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Let’s party by Michaela Cordes | 24. November 2017 | Personalities

Glitter, Glanz & Gloria – von New York bis London hört man noch Jahre später Lobreden auf die rauschenden Partys von Rena Kirdar Sindi. Geboren im Irak, lernte die kosmopolitische Tochter eines Finanzunternehmers schon als Kind die hohe Kunst des guten Einladens. Heute will die Bloggerin und Buchautorin mit Ivy-League-Ausbildung ihr Party-Know-how jedem zugänglich machen. GG traf die ungewöhnliche Geschäftsfrau in ihrem Ferienhaus in Südfrankreich.

Schon wie sie hereinkommt ins Café „Senequier“ an der Hafenpromenade von Saint-Tropez, versprüht sie positive Energie. Wildes, schwarzes Haar, Augen, die beim Sprechen funkeln, ein ansteckendes Lachen – Rena Kirdar Sindi ist die Party-Queen aus „1001 Nacht“. „Keine gibt so außergewöhnliche Feste wie Rena!“, schwärmte bereits die „New York Times“. Sie ist kosmopolitisch aufgewachsen, ihr Vater ist der erfolgreiche Geschäftsmann Nemir Kirdar, Gründer der Investmentbank „Investcorp“ (die schon in den 80er-Jahren mit arabischem Geld auf westliche Luxusfirmen wie Gucci, Saks Fifth Avenue und Tiffany & Co. setzte, Anm. d. Red.). Heute lebt sie in London, ihre jährliche Weihnachtsparty gehört zu den begehrtesten Einladungen der Saison. Weltbekannt wurde die Oxford-, Columbia- und Cambridge-Absolventin mit ihrem Bestseller „Be My Guest“. 2002 erschienen, ist der Bildband mit einem How-to-Guide bis heute ausverkauft. Im Frühjahr 2018 will Assouline ein weiteres Rena-Buch herausbringen. Auf ihrem Party-Blog beRguest.co.uk gibt sie täglich Party-Nachhilfe.

„Ich war ein unbeliebter Teenager.
Ich gebe Partys auch, um selbst eingeladen zu werden.“
Rena Kirdar Sindi

Wie wird eine Ivy-League-Studentin zur professionellen Gastgeberin? (lacht) Ich war Anfang 20, arbeitete bei der UN, lebte mit meinem ersten Mann in New York und wurde wiederholt von Firmen gefragt, ob ich Lust hätte, für sie Einladungen zu organisieren. Ich kannte damals schon durch mein Elternhaus eine interessante Gruppe von Persönlichkeiten. Dazu hatte ich sehr kreative Ideen und in New York verfügten die Luxusmarken wie etwa Dior in den 90er-Jahren über große Event-Budgets. 1992 zog ich dann nach Singapur. Meine Mutter rief eines Tages an und schimpfte: „Es ist furchtbar. Du hast eine so fantastische Ausbildung. Aber alles, was ich über dich höre, ist, dass du die besten Partys gibst!“ Ich nahm mir vor, diesen Ruf für mich zu nutzen und aus meiner Begabung mehr zu machen, also ein Buch oder meinen Blog. Um Menschen zu helfen, besser und klüger einzuladen.

Ihre Grundformel lautet: Eine gute Party muss nicht teuer sein, ist aber immer ein großes Investment – was meinen Sie damit? Dass man auch mit wenigen Mitteln einen tollen Abend geben kann. Es kommt vor allem auf die Details an. In den Augen des Gastes wird jedes Detail als Geschenk empfunden. Umso mehr Mühe ich mir gebe, desto beeindruckender ist das Ergebnis.

Was, meinen Sie, treibt Sie so an, Menschen zusammenzubringen? Es ist die Essenz des Lebens. Das gilt für private Beziehungen genauso wie für die geschäftlichen. Ich verbinde Menschen für mein Leben gern und kann es so gut, weil ich jeden Gast genau kenne. Lerne ich jemand Neues kennen, versuche ich, so viel wie möglich über die Lebensgeschichte herauszufinden. Ich mische meine Gäste immer so, dass es einen Sinn ergibt. Wenn Sie zu einer meiner Partys eingeladen und neben einer bestimmten Person platziert sind, finden Sie im Laufe des Abends heraus, was Sie beide miteinander verbindet.

