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Damen des Hauses by Steffi Kammerer | 25. November 2016 | Personalities

Die wunderbar unprätentiöse Celerie Kemble ist eine der gefragtesten Innenarchitektinnen Manhattans. Ihr Stil: Park-Avenue-Raffinesse, Palm-Beach-Leichtigkeit und viel Sinn für Unperfektion. Gelernt hat sie die Kunst des mühelosen Einrichtens von ihrer Mutter Mimi McMakin. Gemeinsam haben sie Orte mit Persönlichkeit geschaffen, die Freunde und Familie magisch anziehen. Jahr um Jahr.

Wie sie so erzählt, will man sofort auch auf dieses Deck. Unter sternklaren Himmel, in Winternächten von einer Heizdecke gewärmt. In der Ferne heulende Kojoten, manchmal rufen Eulen; minutenlang hallt das Echo in den Bergen nach. Kein Handyempfang, das Leben in der Stadt unendlich weit weg. Drinnen im Haus und ebenso hier draußen steht ein riesiger Kamin, der ständig brennt. Weil es nichts Besseres gibt als offenes Feuer. Und Wein und Käse, Familie und Freunde. Der Ort, von dem Celerie Kemble spricht, liegt in den Adirondack Mountains im Norden des Staats New York, geschaffen von ihrer Mutter Mimi McMakin. Die ist Innenarchitektin wie sie selbst und wollte immer nur eins: Räume, in denen Erinnerungen entstehen können. Häuser und Wohnungen mit Persönlichkeit. Mit Macken und knarzenden Dielen. Celerie war noch ein Baby, als ihre Mutter sie zu den ersten Wohnungsbesichtigungen mitnahm. Später, egal wo sie waren, ob Paris oder Maine, wurden spektakuläre Anwesen von Freunden und Freundesfreunden besichtigt, der Blick früh geschult. Heute ist Celerie Kemble eine der gefragtesten Innenarchitektinnen New Yorks. Und ist doch im Kern ein Florida-Mädchen geblieben, das barfuß aufwuchs und zwischen Wolkenkratzern den Horizont vermisst. Nun ist sie nicht an irgendeinem Strand groß geworden, sondern im privilegierten Palm Beach, das ihr Urgroßvater einst mit entwickelt hat. Mit 14 ging sie aufs Internat in Massachusetts, studierte in Harvard Englisch, mit dem Hedgefonds-Manager Boykin Curry, auch er aus bester Familie, bekam sie drei Kinder. Ende der 90er-Jahre stieg sie in die Firma der Mutter ein, eröffnete das Büro in New York. Sehr gut vernetzt also, bestens ausgestattet auf ganzer Linie – und doch ist sie ganz handfest, ohne Allüren. Eine Frau mit kehligem Lachen und flachen Schuhen. Die auch mal auf dem Fußboden schläft, wenn es sein muss. Seelenlose Luxusklötze sind ihr zuwider; dann lieber ein authentisches Hotel, selbst wenn die Handtücher nach Schimmel riechen.

„Richtig eingerichtet, kann ein Haus eine Bühne werden für Familientradition.“ Celerie Kemble

Ihr Vorname sagt eigentlich schon alles. Cecilia steht in ihrem Pass, aber noch bevor sie auf die Welt kam, sprach die Mutter von ihr als Celerie – Sellerie. Ein Witz zuerst. Aber der Name blieb hängen. Ihn abzulegen, wäre Celerie Kemble nie in den Sinn gekommen, er passt. Konkurrenz gab es zwischen ihr und der Mutter nie, sagt sie. „Ihr Erfolg hilft meinem Ruf, und meiner ihrem.“ Ihr Geschmack ähnelt sich bis heute. Und der Stil auch. Sie würde sich deshalb immer trauen, das Design der Mutter zu ändern, auch ohne zu fragen. „Ein Haus ist ja niemals fertig, das wissen wir beide.“ Sie setzt auf so vielen Ebenen fort, was ihre Mutter begonnen hat. Die Kinder von Mimis Freundinnen – mit ihnen ist sie aufgewachsen – sind nach wie vor Celeries engste Vertraute. Heute spielen ihre Kinder mit deren Kindern. Eine dieser Freundinnen lebt mittlerweile in London, wie auch Celeries jüngere Schwester Phoebe. Umso heiliger sind ihnen die Zeiten, in denen sie alle zusammenkommen. Eben hier in den Adirondack Mountains oder im Haus der Mutter in Palm Beach, einer alten Kirche aus dem 19. Jahrhundert, seit Generationen im Besitz der Familie. Für Celerie trotz großartiger eigener Wohnung am Central Park in Manhattan ihr gefühltes Zuhause. „Wenn alles passt, entwickeln Orte ihren ganz eigenen Magnetismus, alle wollen wiederkommen, idealerweise über Generationen. Dann kann ein Haus die Bühne werden für Familientraditionen.“ Man brauche nur alte Alben anzuschauen. Sehr schnell wandere der Blick da von den Personen zu den Gegenständen: Ach, da hatten wir noch das alte Sofa! Und schau mal, der Stuhl mit dem wackligen Bein!

