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Die Kunst des glücklichen Erbens by Steffi Kammerer | 1. September 2017 | Personalities

Malcolm Forbes gehörten zeitweise mehr Fabergé-Eier als dem Kreml, zu seinem 70. Geburtstag flog das Who’s who in seinen marokkanischen Palast, das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ wurde unter ihm weltbekannt. Kip Forbes und seine vier Geschwister haben das Erbe des Übervaters erfolgreich fortgeführt. Und sie sind noch immer damit beschäftigt, seinen Nachlass aufzuteilen. Ein Besuch in Far Hills, New Jersey, seit bald 70 Jahren Sitz der Familie.

Er ist das dritte von fünf Kindern. „Die glückliche Mitte“, sagt Christopher Forbes, von allen „Kip“ genannt. Elegant ist er, höflich, charmant. Und, was bei jemandem seines Vermögens selten ist: Er wirkt froh und entspannt. Im Kleinwagen holt er mich vom Bahnhof ab, später steht er in der Küche, macht Tee, sucht Kekse. Der Kunsthistoriker ist Experte für englische Malerei im 19. Jahrhundert. Im Hauptberuf ist er Vize des Medienkonzerns Forbes und ständig unterwegs. Zwischen Paris und Jakarta kommt er dahin zurück, wo er sein ganzes Leben verbracht hat: nach Timberfield, ein 28-Hektar-Anwesen in Far Hills, New Jersey.

Sieben Häuser stehen auf dem weitläufigen Gelände, man muss ins Auto steigen, um von einem zum anderen zu kommen. Im größten von ihnen ist Malcolm Forbes 1990 gestorben, beim Mittagsschlaf nach einem London-Trip. Dieser Vater, der immer nur klotzte, nie kleckerte, hatte sich das ländliche Timberfield als Rückzugsort ausgesucht. Hier mähte er am Wochenende den Rasen, wenn er eben noch über Ägypten geflogen war: im eigenen Heißluftballon in Sphinx-Form. An so einem Vater können Kinder verzweifeln. Aber wie Kip Forbes sind auch seine drei Brüder – Steve, Robert und Tim – und die Schwester Moira geerdete, tüchtige Menschen. Steve hat zweimal versucht, amerikanischer Präsident zu werden, kam aber über die Vorwahlen nicht hinaus. Kip dagegen hat einen Titel, um den man sich nicht bewerben kann: Er ist Offizier der französischen Ehrenlegion. So dankte ihm Frankreich sein langjähriges Engagement für den Louvre. Um die Freiheitsstatue kümmert er sich auch, er ist im Board der Ellis Island Foundation. Und er unterstützt den Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Früher saß er noch in einem halben Dutzend prominenter Museumsboards, aber das reduziert er langsam. Loslassen ist ohnehin das neue Thema der Familie, seit Jahren sind sie auf Schrumpfkurs. Auf diese Weise hat das Magazin die Krisen der letzten Jahre überlebt, in diesem Herbst wird es 100 Jahre alt. Verkauft haben sie: die 70.000-Hektar-Ranch in Colorado, den marokkanischen Palast, in dem Forbes die Party des Jahrhunderts schmiss, seine Yacht „Highlander“, das große alte Haus in London, 75.000 Spielsoldaten, die Privatinsel im Pazifik. Und die Fabergé-Eier: Die einzigartige Sammlung brachte 100 Millionen Dollar. Auch Kips viktorianischen Gemälde mussten vor einigen Jahren dran glauben: 27 Millionen Dollar. Einer Zeitung sagte er damals, der Auktion bliebe er fern, es sei zu traurig. Heute trennt er sich leicht. Im letzten Frühjahr verkaufte er seinen persönlichen Schatz, seine Napoleon-III.-Sammlung: 2.000 Kunstgegenstände, Manuskripte und Fotografien. Kip begann als Teenager Napoleon III. zu sammeln, seit ihm sein Vater ein Porträt des ehemaligen französischen Kaisers schenkte. In der Familie bleiben soll Schloss Balleroy in der Normandie, ein Prachtbau aus dem 17. Jahrhundert, Vorbild für Versailles, lange Jahre verfiel es. 1970 hat Malcolm Forbes es gekauft, Kip hat es über 20 Jahre restauriert. Etwa fünf Mal im Jahr ist er heute dort. In Timberfield lebt er mit seiner Frau Astrid aus der deutschen Adelsfamilie Heyl zu Herrnsheim, sie sind seit 43 Jahren verheiratet. Die gemeinsame Tochter bewohnt mit ihrem Mann und drei Enkelkindern ein Nachbarhaus.

