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Wo Lebensfreude ein Zuhause hat by Steffi Kammerer | 24. November 2017 | Personalities

Es gibt kaum einen schöneren Ort, das neue Jahr zu begrüßen, als hier: im mexikanischen Careyes, zwischen Dschungel und Pazifikstrand. Wo alles ein bisschen anders ist als in anderen Resorts. Abenteuerlicher, sinnlicher, glamouröser, entspannter. Die internationale Gästeschar, die sich hier trifft, ist so bunt und schillernd wie die farbigen Häuser.

Magisch. Das ist das eine Wort, das irgendwann alle aussprechen, die einmal hier waren. An diesem Ort mit seinen knallbunten Fassaden, dem 13 Kilometer langen Küstenstreifen und endlosem Blick über den Pazifik. Das Resort „Costa Careyes“ an der mexikanischen Pazifikküste, drei Autostunden südlich von Puerto Vallarta. Es besteht aus Privatvillen und bunten Casitas, die sich blau, grün und rot übereinander an den steilen Hang schmiegen, dazu ein paar Hotelzimmer und pinke Bungalows direkt am Strand. Und es gibt spektakuläre Rundbauten („Ocean Castles“), die wie Skulpturen ausschauen, auf allen Seiten umgeben von Infinity Pools, die ins Meer zu schwappen scheinen. Die Wasserschlösschen kann man mieten, in der Hochsaison für 11.000 US-Dollar pro Nacht, Butler und Koch inbegriffen. Insgesamt bietet Careyes 600 Menschen Platz. Eine überschaubare Zahl – so ist es gewollt. Alles hier trägt die Handschrift eines Visionärs: Gian Franco Brignone, Italiener aus Turin, Sohn einer Bankiersfamilie, Künstler und Immobilienentwickler. Der war 1968 mit einer Propellermaschine über diesen Teil der Küste geflogen und hatte sich aus der Luft in die unberührte, wilde Gegend unter sich verliebt. Keine einzige Straße, nur dichter Dschungel, Felsen und Strand. Er kaufte das Land kurzentschlossen und beauftragte den mexikanischen Architekten Marco Aldaco, heute berühmt für seine luftige Architektur im Einklang mit den Elementen. Der baute ihm als erstes das strahlend blaue „Casa Mi Ojo“ mit Hängebrücke zum Nachbarfelsen; der Name des Hauses verweist auf ein Auge, das Brignone in jüngeren Jahren verloren hat. Damit war der Ton für Careyes gesetzt: persönlich, ein bisschen exzentrisch, nichts für ein Massenpublikum. Bald kamen seine Jetset-Freunde aus Europa, Playboys und Lebenskünstler, Schwergewichte wie Gianni Agnelli und der Finanz-Tycoon James Goldsmith; der abgelegene Rückzugsort begann sich herumzusprechen.

„Wen wir uns hier wünschen, das sind
interessante, kreative und internationale Menschen.“
Filippo Brignone

Auf Mundpropaganda verlassen sich die Brignones bis heute am liebsten: So kommen Freunde von Freunden, das passt meistens. Wer hier etwas kaufen will, muss viel Geld mitbringen, vor allem aber 27 Bedingungen erfüllen, so ungewöhnlich wie sympathisch. Unter anderem sollten Interessenten „die Musik von Himmel, Erde und Meer zu schätzen wissen“ und „sich der meisten der sieben Todsünden schuldig gemacht haben“. Mehrsprachigkeit und Humor werden auch vorausgesetzt. Dass hier alles etwas anders ist, zeigt schon das Logo des Resorts: ein Frage- und ein Ausrufezeichen, sonst nichts. Careyes, das ist ein Lebensgefühl. Es gibt kaum rechte Winkel und scharfe Kanten, alles ist rund und fließt, unter hohen Dächern aus Palmblättern weht leicht der Wind. Ein sinnlicher Ort mit üppigen Bougainvilleen, im Restaurant stehen Strelitzien neben großen Schalen mit Meeresfrüchten. Vieles fehlt ganz bewusst: Jetskis, überhaupt jede Art von Remmidemmi oder Lärm, selbst Sonnenschirme und Strandliegen gibt es nicht. Stattdessen schlichte Schönheit: Strohmatten im warmen Sand, Hängematten unter Palmen. Robinson Crusoe meets James Bond, alles ultraluxuriös und ursprünglich zugleich. Die Natur mit ihren Unwägbarkeiten ist hier ständig präsent: Careyes ist auf der Landseite umgeben von einem gigantischen Biosphären-Reservat. 14.500 Hektar tropischer Wald. Mit Krokodilen, Pumas, Jaguaren, Geiern, Schlangen, Kojoten. Auf der Meerseite legen jährlich über 2.000 riesige Wasserschildkröten ihre Eier ab, streng beschützt von der Familie und einem Biologen. „Costa Careyes“ heißt Schildkrötenküste. Noch heute überwacht Gian Franco Brignone, inzwischen stolze 91, jedes Detail auf seinem Gelände, so wie die letzten 50 Jahre auch. 2006 verlieh ihm der mexikanische Präsident den „Orden Mexicana del Águila Azteca”, die höchste Auszeichnung, die das Land an Ausländer vergibt. Vier Kinder hat er, sie kümmern sich gemeinsam um Careyes: Giorgio, Filippo, Sofia und Emanuela, und wie sie es vom Vater gelernt haben, gehen sie von Tisch zu Tisch, um Gäste aller Nationen zu begrüßen und einander vorzustellen. Die Familie hat es geschafft, dass Careyes nicht zu einem Promi-Zirkus mit lauernden Paparazzi verkommen ist. „Das gelingt, indem wir diskret sind“, sagt Filippo, einer der beiden Söhne. „Wir benutzen Namen nicht für PR. People-Journalisten sind hier keine, es sei denn, zu ganz speziellen Events. Wir respektieren die Privatsphäre von Celebritys.“

