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Das Haus der Zukunft by Uta Abendroth | 3. März 2017 | Prime Properties

Ein Nullenergiehaus, das nicht danach aussieht: Der Wohntrakt von Mo Ventus ist komplett aus Glas. An heißen Tagen drehen die Bewohner keine Klimaanlage auf, sondern eine Hülle schiebt sich über das futuristische Gebäude und sorgt so für Kühlung. Was noch ein Prototyp ist, könnte Schule machen – weltweit.

Ein Haus, das genauso viel Energie erzeugt, wie es verbraucht – das ist das Ideal moderner, nachhaltiger Architektur. Der Klimawandel und steigende Energiekosten nehmen seit Jahren größten Einfluss auf die Gestaltung von Häusern, die mal mehr, mal weniger konventionell wirken. Der Amerikaner Todd Fix von FIXd Architecture/Design aus Boston hat mit Ingenieuren unterschiedlichster Fachrichtungen ein Konzept für ein luxuriöses Passivhaus erarbeitet, das jede bisher bekannte Optik in den Schatten stellt. Dabei liegt auch beim Mo Ventus der Fokus darauf, dass es völlig unabhängig vom Stromnetz funktioniert, Wind- und Solarenergie für den Eigenverbrauch erzeugt und überschüssige Energie in mehreren Wasserstoff-Brennstoffzellen für eine spätere Verwendung speichert. Die Inspiration dafür fand der Architekt in einem eher branchenfernen Bereich: Er habe sich die Idee für die geschwungene Bauweise beim Segeln abgeschaut, erzählt Todd Fix. „Aber der Gedanke kam mir nicht nur beim Betrachten von Segelbooten – auch Windsurfer, Kiter, Paraglider und natürlich Windmühlen fangen die Energie des Windes ein und setzen sie auf ihre Art und Weise um. Ich arbeite daran, dass Mo Ventus allein durch seine Form so viel Wind einfängt wie möglich.“ Das visionäre Haus setzt sich aus verschiedenen Baukörpern zusammen, die je nach Wunsch des Kunden kombiniert werden können. Da ist zum einen der segel- oder schaufelförmige Gebäudeteil, der den Wind auffängt und in Energie für das Haus umwandelt. In dieses gigantische C können die Wohnräume integriert werden, müssen aber nicht. Es gibt auch die Möglichkeit, das Wohnhaus separat zu errichten. Fix empfiehlt den Bau seines Mo Ventus idealerweise an einem leicht abfallenden Strand mit gemäßigtem Klima, wo die Eigenschaften des Gebäudes am besten zu nutzen seien. Aber unabhängig davon sei jeder Standort möglich, wo ständig Wind wehe, zumindest eine leichte Brise. Schon der Name des Hauses beschreibe die beiden wichtigsten Merkmale seines Entwurfs: „Mo Ventus leitet sich von den lateinischen Wörtern ‚motus‘, Bewegung, und ‚ventus‘, Wind, ab. Beides vereinen wir.“

Bewegung heißt in diesem Fall, dass sich Teile der Haushülle verschieben lassen. Notwendig ist das, da der Wohnbereich aus Glas ist, und zwar vom Boden über die Wände bis hin zur Decke. Das öffnet die Wohnräume zur Natur und minimiert den Energiebedarf, denn lichtdurchlässige Wände erfordern weniger elektrisches Licht, sie erhellen das Innere auf natürliche Weise. Aber gerade an einem heißen Tag soll es ja eben nicht darum gehen, die Klimaanlage bis zum Anschlag aufzudrehen, um den Glaskubus zu kühlen. Stattdessen gibt es eine gitterförmige Lichtblende und eine geschlossene Außenhaut, die auf Schienen montiert sind und sich über den Glasbau schieben, um ihn zu schützen und dabei gleichzeitig zu isolieren. „Die Technik bietet eine flexible Kontrolle über den Wärmegewinn aus dem Sonnenlicht“, erklärt Fix, der die Lichtblende und die Hülle mit verschiedenen Kleidungsschichten vergleicht, die man an- oder ausziehen kann. „Sensoren entscheiden zum Beispiel an einem kalten Tag, ob beide Teile geschlossen werden sollen, um die Wärme im Inneren zu halten. Aber wenn man dann drinnen mehr Licht haben möchte, kann man zumindest die undurchsichtige äußere Hülle öffnen.“ Die Steuerung kann automatisch oder manuell erfolgen. Denn dank der Leichtbauweise der Hüllen – und weil sie horizontal auf Schienen laufen – sind weder hoher Energie noch großer Kraftaufwand nötig. Was fast nach einer Wohnmaschine klingt und in technischer Hinsicht tatsächlich hochkomplex ist, soll trotzdem Spaß machen. Fix hat am Fuß des segelförmigen Gebäudes ein Amphitheater vorgesehen, in dem man auf einer versenkbaren Leinwand Filme schauen kann. Zusätzlich gibt es hier eine Outdoor-Küche und einen eingebauten Esstisch. Auf dem Dach kann neben drei Pools, die nicht nur zum Schwimmen gedacht sind, sondern die Hitze absorbieren sollen, ein Garten angelegt werden. Und im Inneren dieses so ungewöhnlichen Hauses führt eine Rutsche des Objektkünstlers Carsten Höller durch sämtliche Etagen bis auf das Strandniveau – „fun functionality“ nennt Fix das.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es das futuristische Mo Ventus nur virtuell. Wie gut also all die energiesparenden Maßnahmen in der Praxis funktionieren, konnte unter realen Bedingungen noch nicht getestet werden. Was das Gebäude jedoch abgesehen von seiner energetischen Intelligenz so interessant macht, ist die totale Freiheit im Hinblick auf die Größe und die Gestaltung der Innenräume. Auf rund 465 bis 1.115 Quadratmetern lassen sich die Wohn-, Schlaf-, Bade- und Arbeitszimmer verteilen und anpassen. Diese Flexibilität muss ein Haus, das laut Fix schätzungsweise zwischen 3,5 und zehn Millionen US-Dollar kosten wird, natürlich bieten. Todd Fix hat Architektur an der Harvard University, an der University of Nebraska, der Architecture Association in London und an der ETH in Zürich studiert. Er hat Infrastrukturprojekte ebenso geplant wie Ein- und Mehrfamilienhäuser, Gewerbekomplexe, Museenund Ausstellungsdesign. Er sagt: „Meine Berufserfahrung hat mich inspiriert, Mo Ventus zu entwerfen. Es ist für mich der Inbegriff einer Kombination verschiedenster Aspekte, die in der Architektur ineinandergreifen: Design, gesundheitsfördernde Bautechniken, Materialforschung und grüne Technologien im Hinblick auf gebauten Umweltschutz.“ Fix’ Entwurf will politisch-gesellschaftliche, kulturelle und visuelle Faktoren in einem Gebäude berücksichtigen und Hightech mit Lebensqualität zusammenbringen. Dafür gehört für den Bostoner Architekten auch der Aufenthalt in der Natur, der einerseits durch den Standort des Mo Ventus angestrebt wird und andererseits durch das Material Glas und die Möglichkeit der variablen Hausöffnung.

Kontakt: 

SANTA MONICA (US) ENGEL & VÖLKERS AVENUE REAL ESTATE SANTA MONICA, LIZENZPARTNER DER EV REAL ESTATE, INC.

TEL. +1 32 38 93 72 53  E-MAIL: ryan.olehass@engelvoelkers.com

IssueGG Magazine 02/17
City/CountryCalifornia/ U.S.
PhotographyFIXd Architecture/Design – Todd Fix
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