„Die positivste Hinterlassenschaft ist, dass wir miteinander auskommen.“ Kip Forbes

1989 widmete Ihr Vater Ihnen sein Buch „More Than I Dreamed“. Er schrieb: „Meinem Sohn Christopher, dessen Freundschaft, Liebe, Begabung und Esprit dazu beigetragen haben, dieses Leben zu mehr zu machen, als ich mir erträumt hatte.“ Sie hatten wohl eine sehr besondere Beziehung. Kip Forbes: Mein Vater hatte eine besondere Beziehung zu jedem von uns Kindern, weil in jedem von uns ein bisschen seiner Persönlichkeit steckt. In „More Than I Dreamed“ geht es um das Leben eines Sammlers. Deshalb ist es mir gewidmet, weil wir diese Leidenschaft teilten. Als er mir eines Tages den Probeabzug der Seite gab, bin ich natürlich in Tränen ausgebrochen.

Wie war es, Malcolm Forbes zum Vater zu haben? Als wir jünger waren, war er der Zuchtmeister. Meine Mutter musste nur sagen „Wartet, bis euer Vater nach Hause kommt“, und schon benahmen wir uns. In jenen Tagen war es noch nicht verpönt, den Hintern versohlt zu bekommen. Aber es war nicht so, dass er uns mit einem Gürtel prügelte, es ging mehr um den psychologischen Aufbau. Dann, als wir älter wurden und mit unseren Eltern zu Abend aßen und mehr mit ihnen zu tun hatten, lernte man ihn als eine witzige und interessante Person kennen. Als jemand, der uns mit Freude in unseren Interessen bestätigte.

Er war also wirklich präsent? Oft war er auf längeren Geschäftsreisen, aber sonst war er präsent. Als wir jünger waren, mussten wir sonntags immer in die Kirche gehen, und das war eine ziemliche Zeremonie. Mein Vater, stolz auf seine schottische Abstammung, ließ uns Kilts tragen. Zweimal im Jahr konnten wir unsere Mutter auf unsere Seite ziehen. Dann behauptete sie, die Kilts seien in der Reinigung – aber ansonsten waren da immer all unsere Freunde mit ihrem Gekicher über unsere Röcke. Es war ganz bestimmt nie langweilig mit meinem Vater. Er hatte eine übermächtige Präsenz. Als ich ein junger Princeton-Student war, erlaubte er mir damit anzufangen, diese unglaubliche Kollektion von englischen Gemälden des 19. Jahrhunderts zusammenzutragen. Er begann, Spielzeugschiffe und Spielzeugsoldaten zu kaufen und einiges an zeitgenössischer Kunst. Man wusste buchstäblich nie, womit er nach Hause kommen würde. Einiges wurde hier untergebracht, einiges in den New Yorker Büros, manches auf der Ranch in Colorado, auf der Fidschi-Insel, im Chateau in Frankreich. Es war überall verteilt. Es gab nie einen Mangel an Wänden. Jetzt, bei unserem fortgesetzten Downsizing, ist das eine Herausforderung.

Wer führte die Inventarliste? Oder wusste er, wo alles war? Nein, er tat nicht einmal so. Mein erster Job war der des Kurators der Sammlung. Dann, als ich mein Studium beendet hatte und mit der schönen Kunst des Anzeigenverkaufs beginnen musste, stellten wir einen professionellen Kurator an. Es gibt hier immer noch so viel Zeug. Allein die Bücher: Massen in der Bibliothek und im Luftschutzbunker, signiert und datiert von meinem Vater. Aber wir wühlen uns durch alles durch, langsam, aber sicher. Irgendwann werden wir hier in Timberfield einen Ramschverkauf veranstalten.