„Ein Ort, der nicht wächst, stirbt.
Ein Ort, der zu schnell wächst, stirbt genauso.“
Filippo Brignone

Quentin Tarantino hat die letzten Szenen von „Kill Bill“ in einem der Häuser gedreht, Cindy Crawford hat sich für Herb Ritts ausgezogen, und Bruce Weber wählte den Ort für seine „CK Obsession“-Kampagne. Seal und Heidi Klum haben in Careyes geheiratet. Giorgio Armani, Francis Ford Coppola, Bill und Melinda Gates, Paris Hilton – alle waren hier. Besonders über Weihnachten und Silvester zieht Careyes eine eingeschworene bunte Gemeinschaft an, viele von ihnen Europäer. Einige buchen schon bei der Abreise im Januar fürs nächste Jahr, sagt Filippo, spätestens aber bis Juli, danach wird es knapp. Gleich neben Careyes liegt das Resort „Cuixmala“, das der alte Brignone-Freund James Goldsmith gebaut hat, nachdem er so oft in Careyes war. Einige Jahre knirschte es zwischen den Familien, die plötzlich Konkurrenten waren, schwer, nun aber bemühen sich beide Seiten. Die Gäste an beiden Orten ähneln sich, viele kennen sich oder sind nach zwei Abenden neue beste Freunde, alle hier sind eine große Dolce-Vita-Familie, irgendwo ist immer eine Cocktail- oder Dinnerparty. Vor dem Hauptstrand Playa Rosa schaukeln kleine Bötchen in der halbrunden Bucht – keine Superyachten. Man hört Unterhaltungen in einem halben Dutzend Sprachen, begleitet von den Wellen, die an die Felsen donnern; an manchen Abenden gibt es am Strand Lagerfeuer. Für Mobiltelefone gilt: abschalten, verstecken oder verlieren. Ein ungeschriebenes Careyes-Gesetz. Filippo sagt nicht direkt, dass sie es verbieten, er formuliert es so: „Es ist ein natürlicher Instinkt, den wir fördern.“ Er leitet die Careyes-Stiftung für Umwelt, Kunst und Bildung, sie kümmern sich hier auch um die Nachbarskinder, unterrichten wöchentlich Englisch an elf Grundschulen. Es gibt ein Film-, Musik- und Kunstfestival („Invitation only“), Weltklasse-Polo mit Turnieren von November bis April, seit zwei Jahren auch das Musikfestival „Ondalinda“. Careyes erweitert sich organisch. „Ein Ort, der nicht wächst, stirbt“, sagt Filippo, „einer, der zu schnell wächst, auch.“ Sein Vater hat um Felsbrocken und Bäume herum gebaut – und eben auch: vieles nicht gebaut, so soll es bleiben. Er selbst lebt im „Tigre del Mar“, einem Haus mit einer Holzleiter, die weit über das Dach hinaus in den Himmel führt. Auf der obersten Sprosse begrüßt eine Tequila-Flasche die Götter. Oder wer da sonst kommen mag.

IssueGG Magazine 01/18
City/CountryCareyes/ Mexico
PhotographyCareyes
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