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Nach allen Regeln der Lebenskunst by Eva Müller-May | 16. Juni 2017 | Personalities

Die französische Galeristin Agnès Monplaisir und ihr Mann sind in Paris und auf einem Landgut außerhalb der Stadt zu Hause. Umgeben von Kunst, einer Schar erwachsener Kinder und vielen Freunden.

Ikarus liegt wie vom Himmel gefallen auf der Rasenfläche vor dem Haus. Ein rotes Gebilde, das an einen Drachen erinnert, scheint sich an einer gewaltigen Eiche den Kopf zu reiben. Fragmente zweier Liebender ruhen mitten in einem Seerosenteich. Diese Kunstwerke sind im Park von „La Paillardière“ in der Sologne zu bestaunen. Hier hat die Pariser Galeristin Agnès Monplaisir ihr Wochenenddomizil. Als sie vor acht Jahren zum ersten Mal hierherkam, war sie überzeugt: Das Anwesen war ihr schon einmal im Traum erschienen.

„Ich wusste, dass ich schon einmal hier war. Die Seerosen, wie von Monet gemalt.“ Agnès Monplaisir

„Ich wusste, dass ich schon einmal hier war“, erzählt Agnès Monplaisir. Der Seerosenteich – wie von Monet! Seine Gemälde sah sie mit dreizehn in einer Ausstellung: „Die traf mich wie ein Schlag und wies mir meinen Weg. In die Kunst!“ Die Galeristin spricht viel von Träumen, Visionen, Ahnungen – der Kraft des Unbewussten. Sie glaubt nicht an Zufälle im Leben. Weder bei der Wahl ihrer Künstler, noch privat. Damals, 2009, als sie das Anwesen zum ersten Mal sah, gab es die Kunstwerke von Daniel Hourdé und Igor Mitoraj im Park von La Paillardière noch nicht. Dessen Besitzer, Christian Pellerin, ein einflussreicher Pariser Immobilien-Entwickler, und sie hatten sich gerade frisch ineinander verliebt. Er zeigte ihr also sein Gut, etwa eine Autostunde von Paris entfernt: 500 Hektar Land, Wälder, Weiden, ein Pferdegestüt, zahlreiche Nebengebäude. Eine endlose Allee aus uralten Baumriesen, deren Schatten auf weite Rasenflächen fallen. Das Haus: aus roten und weißen Backsteinen, von Efeu und wildem Wein überwuchert. Davor der Teich mit den Seerosen. „Ich fühlte, dass ich endlich angekommen war“, sagt Agnès. Knapp zwei Jahre später heirateten sie; sie brachte drei Kinder mit in die Ehe, er fünf. „Die Einrichtung des Wohnhauses war traditionell, das meiste antik und lange im Familienbesitz meines Mannes. Alles authentisch und sehr charmant.“ Es gab modernste Technik, eine Sauna mit Dampfbad, einen Fitnessraum und einen Pool. Luxus zum Sofort-Wohlfühlen. Sie verspürte damals auch ein wenig Demut: „Alles war für mich überwältigend groß!“ Bis heute weiß sie nicht genau, wie viele Quadratmeter das Haus wirklich hat (vielleicht 1.500) oder wie viele Schlafzimmer es gibt (so um die 30). Jedes aber hat einen Namen, und die kennt sie alle: „La Chambre de Canard“, „… de Lion“, „… aux Roses“, „La Chambre Mauve“ … Auf jeden Fall genug Platz für die acht erwachsenen Kinder des Paares, wenn sie an Feiertagen mit ihren Familien kommen. Anfang des 18. Jahrhunderts stand auf La Paillardière nur ein Jagdpavillon, der noch heute existiert. Später kamen das Gestüt und das Gutshaus hinzu, von dem Speiseöl-Magnaten Georges Lesieur Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut. Ende der 1970er-Jahre erwarb Christian Pellerin das Ganze, modernisierte nach und nach alle Gebäude und kaufte konsequent Land dazu. Jedes mögliche Wochenende verbringt das Paar hier draußen. Dienstagfrüh geht es dann mit dem Auto zurück in die Hauptstadt. Im Sommer den Kofferraum voll mit frischem Gemüse aus dem eigenen Garten. Köstliche Ingredienzien für Abendessen in dem opulenten Pariser Apartment der beiden nahe dem Arc de Triomphe.

„Wir tanzen oft durch bis in die frühen Morgenstunden.“ Agnès Monplaisir

Mit 18, gerade volljährig und Monet noch immer im Kopf, eröffnete Agnès Monplaisir ihre erste kleine Galerie an der Bastille. „Meine Eltern waren gar nicht glücklich über meine Entscheidung“, erzählt sie. Sie wurde im karibischen Inselstaat St. Lucia geboren, reiste viel mit ihren „eher kunstuninteressierten Eltern“ – der Vater Bankier, die Mutter Geschichtslehrerin – durch Südamerika; daher wohl ihre Affinität für südamerikanische Kunst. Später zog sie nach Frankreich. Als blutjunge Autodidaktin entdeckte sie den argentinischen Künstler Luis Tomasello. Seine Werke erzielen inzwischen bei Auktionen Preise weit über 100.000 Dollar. „Ohne mich selbst loben zu wollen, ich habe einfach einen ausgezeichneten Geschmack“, sagt sie selbstbewusst; das Make-up perfekt, elegant bis in die Haarspitzen. An den Händen wie immer opulente Ringe, zum Teil aus ihrer eigenen Kollektion AMO. Das meiste, erzählt sie, habe sie von ihrer ersten Schwiegermutter gelernt. Die stammte aus der berühmten französischen Dekorateursfamilie Carlhian. „Ein Goya an der Wand bei uns zu Hause war völlig normal. Sie schleppte mich durch alle Museen und perfektionierte meinen Kunstverstand.“ Später arbeitet sie lange mit ihrem zweiten Mann, dem Galeristen Jean-Jacques Dutko, zusammen. Yves Saint-Laurent gehörte damals zu ihren Kunden. Heute, unabhängig und wieder unter ihrem Mädchennamen, gehört Agnès Monplaisir laut Artnet zu den hundert einflussreichsten Frauen der Kunstszene. Ihre Galerie liegt seit fünf Jahren in der Rue Jacques Callot in Saint-Germain-des-Prés, einem der Pariser Galerie-Zentren. Mit vielen ihrer Künstler ist sie befreundet und entwickelt mit ihnen Einzelstücke nach eigenen Vorstellungen. „Da kommt mein Ego durch.“ Eine Vorliebe für Bildhauerei ist bei ihr unverkennbar. Zahlreiche Skulpturen schmücken den Park von La Paillardière. Auch im Haus setzt sie Akzente: Vor dem Kamin konkurrieren bronzene Sitzmöbel einer deutschen Bildhauerin mit Sesseln aus dem 19. Jahrhundert. An den Wänden: imaginäre Landschaften in 3-D. Und sie gibt gern Partys mit über hundert Gästen: Künstler, Freunde, Kunden. „Wir tanzen oft durch bis in die frühen Morgenstunden.“ Inzwischen lebt das Paar sechs Monate im Jahr an der brasilianischen Atlantikküste nahe Fortaleza. Mit einem Partner haben sie ein Hotel eröffnet, auch die Galerie hat hier eine Dependance. „Kaum zu glauben, aber La Paillardière ist mir tatsächlich als Wirkungskreis zu klein geworden.“

 

IssueGG Magazine 03/17
City/CountryParis/ France
Photography© Simon Upton/The Interior Archive/Basset Images
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