Fällt es Ihnen bei manchen Stücken schwer? Bei den ersten Verkäufen nach dem Tod meines Vaters war es schwer. Mittlerweile hat es etwas von einer Katharsis, man kann es gar nicht erwarten, Dinge loszuwerden. Es hat eine Eigendynamik. Am Anfang war ich sentimental – dies gehörte dieser Person, das jener –, aber jetzt denke ich nur: weg, weg, weg [er benutzt das deutsche Wort – Anm. d. Red.].

Es gab einige bemerkenswerte Festivitäten in diesem Haus. Wir feierten den 70. Geburtstag des Magazins hier, das war schon ein Kaliber. 40 oder 50 Hubschrauber parkten auf dem großen Feld. Zum 75. Geburtstag des Magazins wählten wir das Rockefeller Center und die Radio City Music Hall, und die ehemaligen Präsidenten Reagan und Gorbatschow waren da.

Dieses Jahr nun ist der 100. Geburtstag des „Forbes Magazine“. Wie werden Sie feiern? Mit einer Sonderausgabe des Magazins und allem Möglichen im Internet. Und dann gehe ich mal davon aus, dass es im September ein besonderes Event geben wird.

Welche Bilder kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Ihre Kindheit denken? Monopoly-Spiele und gelegentliche Erdbeben, wenn irgendjemand unzufrieden mit dem Spielverlauf war. Was uns besonders zusammengeschweißt hat, waren die Fahrten in einem Kombi quer durchs Land nach Wyoming: meine Eltern, fünf Kinder, das Kindermädchen meiner Schwester und zwei Hunde. Damals gab es noch keine Kindersitze, also krabbelten wir alle durcheinander. Ich saß hinten und machte Sandwiches für alle. Zum Anfang des Sommers zogen wir los und kehrten Mitte August zurück.

Wie eng ist Ihre Beziehung zu Ihren Geschwistern heute? Wir sind einander noch immer sehr verbunden. Wir haben einmal im Monat Familientreffen, entweder per Telefon oder persönlich. Wir stimmen nicht immer überein, aber wenn es ums Geschäft geht, treffen wir gemeinsame Entscheidungen; und bei familiären Meinungsverschiedenheiten lassen wir sie Geschäftliches nicht beeinträchtigen. Das ist sehr wichtig.

Das klingt einfach, aber an diesem Punkt scheitern viele Familien, besonders, wenn Geld im Spiel ist. Sie müssen da etwas richtig gemacht haben. Ich würde sagen, meine Eltern haben etwas richtig gemacht – die positivste Hinterlassenschaft ist, dass wir miteinander auskommen. Das bedeutet nicht, dass wir oder die angeheirateten Verwandten beste Freunde sind.

Aber Sie reden alle noch miteinander… Ganz genau. Der Familiensinn ist stärker als die trennenden Kräfte – von denen steht Geld üblicherweise an erster Stelle.

Wie haben Ihre Eltern das fertiggebracht? Beide waren so unterschiedlich. Diese stille, sanfte, zurückhaltende Mutter zu haben und diesen aufgeschlossenen, komplexen, aber doch überlebensgroßen Vater, das gab uns eine gute Balance. Wir alle sind Produkte beider, und das ist der Grund, warum wir miteinander auskommen.

Haben sie Ihnen dynastisches Denken vermittelt? Ich glaube nicht, dass ich wirklich einen Sinn für dynastisches Denken habe. Aber wenn etwa jemand an der Hotelrezeption fragte: „Sind Sie einer DER Forbes?“, fand ich das immer eine schöne Sache. Ich weiß, einigen meiner Geschwister ist das weniger angenehm – aber man kann sich seine Eltern nicht aussuchen, und ich glaube, in der Lotterie des Lebens sind wir ziemlich gut weggekommen.

Empfinden Sie es als Verpflichtung, dem Namen gerecht zu werden? Nein. Aber natürlich möchte ich niemanden in Verlegenheit bringen. Und es war ja nicht so, als wäre man ein Hearst oder Getty oder Rockefeller, bei uns ging es um eine viel bescheidenere Marke. Aber ihre Bedeutung wuchs unter meinem Vater sehr. Wir erlebten es mit.

