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Easy Living à la Liaigre by Michaela Cordes | 16. Juni 2017 | Personalities

Christian Liaigre gilt als Meister des Weglassens. In seinem Strandhaus auf St. Barths lebt der Franzose so wie er arbeitet: einfach, elegant und konzentriert auf das Wesentliche. Nach dem Verkauf seiner Firma im Mai letzten Jahres will sich der Interior Designer nur noch auf das konzentrieren, was ihn seit 27 Jahren am meisten begeistert – die Kunst.

Licht, Luft und Raum. Auf der Karibikinsel St. Barths findet man all das, was für Christian Liaigre Luxus bedeutet. Warmen Wind auf der Haut, fröhliche karibische Farben und die Nähe zum Meer. Hier richtete der bekannte Franzose aufwendige Häuser für den berühmten amerikanischen Kunsthändler Larry Gagosian oder den russischen Unternehmer Roman Abramovich ein. Er ist auch stets willkommen an Bord der 60 Meter langen Segelyacht „Seahawk“, wenn ihr Eigner im Hafen von Gustavia festmacht. Das elegante Superschiff gehört dem ehemaligen Besitzer von Esprit, sein Inneres hat Liaigre maßgefertigt, mit Möbeln aus Zedern- und Ebenholz, Teak-Decken und Rosenholz-Wänden. Hört man die Namen seiner weltweiten Kunden, könnte man vermuten, diese pompöse Luxuswelt ziehe den Einrichter aus Paris magisch an. Ein Irrtum, den man erst richtig begreift, wenn man das Glück hat, Christian Liaigre in seinem Strandhaus in der Marigot Bay zu besuchen.

„Intellektuell haben sich meine Prioritäten verändert. Ich möchte keine Zeit mehr verlieren.“ Christian Liaigre

Gleich neben dem Hotel „Le Sereno“ – übrigens auch ein Liaigre Masterpiece – hat sich der französische Meister der Reduktion eine Strand-Cabana gebaut, die das ursprüngliche Leben auf der französischen Karibikinsel zelebriert und das Innerste widerspiegelt, was Christian Liaigre ausmacht: seine Liebe zur Natur, zu handverlesenen Materialien und der Blick auf das Wesentliche. Hier verbringt der Franzose gern Zeit mit seinem zehnjährigen Sohn Léonard. „An diesem Ort kochen wir viel zusammen, Léonard geht mit den einheimischen Kindern zum Fischen oder zum Schwimmen im Meer. Das einzige, was er absolut nicht mag, ist der Jetlag nach dem achtstündigen Flug von Paris.“

Wie haben Sie dieses schöne Plätzchen gefunden? Schon vor zwölf Jahren. Ich stoppte mit meinem Auto auf diesem Stück Land und war wie benommen von dem herrlichen Blick auf die Bucht. Neben mir stand ein Mann mit einem Bier. Gemeinsam starrten wir auf den Horizont. Plötzlich erzählte er von seinem Großvater, der vor zwanzig Jahren eben dieses Grundstück gegen seinen Lastwagen eingetauscht hatte. „Wollen Sie hier Land kaufen?“, fragte er mich. Ich erklärte ihm, dass ich mich umschauen würde. Er erwiderte: „Dann stehen Sie gerade auf Ihrem neuen Besitz!“ Ich erwarb das Land und errichtete eine einfache Cabana – so wie man früher hier auf der Insel lebte, denn bevor all die großen Häuser gebaut wurden, standen hier nur kleine, einfache Cabanas im schwedischen Stil. Heute habe ich den Eindruck, ich besitze eine der letzten von ihnen.

„Ich möchte nur noch machen, was mir Spaß macht. Es geht mir nicht mehr ums Geldverdienen.“ Christian Liaigre

Wie erklären Sie jemandem, der noch nie hier war, den Zauber dieser einzigartigen Insel? Über Neujahr, wenn die Amerikaner zum Feiern angereist kommen, bin ich nie hier, das ist mir einfach zu laut. Auch im Sommer ist es mir eigentlich zu heiß. Am liebsten komme ich im Frühjahr oder nach der Hurricane-Saison im Juli und August. Wenn der ganze Trubel vorbei ist, kehrt der ursprüngliche Charme der Insel zurück. Denn St. Barths ist immer noch sehr geprägt von den Raggaemusikern und den Babacu – den Künstlern, die hier früher mal gelebt haben. Bis heute findet man hier eine sehr vielfältige kreative Szene und eine große Zahl europäischer und amerikanischer Künstler. Wie etwa Lola Schnabel, die Tochter des Malers Julian Schnabel. Sie hat gerade erst ein Porträt meines Sohnes Léonard gemalt.

