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Immer den Wellen nach by Deborah Rudman | 16. Juni 2017 | Personalities

Plettenberg Bay an der Küste der südafrikanischen Provinz Westkap ist ein Surfer-Paradies – Familie Orzechowski lebt seit 13 Jahren fast ständig hier, barfuß und die Gezeiten fest im Blick. Ebbe und Flut bestimmen ihren Alltag wie anderswo ein Busfahrplan.

Wer von der Schnellstraße an der Küste von Westkap abbiegt, an den Golfplätzen und Herrenhäusern von Plettenberg Bay vorbei, und schließlich Dickichte von Heidegewächsen und Sanddünen durchquert, gelangt an den magischen Punkt, wo der Keurbooms River auf den Ozean trifft. An dieser natürlichen Lagune liegt der Rückzugsort, den Frances und Wojtek Orzechowski für sich und ihren Sohn Tadj ausgewählt haben. Das Trio ist fest in die Community von Plettenberg Bay eingebettet: Sowohl Tadj als auch Wojtek sind richtige Wassermänner – sie surfen, tauchen, laufen Wasserski, kiteboarden und paddeln bei jeder Gelegenheit. Frances entwirft unter dem Label Soul Damen-Freizeitmode, die sie und Wojtek in ihren drei Indalo-Geschäften verkaufen – die Shops liegen an der Garden Route, die ihren Namen sehr zu Recht trägt und sich von Mossel Bay im Südosten bis zum Storms River am Rand der Provinz Ostkap erstreckt. Der Badeort Plettenberg Bay – liebevoll „Plett“ genannt – ist einer der schönsten Surfspots hier, gesegnet mit makellosen Stränden und warmem, klarem Wasser. Er wird auch für sein gemäßigtes Klima geschätzt: Die Winter sind mild, die Sommer warm, und er liegt geschützt vor den saisonalen Winden, die auf andere Abschnitte der Kapküste einpeitschen. Alles zusammengenommen machen ihn diese Bedingungen rund ums Jahr ideal für jede Form von Wassersport. Angezogen vom gemäßigten Wellengang ziehen scharenweise gut gelaunte Surfenthusiasten nach Plett; wie auch an die internationale Surfdrehscheibe Jeffreys Bay 160 Kilometer weiter östlich.

„Wir haben die Gezeiten im Blick und richten unsere Aktivitäten nach Ebbe und Flut.“ Frances Orzechowski

Nachdem Plett im 17. Jahrhundert zuerst von den Portugiesen entdeckt und „Baía Formosa“ – die schöne Bucht – getauft worden war, blieb es über Jahrhunderte relativ unentwickelt. Bis in die 1970er-Jahre war es wenig mehr als ein Dorf; die Domäne der herumziehenden Surfer-Community aus Kapstadt und Durban, immer auf der Suche nach der herausragenden Welle. Jedes Jahr wuchs die Zahl dieser Surfaficionados und mit ihr das Dorf: Heute zählt Plett rund 40.000 Einwohner – wobei sich diese Zahl im Dezember und Januar locker verdreifacht, wenn zur Ferienzeit Familienurlauber aus dem ganzen Land hierherströmen. Wo einst lediglich ein paar verstreute Häuser standen, gibt es nun Schulen, Hotels, Banken, Shoppingmalls und was man sonst so in einer richtigen Stadt vorzufinden erwartet. Trotzdem: Pletts ursprüngliche Anziehungskraft bleibt unverändert bestehen – als naturgegebener Spielplatz für Aktivitäten zu Wasser und zu Land gleichermaßen. Vor dreizehn Jahren zogen die Orzechowskis hierher. Angelockt von einem Urlaubsort an der Küste, der Elemente verfeinerter Lässigkeit mit einem unverfälschten Outdoor-Lebensstil verbindet. „Wir haben die Gezeiten im Blick und richten unsere Aktivitäten nach Ebbe und Flut aus“, beschreibt Frances den Alltag der Familie. In seinen Schulferien gibt der 17-jährige Tadj anderen Youngstern Surfunterricht. „Er findet es sehr befriedigend zu erleben, wie Kinder ihre erste Welle reiten.“ Frances selbst bevorzugt die Sanftheit der Lagune, dort ist ihre liebste Beschäftigung das Stand Up Paddling. „Das Mündungsgebiet ist so friedlich“, sagt sie, „und dort gibt es eine ganz wunderbare Vogelwelt.“ Tatsächlich wird Plett zunehmend zu einem Paradies für Vogelfreunde: Die Hälfte aller heimischen Arten sind hier zu finden und außerdem kürzlich Zugewanderte, darunter Schwärme von Flamingos.

