personalities

Von ihrem Vater, dem großen Duty-Free-Shop-Gründer Robert Miller, erbte sie die stählerne Disziplin, von ihrer lateinamerikanischen Mutter die Wertschätzung von Familie. Dann heiratete Marie-Chantal von Griechenland einen Prinzen – und zeigt seitdem nicht nur dem europäischen Hochadel, wie man trotz royaler Pflichten im 21. Jahrhundert als moderne Prinzessin leben kann: als fünffache Mutter und erfolgreiche Unternehmerin …

„Sorry“, sagt sie, und steht vor unserem Interview kurz auf, um eines ihrer Kinder zu trösten – dann ist sie wieder da. Fünf (!) Kinder wuseln um sie herum. Dazu Nannys, Assistentinnen, alle wollen etwas von ihr. Das vielleicht Aristokratischste an Prinzessin Marie-Chantal von Griechenland wird einem gleich in den ersten Minuten bewusst: die gefasste, innere Ruhe, mit der sie durch das tägliche Chaos navigiert. Die Prinzessin managt nicht nur ihre Kinder, ihre Ehe und ein öffentliches Leben. Vor zehn Jahren gründete sie das Kindermode-Unternehmen „Marie-Chantal“.

Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, ein Kindermode-Label zu gründen? Ich bin im Einzelhandel aufgewachsen. Mein Vater (der Selfmademillionär Robert Miller, Anm. der Red.) war einer der Gründer des weltweiten Duty-Free-Shopping-Konzepts. Ich wurde in Hongkong groß, wo er seine Firma in Gang brachte. Insofern war ich immer von Marken umgeben. Das Geschäft lag mir im Blut. Als ich mein drittes Kind erwartete, hatte ich plötzlich dieses große Bedürfnis nach etwas Eigenem. Ich dachte ursprünglich an die Kunstwelt, dann an eine Kosmetiklinie, aber schließlich riet man mir, mich in das Kindermodegeschäft zu stürzen, da man dort einen starken Trend feststellte. Alles Weitere geschah fast wie von selbst. Innerhalb von nur zwei Wochen traf ich durch Zufall erst einen Designer und dann einen Hersteller von Kinderpullovern! In nur wenigen Tagen gründeten wir drei eine kleine Firma und stellten eine Capsule-Kollektion zusammen. Sie wurde ein riesengroßer Erfolg! Ich wurde von jedem einzelnen Kaufhaus aufgenommen, innerhalb von nur sechs Wochen hatten wir 70 Kunden.

Wow, das ist beeindruckend! Ja … (lacht). Aber wie mit allem im Einzelhandel hat es mich schon einige Jahre gekostet, in jedes Detail einzusteigen und meinem Unternehmen eine Richtung zu geben. Heute, zehn Jahre später, bin ich stolz sagen zu können, dass wir vier Shops besitzen, einige Franchise-Shops in Kaufhäusern rund um die Welt und ein sehr dynamisches Katalog- und Online-Geschäft.

„Meinen Familiensinn habe ich von meiner Mutter. Sie stammt aus Südamerika und hat uns beigebracht, dass man zusammenhält.“ Marie-Chantal von Griechenland

Glauben Sie, dass Ihr Erfolg darauf zrückzuführen ist, dass Ihre Designs vintage wirken, ein bisschen wie man seine Kinder früher angezogen hat? Ich hasse es, wenn man meine Marke als „klassisch“ bezeichnet, das ist sie nicht! Die Designs sind wunderschön, auch weil sie etwas sind, was direkt aus meinem Herzen und Gefühl entsteht. Ich liebe Fashion und verfolge genau, was gerade im Trend liegt. Andererseits habe ich eine sehr konservative Seite. Sie werden mich niemals overdressed sehen oder in einer zu extravaganten Robe. Ein Kindermantel etwa entsteht meist inspiriert von meiner ganz persönlichen Vorstellung, was ich selbst gern tragen würde. Zeitlosen, aber zeitgenössischen Chic nenne ich das. Zu trendy? Das ist nicht wirklich mein Kunde.

