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Es liegt in der Familie by Jörg Zimmermann | 2. September 2016 | Offices

Natürliche Materialien, verarbeitet in bester Handarbeit – seit 1852 ist Bettenhersteller HÄSTENS mit diesem Konzept ­erfolgreich. Showgrößen und Sportstars schätzen den besonderen Komfort der vielschichtigen Boxspringbetten ebenso wie das schwedische Königshaus. Markenzeichen ist das blau-weiße Karo des Überzugs.

Strahlende Sonne, der Himmel wolkenlos. In Köping, knapp 150 Kilometer nordwestlich von Stockholm, zeigt Schweden sich wie im Bilderbuch. Gegen das weiche Blau des Himmels zeichnen Bögen des fünfteiligen Tonnendachs scharfe Konturen, darüber der weltweit bekannte Markenname im kräftigen Rot – Hästens. Bei der Ankunft vor der Unternehmenszentrale ist der erste Eindruck wie ein Déjà-vu; pastellige Farben wecken Erinnerungen an frühere Jahrzehnte, zeugen von Langlebigkeit und Tradition. Das zurückgesetzte Erdgeschoss ist verfliest, eine Außentreppe führt ins Obergeschoss mit großen Glasflächen und rotem Klinker. Mit dynamischem Schritt erscheint Jan Ryde. Schwarzes T-Shirt, Jeans, hier in der Heimat verzichtet der Eigentümer in fünfter Generation gern auf steife Business-Etikette. „Wir sehen uns zum Lunch“, sagt er und ist schon wieder verschwunden. Um die Ecke empfangen zwei Stahlrohrsessel in grünem Leder seit vielen Jahren Geschäftspartner und Besucher, bevor es ein paar Meter weiter vorbei ist mit Patina und Reminiszenzen an die Vergangenheit. Die Gegenwart beginnt.

Vorbei an der aktuellen Mitarbeiter-Fotowand führt der Weg aus dem Ursprungsbau des britisch-schwedischen Architekten Ralph Erskine aus dem Jahr 1948 direkt in die moderne Fertigungshalle, 50 Jahre später ebenfalls von Erskine konzipiert. Tageslicht flutet durch die gut 8.000 Quadratmeter große Fläche, freundlich wirkt das und ist energetisch effizient. Fast gemütlich ist die Atmosphäre, die Mitarbeiter grüßen lächelnd. Sie alle werden hier vom ersten Tag an in die Fotogalerie aufgenommen und sind damit sichtbar Teil des Unternehmens. Hästens ist ein Familienbetrieb aus Überzeugung; und das bereits seit 1852, als Sattlermeister Pehr Adolf Janson den Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen legte, das heute in rund 40 Ländern auf vier Kontinenten vertreten ist. Neben der Fertigung von Sätteln und Lederwaren gehört im 19. Jahrhundert auch die Herstellung von Matratzen zum Handwerk des Sattlers.

Zum Ende des Jahrhunderts und mit steigender Nachfrage konzentriert sich die Familie bald mehr und mehr auf die Fertigung von Matratzen, bevor David Stefanus Janson, Eigentümer in dritter Generation, 1917 entscheidet, ganz auf Matratzen und Betten zu setzen. Im gleichen Jahr kommt eine eigene Rosshaarspinnerei dazu, denn schon damals ist Rosshaar der wichtigste Bestandteil der handgefertigten Matratzen. Nach betrieblichen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1920 werden in diesem Jahr 20 Tonnen Rosshaar verarbeitet, aus aller Welt und in bester Qualität. Neben der handwerklichen Expertise gehört der Einsatz erstklassiger Materialien bis heute zum betrieblichen Glaubensbekenntnis bei Hästens. Was das bedeutet, wird klar, wenn man die Fertigung der Boxspringbetten im Detail betrachtet. Nur natürliche Materialien werden verwendet, kein Latex, keine Schaumstoffe. Stattdessen: Baumwolle, Leinen, Schurwolle und natürlich Rosshaar, international nach strengen Qualitätsmaßstäben eingekauft. „Bei Rosshaar verwenden wir beispielsweise nur den mittleren Teil des Pferdeschweifs“, erläutert Produktionsleiter Tobias Stolpe die Anforderungen an die Rohstoffe. Jedes dieser Haare wirke wie eine miniaturisierte Klimaanlage. Innen hohl, sorge das winzige Kapillarsystem für den Abtransport von Feuchtigkeit nach außen und den Zustrom von frischer Luft.