Auf ihrem Blog schreiben Sie, dass sie heute auch so gern einladen, weil sie als Teenager gemobbt wurden und es heute genießen, selbst eingeladen zu werden. Ja das stimmt, wir lebten in so vielen Städten auf der ganzen Welt. Ich fühlte mich deswegen lange nirgendwo richtig zu Hause.

„Was eine gute von einer sensationellen Party unterscheidet?
Der richtige Mix – die Gäste, die Location, die Energie!“
Rena Kirdar Sindi

Sie sagen, der Gäste-Mix bestimmt die Energie – wie viele Gäste sind zu viel und wie bekommt man den Mix hin? Ich gebe ein bis zwei große Partys mit etwa 150 Gästen pro Jahr. Lädt man mehr als 200 Gäste ein, verliert man die Nähe zu ihnen. Bei mir ist jeder Gast aus einem bestimmten Grund da – entweder gehört er zu meinen besten Freunden, ist besonders lustig, oder es ist jemand, den ich besser kennenlernen möchte. Es kann aber auch jemand sein, bei dem ich zuvor eingeladen war und bei dem ich mich revanchieren möchte.

Was ist die wichtigste Zutat für eine sensationelle Party? Der Gastgeber! Er gibt die Stimmung vor.

Gesetztes Essen oder Flying Buffet? Unbedingt gesetzt! Eine gute Party muss die richtige Choreografie haben. Das ist wie beim Kochen, da wirft man auch nicht einfach alle Zutaten in einen Topf und hofft auf das Beste. Eine gute Party baut sich langsam auf. Eine durchdachte Sitzordnung ist eine Kunst, die den Zauber der ganzen Nacht ausmachen kann.

Paare nebeneinander oder getrennt setzen? Niemals zusammen! Das ist ein schweres Vergehen. Wenn ich neben meinem Mann sitze, ist das bei uns zu Hause und da trage ich bequeme Sportklamotten und esse Pizza. Auf einer Party bin ich rausgeputzt mit aufwendigem Make-up, die Haare gemacht. Da möchte ich neue Leute kennenlernen!

Welches war Ihre bisher aufwendigste und aufregendste Party? Die Dschungel-Party, die ich Anfang 2000 für Roberto Cavalli gegeben habe. Ich liebe sexy Mottos. Das Thema passte perfekt zu meiner Energie und Persönlichkeit. Unsere Gäste sind wild gekleidet erschienen. Die Schüchternen kamen im Leoparden-Kleid und haben sich erst vor Ort richtig getraut sich zu verkleiden. Deswegen habe ich immer Requisiten parat. Perücken, Federn, Masken und Facepaint. Das habe ich in all den Jahren gelernt: Viele kommen erst in Fahrt, wenn sie die anderen Gäste sehen, die mehr zurechtgemacht sind als sie selbst.

Auf was darf man nicht verzichten? Auf einen guten Fotografen. Fotos halten die schönsten und verrücktesten Momente fest, die man sonst schnell vergisst.

Jetzt stehen Weihnachten und Silvester vor der Tür – was planen Sie? Wir laden jedes Jahr Anfang Dezember zu unserer Christmas Party zu uns nach Hause zum Open House Dinner ein. Die einzige Einladung, die ich jedes Jahr ohne gesetztes Essen gebe. Dafür lasse ich mir immer neue Dekorationsideen einfallen. Im vergangenen Jahr war es Black & White Christmas.

Sind Sie selbst auch gern Gast? (lacht) Wenn wir zu einer Mottoparty eingeladen sind, warnt mich mein Mann immer: „Rena, du bist aufwendiger verkleidet als die Gastgeber!“ Aber ich finde, wenn man eine Einladung zusagt, dann muss man sich Mühe geben, auch zum Spaß des Abends beizutragen.

Haben Sie ein so großes Talent für das Gastgeben aufgrund Ihrer Herkunft? Das kann schon sein. Menschen aus dem Mittleren Osten sind sehr warmherzige und extrem großzügige Gastgeber, die bereit sind, alles zu geben, auch wenn sie selbst wenig haben. Und übrigens: Meine Mutter ist seit meinem ersten Buch sehr stolz auf mich!

IssueGG Magazine 01/18
City/CountrySaint-Tropez/ France
PhotographyMark Seelen