Sie sind selbst am Meer groß geworden, auf der Atlantikinsel île de Ré, die La Rochelle vorgelagert ist. Erinnert Sie St. Barths auch ein bisschen an Ihre Kindheit an der französichen Küste? Ich denke schon, dass es da eine Verbindung gibt. Viele Segler aus La Rochelle leben heute auf St. Barths. Insofern fühle ich mich hier wirklich sehr zu Hause.

„Wenn die Hochsaison und die lauten Partys vorbei sind, spürt man wieder den echten Spirit der Insel.“ Christian Liaigre

Entspricht das Leben auf dieser Insel – alles auf das Essenzielle reduziert – nicht vielleicht auch dem typischen Liaigre-Stil? Ihrem Credo beim Entwerfen? Ohne jegliche Verzierungen und ganz auf die Quintessenz von allem reduziert – das schönste Leder, das Hervortreten der Maserung besonderer Hölzer? Ja, da ist was dran. Ich arbeite derzeit an einer neuen Möbelkollektion, die ich 2020 launchen möchte – sie wird aus Einzelstücken bestehen und sehr viel radikaler sein als alles Bisherige. Ich möchte eine neue Richtung einschlagen und nur noch das machen, was mich wirklich mit Leidenschaft erfüllt – und das ist das Arbeiten mit Künstlern. Ich bin in der privilegierten Situation, dass ich das tun kann, was ich möchte, ohne darüber nachdenken zu müssen, ob ich damit Geld verdiene.

Sie haben immer betont, dass Sie beim Einrichten am liebsten mit Kunden arbeiten, die eine außergewöhnliche Kunstsammlung besitzen – warum? Es ist ein Zeichen für Geschmack. Natürlich ist es sehr viel leichter mit Kunden zu arbeiten, die einen Sinn für Ästhetik besitzen.

Seit fast dreißig Jahren „kaufen“ sich vermögende Kunden Ihren guten Geschmack und lassen sich von Ihnen beraten, wie sie leben sollen. Das stelle ich mir auch ganz schön anstrengend vor. Ja, das ist es. Mir wurde ein wenig langweilig nach all den Jahren. Intellektuell habe ich heute andere Prioritäten. Ich arbeite jetzt lieber mehr als Künstler, nicht mehr so sehr als Designer. Das fühlt sich wie ein natürlicher Wandel an, eine Evolution.

„Meinen Garten baue ich gerade aus – mit einem philosophischen Landschaftsarchitekten.“ Christian Liaigre

Sind diese Gedanken auch ein Grund dafür gewesen, dass Sie sich im letzten Jahr entschieden haben, ihre Firma ganz zu verkaufen? (Im Mai 2016 wurde die Christian Liaigre Group an die Symphony International Holdings Limited für eine unbekannte Summe veräußert – Anm. d. Red.) Ja – denn mir bleibt ja nur noch eine begrenzte Zeit, und was ich auf keinen Fall mehr möchte, ist wertvolle Zeit zu verlieren.

Bis zum Launch Ihrer neuen Möbel stellen Sie im kommenden Jahr ein weiteres großes Projekt fertig – eine spektakuläre Erweiterung des legendären „Hôtel Costes“ in Paris, das vor allem für sein stets ausgebuchtes Patio-Restaurant und international für seine unverwechselbaren Musik-Compilations bekannt ist, aber auch für den plüschig-roten Stil des Designers Jaques Garcia. Wie kam diese Kollaboration zustande? Ich hatte zuvor schon das Restaurant „La Societe“ für denselben Besitzer eingerichtet. Damals hatte ich mich von der nahe gelegenen Kunstakademie inspirieren lassen und dachte, ich designe ganz einfach ein Bistro für Künstler. Das hat ihm gut gefallen. An dem „Costes“-Projekt schätze ich am meisten, dass ich nur mit einem Menschen zusammenarbeite und nicht mit einer großen Hotelfirma, wie etwa dem „Mandarin Oriental“, wo ich mit zehn Menschen korrespondieren müsste, die von Design nicht viel verstehen. Hier arbeite ich direkt mit dem Eigentümer, und das allein ist schon ein Vergnügen. Wir treffen uns mehrmals in der Woche und haben immer wieder interessante Ideen, die wir dann auch gleich ohne große Diskussionen umsetzen können. Das neue „Costes“ wird ganz anders als das alte. Wir bauen auf sechs Stockwerken große komfortable Suiten, in denen man auch mal länger bleiben kann als nur ein paar Tage, auch mit kleinen Kindern; ich glaube, wir bauen das erste Hotel, bei dem auch an Kinderzimmer gedacht worden ist.

Und Sie persönlich? Wo entspannen Ihre Seele und Ihr Geist am besten? Hier auf St. Barths, da möchte ich jeden Tag spüren, dass ich weit weg bin von allem und nicht an Paris oder New York erinnert werden. Ich möchte barfuß herumlaufen und den Holzfußboden und den Sand unter meinen Füßen spüren.

IssueGG Magazine 03/17
City/CountrySt. Barths
PhotographyMark Seelen