Gab es schwierige Zeiten mit Ihren Geschwistern? Oh ja. Es konnte strittige Momente geben: die Verteilung des Nachlasses oder als wir die Entscheidung trafen, den Mehrheitsanteil des Unternehmens abzugeben. Aber genau deswegen trifft man sich ja.

Was half, wenn es wirklich hart auf hart ging? Als es ums Geschäft ging, zogen wir Mediatoren von außen zu. Sie waren eine fabelhafte Kombination, einer ist Anwalt, einer Psychologe. Und sie halfen uns. Man darf nicht auf Zwanglosigkeit bauen, man muss auf der Basis von Regeln miteinander sprechen. Denn dann schaukeln sich die Dinge nicht auf. Als es darum ging, die Sachen im Haus aufzuteilen, konnten unsere Ehepartner vorher sagen, was sie gern hätten. Aber dann saßen nur wir fünf im Haus zusammen. Jeder mit einer Liste von zehn Favoriten. Es gab da ein Gemälde, das auf drei Listen stand, also mussten wir Münzen werfen. Nachdem wir mit den jeweiligen Top 10 durch waren, begannen wir durchs Haus zu gehen. Und wieder lief es nach einem System ab. Wer einmal zuerst dran war, kam beim nächsten Durchgang als Letzter. Wir wählten, ohne auf den Wert zu achten. Wir hatten ja die Taxierungen, am Ende addierten wir alles, Unterschiede haben wir mit Geld ausgeglichen. Wir fünf haben uns das so überlegt, wir wussten, welche Schwierigkeiten unsere Eltern mit ihren eigenen Geschwistern gehabt hatten, besonders meine Mutter; sie sprach kaum mehr mit einer ihrer Schwestern. Also überlegten wir uns ein System, das unparteiisch ist. Formeln wie diese sind sehr wichtig für gutes Einvernehmen in der Familie. Wir hatten Glück, weil wir alle von denselben Eltern abstammen. Es wird schwieriger, wenn Halbgeschwister im Spiel sind. Es wird weit facettenreicher und komplexer, je häufiger Eltern geheiratet haben und je ausgedehnter die unmittelbare Familie ist.

Ihre Eltern riefen Ihnen also die möglichen Probleme frühzeitig ins Bewusstsein. Ja. Mein Großvater hinterließ gleiche Erbteile, und das machte das Leben kompliziert, während mein Vater uns allen sehr großzügige Firmenanteile hinterließ, aber mehr Stimmrechte an Steve vererbte. Und falls ihm etwas zustieße, wäre Tim, mein jüngster Bruder nachgerückt. Auf diese Weise war die Verantwortung klar geregelt. Fairness ist nicht zwangsläufig der beste Weg, um ein Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben. Steve hatte also das ausschlaggebende Stimmrecht. Selbst wenn vier von uns anderer Meinung wären: Einer entscheidet. Das war nichts, was wir nach dem Tod unseres Vaters in einer Anwaltskanzlei herausfanden. Wir wussten es immer. Und wir verstanden die Überlegung dahinter. Wäre Steve etwas zugestoßen, wäre Tim offensichtlich der Qualifizierteste gewesen, das Unternehmen zu leiten.

Sie waren nicht interessiert? Ich wäre nicht dazu imstande. Selbst beim Anzeigenverkauf kann ich zwar charmant sein, war aber nie besonders gut, wenn es um Abschlüsse ging. Je offener alles besprochen wird, desto besser. War jeder total zufrieden? Nein. Aber es gab keine Überraschungen. Einer der verbleibenden Streitpunkte hätten Familienporträts sein können. Genrebilder, auf denen wir alle fünf abgebildet sind. Sie sind von zwei verschiedenen Künstlern. Die beiden ersten sind ziemlich wertvoll. Wer bekommt also was und wie gleicht man die Diskrepanz aus? Und es waren vier Gemälde, wir sind aber fünf Kinder. Es gab allerdings auch noch Skizzen und ein Porträt meiner Mutter. Wir arbeiteten also einen Verteilungsschlüssel dafür aus. Wir haben es ohne Anwalt geschafft.