„Dinge einfach halten und selbstgenügsam sein, das ist das ideale Leben.“ Frances Orzechowski

Für Neulinge und professionelle Surfer gibt es zahlreiche Wettbewerbe als Herausforderung: Außer dem klassischen Surfwettkampf von Jeffreys Bay – den Billabong ASP Championships, einem der international wichtigsten Wettkämpfe – gibt es Bodyboarding-Wettbewerbe, etwa die Wedge Classic Bodyboarding Competition, das älteste Bodyboarding-Event in Südafrika. Das ganze Jahr über gibt es Anfängerkurse für Jugendliche, die sich als Lebensretter ausbilden lassen wollen. Und natürlich sind all die Stars des Wellengangs längst nicht ausgepowert, wenn der Abend kommt, denn dann tauschen sie ihre Boards gegen die Tanzfläche in lokalen Restaurants und Nachtclubs ein. Und der Jahresendtumult ist in jedermanns Kalender dick gemarkert – in der ersten Dezemberwoche fallen euphorische Oberschüler aus dem ganzen Westkap hier ein, um ihr Abi und das Ende ihrer Schulkarriere zu feiern. Wenn die Orzechowskis diesem Aufstand entkommen wollen, ziehen sie sich in ihre Ferienbude an der Keurbooms-Lagune zurück: ein Ensemble von drei Rondavels, südafrikanischen Rundhütten, die mit überdachten Pfaden verbunden sind. Das ist ein ganz spezielles, afrikatypisches Design – eine kreisförmige Konstruktion aus Stein und Holz mit ausgeprägt spitz zulaufendem Strohdach. Ursprünglich eine Wohnstätte der Einheimischen im ländlichen Südafrika, ist dieser Bautyp mittlerweile für eine Vielzahl von Zwecken angepasst und modifiziert worden. Frances hat ein Gemüsebeet angelegt, damit sie die eigenen Gartenprodukte nutzen und die mit Touristen übervölkerten Läden in Plett vermeiden kann, wenn dort die Sommersaison jeden Dezember zu chaotischen Zuständen führt. „Das funktioniert so gut, dass wir jetzt das ganze Jahr über immer mal wieder hier sind!“ Vor allem anderen liegt der Charme dieses Heims in seiner Einfachheit – es lädt zu einem Barfuß-und-Barbecue-Lebensstil ein. Man zieht bei der Ankunft seine Schuhe aus und vergisst sie, bis es Zeit ist, wieder zu gehen. Für die Unterhaltung von Freunden und Familie zu sorgen ist ebenfalls denkbar einfach: Die offene Feuerstelle ist ein unwiderstehlicher Treffpunkt, und gegrillter frischer Fisch gibt mit Salaten aus dem Garten ein köstliches einfaches Mahl ab. „Wir setzen uns so oft wie möglich hierhin ab“, sagt Frances. „Die Dinge einfach halten und selbstgenügsam sein, das ist das ideale Leben.“ Alles, was man braucht, finde sich hier, ergänzt sie – der Ozean fürs Surfen, der Strand für lange Spaziergänge, die Lagune fürs Schwimmen und ein Gemüsebeet für den Küchenbedarf. „Es ist wunderbar, zu Hause zu sein und zu beobachten, wie sich das Wasser mit den Jahreszeiten verändert. Im Winter ziehen Wale vorbei, es gibt Delfine im Sommer. Und obwohl das Haus gerade mal zehn Minuten von der Stadt entfernt ist, fühlen wir uns abgeschieden, wenn wir in unserem Garten sitzen und über die Lagune blicken – abgeschieden im positiven Sinn. Die Zeit verlangsamt sich und wir genießen es einfach, hier zu sein. Was will man mehr?“

Die Zeit verlangsamt sich und wir genießen es einfach, hier zu sein. Was will man denn mehr?“ Frances Orzechowski

IssueGG Magazine 03/17
City/CountryWestern Cape/ South Africa
PhotographyGreg Cox/Bureaux/Livinginside