Zuletzt sah man fast täglich die kleine Tochter von Victoria Beckham, Harper, in Ihren Kreationen. Unglaublich, nicht? Seitdem die kleine Harper groß genug ist, um mit ihrer Mami auszugehen, war sie fast jedes Mal in einem meiner Outfits zu sehen. Das hat mich sehr gefreut! Victoria ist eine wunderbare Frau mit einem sehr guten Gefühl für Mode. Meine Kundin liebt Mode und zieht sich sehr gut an, aber sie möchte ihr Kind nicht als Accessoire, sondern mehr in einer Linie mit dem, was sie selbst gern trägt. Daher biete ich auch eine Art „One Stop Shop“ an – alles von Unterwäsche über Partykleidchen bis zu Skisachen und Nachthemden. Um es auch einfacher für die Mütter zu gestalten – so ähnlich wie meine Mutter, die damals nach Paris fuhr, um mich und meine Schwestern für die gesamte Saison einzukleiden.

Wie hat Ihre angeheiratete Familie reagiert, als Sie „Marie-Chantal“ gründeten und anfingen zu arbeiten? Nun, es wurde nicht gerade gut aufgenommen, aber es war mir wichtig. Ich wollte mir Unabhängigkeit und eine Stimme verschaffen. Als Frau ist es wichtig, etwas zu haben, das nur einem selbst gehört. Sei es ein Hobby oder eine Fähigkeit. Ich bin davon überzeugt, dass Frauen dieselben Rechte haben sollten wie Männer.

„Als 16-Jährige war ich cool. Ich ging einfach auf Andy Warhol zu und fragte: ‚Darf ich für Sie arbeiten?‘“ Marie-Chantal von Griechenland

Gelten Sie mittlerweile als eine Art Vorbild innerhalb der europäischen Aristokratie? Nun, den meisten Prinzessinnen geht es anders, da es ihr Job ist, ein Land zu repräsentieren. Es ist ihre Aufgabe, der glamouröse Botschafter von gestern zu sein. Die Geschichte der Familie meines Mannes ist anders. Seit 1966, dem Jahr, in dem mein Mann geboren wurde, ist sie nicht mehr in Griechenland. 1974 wurde mit einem neuen Gesetz die griechische Monarchie abgeschafft. Deswegen arbeiten wir heute beide. Wir sitzen nicht rum und warten darauf, als königliches Paar nach Griecheland zurückzukehren. Das Leben geht weiter!

Wie berührt Sie persönlich die Krise in Griechenland? Es bricht uns das Herz mit anzusehen, dass dieses wunderschöne Land über viele Jahre so schlecht gemanagt wurde. Emotional ist es schwierig für meinen Mann, weil seine Familie vor vielen Jahren mal eine Stimme hatte, die gehört wurde. Und Griechenland war in einem anderen Zustand. Aber wir können wenig tun und wollen kein Urteil fällen. Mein Mann ist sehr engagiert und schreibt Artikel, er wurde von CNN interviewt und zurzeit arbeitet er an einem Blog. Er hat eine Meinung. Nur ob man sie hören will, das ist die Frage …

Welche Werte geben Sie an Ihre Kinder weiter? Ich bin eine große Traditionalistin. Nur weil ich mich entschieden habe, mehr als nur Prinzessin zu sein, heißt das nicht, dass mir gute alte Werte nichts bedeuten. Im Gegenteil! Mein Vater besaß eine bewundernswerte Arbeitsmoral. Gleichzeitig war er ein großer Familienmensch. Es war wundervoll, mit ihm groß zu werden, einem Mann, der eine große Karriere aufbaute und trotzdem oft zu Hause war, solange wir klein waren und bevor wir (sie und ihre zwei Schwestern) das Internat besuchten. Ich erinnere mich an gemeinsame Mittagessen.Vielleicht nicht jeden Tag, aber bestimmt dreimal pro Woche. Und jeden Tag starteten wir gemeinsam am Frühstückstisch – ein Brauch, den ich mit meiner Familie übernommen habe. Dazu gehören auch gute Manieren, mit Messer und Gabel essen, bitte und danke sagen … Gerade in einer so unsicheren Welt, wie wir sie heute erleben, geben solche Regeln Kindern Halt und eine Richtung.