Eins der Porträts zeigt sie alle im Innenhof, auf einem anderen sind sie in dem Raum abgebildet, in dem wir gerade sitzen. Meine Eltern kauften dieses Haus, als sie mich erwarteten, ich kam als neugeborener hierher. Es ist ein wunderbares Gefühl der Kontinuität, nicht ein einziges Mal meine Adresse gewechselt zu haben. Alles machten wir hier: Fußball in der Eingangshalle, wir durften Tohuwabohu anrichten, Tunnels aus den Sofakissen bauen, immer waren Freunde da. Ich habe Timberfield allein geerbt. Auch da dachte mein Vater: Man kann es nicht zerhacken. Jedem war das klar. Mein Vater fragte meinen jüngsten Bruder, als er und seine Frau ein zweites Kind erwarteten. Aber mein Bruder sagte: Du hast es immer Kip versprochen, ich will es nicht. Irgendwann werden wir es wahrscheinlich verkaufen, aber im Augenblick besteht keine Notwendigkeit.

Sie haben sich im Loslassen geübt. Ich habe eine Ehefrau, bei der auf einer Seite ihrer Familie in einem Moment alles verloren ging [ihre Mutter war eine geborene Bismarck – Anm. d. Red.]. Das rückt die Dinge ins Verhältnis.

Leben Ihre Geschwister noch in der Nähe? Nicht mehr. Bruder Nummer zwei ist im Ruhestand in Palm Beach. Mein ältester Bruder lebt um die Ecke. Bruder Nummer vier hat ein Haus in der Nähe. Meine Schwester ist in Pennsylvania.

Sie nummerieren einander durch? Es ist einfacher. Aber wenn wir miteinander sprechen, reden wir uns mit Namen an.

Sie sind Experte für Kaiser Napoleon III. Wie unterscheiden sich die Forbes von den Bonapartes? Ich kann da kaum Überschneidungen sehen. Mein Großvater war klein, das hatte er mit Napoleon gemein. Und er schuf ein erfolgreiches Unternehmen. Mein Vater war nicht in gleicher Weise erfolgreich: Keiner von uns wurde König.

Sammler haben diese Adrenalinstöße. Sie auch noch? Oh ja. Gerade während wir hier reden, kommt gleich ein Objekt an. Neulich bin ich mal schwach geworden. Ein Gemälde von Sir Edwin Landseer, einem der Favoriten Queen Victorias.

Wie steht es mit Fabergé-Auktionen? Finde ich immer noch interessant. Mr. Vekselberg [der russische Milliardär Viktor Vekselberg hatte 2004 die Fabergé-Kollektion der Forbes-Familie gekauft, Anm. d. Red.] lud mich freundlicherweise ein, dem Direktorium seines Museums beizutreten, und ich dachte, es wäre schön, wieder mit den Eiern zu tun zu haben. Die Möglichkeit, die Babes wiederzusehen!

Aber es drängt Sie nichts mehr, sie zu besitzen? Nein, man besitzt niemals wirklich etwas. Man ist ein Kurator auf Zeit. Ein Treuhänder für eine gewisse Spanne. Große Kunst überdauert einen bei Weitem. Selbst Schloss Balleroy – es gehörte 300 Jahre derselben Familie. Seit 50 Jahren ist es nun unseres. Aber wer besitzt schon die Berge von Colorado? Wer besitzt Mount Rushmore? Sie sind für die Ewigkeit. Für eine gewisse Zeit der Hüter sein zu dürfen, ist ein unglaubliches Privileg.

Wann begannen Sie eigentlich zu sammeln? In frühester Kindheit. Münzen und Briefmarken und Comic-Bücher, und von da weiter zu Napoleon III. Mit ihm war es eine lebenslange Sucht. Und dann: kalter Entzug. Es ist wirklich eine Katharsis. Es ist gut so.

IssueGG Magazine 04/17
City/Country
Photography