Wirklich gut einrichten heißt bei Kembles deshalb: den Menschen begreifen. Und dann müsse gutes Design bequem sein, auf Möbeln das satte Leben stattfinden dürfen. Ihre Klienten, sagt Celerie, schätzten genau diesen persönlichen Zugang. „Wer einfach etwas Teures sucht, landet eher nicht bei mir“, sagt sie lachend. Die Dielen in ihrem Büro sind dunkelrot, die Wände hellgrün, über ihrem kleinen Schreibtisch ein buntes Sammelsurium von Kinder­fotos und Memorabilia. Und es riecht hier gut. Inzwischen gibt es nämlich auch Celerie-Kemble-Kerzen. So angenehm sie ist, so produktiv war sie in den letzten Jahren. 200 Möbel­stücke hat sie entworfen, drei Bücher geschrieben. Und dann ihr größtes Projekt: eine Ansammlung von High-End-Bungalows in der Dominikanischen Republik.

„Unser jeweiliger Erfolg hilft uns gegenseitig. Konkurrenz gibt es zwischen uns nicht.“ Celerie Kemble

Hier hatte sie mit Boykin Curry ein riesiges Stück Land direkt am Strand gekauft und bald 22 Investoren aus ihrem A-List-Freundeskreis gefunden, unter anderem Alexander von Fürstenberg und den Sohn von George Soros, Jonathan Soros. Sie hat jedes Detail geplant und die Ausführung begleitet – obwohl sie kein Spanisch spricht. Fröhlich erzählt sie, wie sie schon mal auf ihren Po deutete, um den Arbeitern klarzumachen, dass sie irgendwas kurviger gebaut haben wollte. Und, was die natürlich überhaupt nicht verstanden, dass eine Nagelreihe bitte nicht gerade, sondern hier und da mal krumm sein sollte. Als die nur den Kopf schüttelten, machte Celerie eine Bewegung für Biertrinken und Ein-bisschen-betrunken-Sein, jetzt tanzen die Nägel so aus der Reihe, wie sie es wollte, das Ganze wird an Feriengäste vermietet.

Celerie und die Kinder sind oft hier. Manhattan sei einfach zu anstrengend, sagt sie, um nicht bei jeder Gelegenheit Reißaus zu nehmen. Für schnellere Fluchten hat sie außerdem noch ein Haus auf Long Island. Man könnte denken, bereits dieses Reisepensum sei manchmal zu viel. „Oh, nein! Ich denke ständig darüber nach, wohin es als nächstes gehen könnte.“ Im Moment oben auf der Liste: Laos und Vietnam. Erst einmal aber kommt Weihnachten. Hier dreht sich, wie so oft beim Kemble-Clan, alles ums Essen. Phoebe ist Profi-Köchin und auch Celerie liebt es, am Herd zu stehen. „Und wir sind alle verfressen.“ Die Haustür steht offen, die ganzen Feiertage über kommen Freunde. Und man möge sich bloß nicht von den gesitteten Fotos auf diesen Seiten täuschen lassen, sagt sie. „So förmlich sind wir nur einen Abend.“ Die restlichen Tage verbrächten sie alle im Bademantel und im Schlafanzug.

IssueGG Magazine 01/17
City/CountryNew York/ U.S.
PhotographyDouglas Friedman / Trunk Archive