„Ich möchte das Leben der Menschen verbessern und mit unseren Betten die Welt lebenswerter machen.“ Jan Ryde

In welcher Menge und in welcher Kombination mit den anderen Materialien das feine Naturprodukt in der Auflage verarbeitet wird, entscheidet jeder Kunde individuell nach den eigenen Komfortbedürfnissen. Auch die Abmessungen von Bett und Matratze richten sich nach dem Kundenwunsch. Für die Rahmen und Gestelle wird ausschließlich langsam wachsendes Kiefernholz aus schwedischen Wäldern verwendet. Dieses sorgfältig durchdachte und über viele Generationen optimierte Konzept überzeugt jährlich rund 20.000 Kunden weltweit, darunter Sportgrößen, Schauspieler, Wirtschaftsbosse und das schwedische Königshaus – mit einigem Stolz darf sich Hästens seit 1952 als Königlicher Hoflieferant bezeichnen. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der damalige Eigentümer Janson mit der Einführung des Zertifikats über 25 Jahre Garantie auf ein Hästens-Bett das Qualitätsversprechen der Firma formuliert.

Ein Versprechen, das im Wesentlichen auf den handwerklichen Fähigkeiten der 120 Mitarbeiter in der Produktion gründet. Schritt für Schritt sorgen sie für die Aufbereitung der Naturmaterialien. Für das Zusammenfügen der Materialschichten, das millimetergenaue Nähen der Stoffbezüge, das präzise Steppen der Auflagen, das penible Versäubern der Nähte. Perla Munhoz Bovin, Leiterin der Forschung und Entwicklung, sagt: „Viele Arbeitsschritte lassen sich nur per Hand und mit sehr viel Fingerspitzengefühl erledigen, wie zum Beispiel das Verteilen des Rosshaars auf der Fläche. So ausgeglichen bekommt das keine Maschine hin.“ Handarbeit braucht Zeit, viel Zeit. 320 Stunden dauert es, bis das High-End-Modell „Vividus“ fertig ist. Allein für die Kontrolle der maschinellen Steppung und der Knoten, für besondere Präzisionsstiche per Hand und das Versäumen der Nähte benötigt eine Fachkraft bei der oberen Auflage einen ganzen Tag. Der sagenhafte Preis dieses Superbetts: rund 125.000 Euro. Damit scheint dem „Vividus“ der Titel des wohl teuersten Betts der Welt sicher. Für diesen stolzen Betrag versprechen die Schweden sehr selbstbewusst das „vollkommenste, luxuriöseste Bett auf dieser Erde“ zu liefern. Probeliegen auf dem Luxusbett kann man nur im Rahmen einer VIP-Besichtigung an wenigen exklusiven Orten. Die meisten Hästens-Kunden sind jedoch preisbewusster. Sie entscheiden sich für Modelle, deren Kaufpreis bei einer Standardgröße von 180 x 200 cm durchschnittlich im unteren fünfstelligen Bereich liegt. Hästens expandiert stetig, hat heute mehr als 200 Läden in Europa, Amerika, Asien und Südafrika. Eigentümer Jan Ryde leitet das Unternehmen seit Ende der 80er-Jahre. So entspannt er daherkommt, so beeindruckend seine jüngste Bilanz: Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz 2015 weltweit um knapp 20 Prozent auf 57,8 Millionen Euro. Für ihn ist dieser Zuwachs auch eine persönliche Mission: „Ich möchte das Leben der Menschen verbessern und mit unseren Betten die Welt ein bisschen lebenswerter machen.“ Eine Mission im blau-weißen Karo, dem unverwechselbaren Erkennungszeichen, seit 1978 markenrechtlich geschützt.

IssueGG Magazine 04/16
City/CountryKöping/ Sweden
PhotographyHästens
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