„Als ich vor zehn Jahren meine Firma gründete, war die Familie meines Mannes nicht begeistert. Heute hat sich das sehr geändert …“ Marie-Chantal von Griechenland

Wie haben Sie es geschafft alles hinzubekommen: eine stabile Familie mit fünf Kindern und eine Karriere als Unternehmerin? Ich denke, mein Vater war für mich mein stärkstes Vorbild. Er begann mit nichts, nur mit viel Diziplin. Er schrieb z. B. 50 Jahre lang jeden Tag eine Seite in sein Tagebuch. Ich werde nie an ihn heranreichen (lacht), aber ich versuche jeden Tag, mein Möglichstes zu tun. Wenn ein Kind mit einem starken Elternteil groß wird oder einem guten Vorbild, dann versucht es wenigstens einige der Ziele zu erreichen. Und das gibt ihm Hoffnung, Erwartungen und eine Perspektive. Das ist sehr wichtig, denke ich. Darum glaube ich an starke Familienbande. Unsere Gesellschaft sollte insgesamt stärker daran arbeiten, dass Familien nicht so leicht auseinanderbrechen. Wenn das passiert und ein Kind erlebt dies, warum soll es jemals in seinem Leben noch daran glauben, dass es sich lohnt, um etwas zu kämpfen?

Bevor Sie heirateten, galten Sie und ihre zwei Schwestern (ihre ältere Schwester ist Pia Getty, ihre jüngere ist die Designerin Alexandra von Fürstenberg, Anm. der Red.) als die schönen, blonden und sehr begehrten Miller-Schwestern. Sind Sie sich immer noch so nahe? Ja, daran hat sich nichts geändert. Insgesamt sind wir alle sehr familienbewusst, das kommt sicher von unserer Mutter. Sie stammt aus Lateinamerika und hat uns sehr matriarchalisch erzogen. Dass die Familie zuerst kommt, die Schwestern zusammenhalten müssen, das wurde uns früh mitgegeben.

Sie wurden sprichwörtlich rund um die Welt groß. London, Hongkong, die Schweiz, Paris, New York … Wo ist heute Ihr Zuhause? Geboren wurde ich in London, dann gingen wir nach Hongkong. Das empfinde ich eigentlich bis heute als mein Zuhause, obwohl ich in London lebe. Mindestens viermal pro Jahr reise ich dorthin und nehme die Kinder mit, um ihnen mein geliebtes Hongkong zu zeigen. Aber es hat sich sehr verändert in den vergangenen Jahren. Es ist heute wie die Wall Street des neuen Chinas! In Paris verbrachte ich als Teenager fünf Jahre – eine unvergessliche Zeit. Meinen Sinn für Fashion habe ich definitiv dort geschärft. Die Pariser Mädchen trugen ihre 501 Levi’s so viel schicker! In New York habe ich später Kunst studiert und als 16-Jährige für Andy Warhol gearbeitet. (lacht)

Erzählen Sie davon! Ich war ganz schön cool mit 16 und fragte ihn einfach. Er sagte, how lovely, komm morgen vorbei. Und so geschah es. Ich machte alles: Lunch servieren, Kaffee kochen, Telefonanrufe beantworten, Farben mischen. Und immer wenn er ausging, schleppte ich seine Interview-Magazine mit, die er dann verteilte. Ach, das war eine wunderbare Zeit!

IssueGG Magazine 02/12
City/CountryLondon/ United Kingdom
PhotographyMark Seelen