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Grandezza mit weitem Elbblick by Uta Abendroth | 1. Juni 2018 | Prime Properties

Die Villa Jako ist eines der eindrucksvollsten Bauwerke in Hamburg. Berühmt geworden als die Villa, die einst Karl Lagerfeld gehörte, in den Zwanzigerjahren zwischen Süllberg und Kiekeberg errichtet, erinnert sie an eine römische Villa mit spektakulärer Aussicht.

„Der Nebel, der Wind, die verschleierte Aussicht durch die Tüllgardinen auf die Elbe und die Sirenen der Schiffe. Für mich ist das Hamburg“, so erinnert sich Karl Lagerfeld an seine Kindheit. Einen Nachhall dieses Empfindens verspürte der bedeutendste Modeschöpfer Deutschlands in der „Villa Jako“ im Blankeneser Treppenviertel, die er 1991 erwarb. Doch schon 1998 trennte er sich wieder von seinem Hamburger Besitz mit der Feststellung: „An der Elbe kann man nicht wohnen. Da tut man nichts, als auf die Elbe zu gucken – da wird man faul.“ Die einzigartige Immobilie, die in der Wohnstraße Wilmans Park liegt, mit maximaler Privatsphäre auf einem fast 12.000 Quadratmeter großen Hanggrundstück, fand schnell einen neuen Besitzer. Und das war in ihrer neunzigjährigen Historie eigentlich immer so. Zu Beginn der Zwanzigerjahre ließ sich der hanseatische Schiffsversicherer Hermann Witte die Villa von Walther Baedeker errichten. Der Architekt, Sohn des Reiseführer-Verlegers, hatte zwischen 1908 und 1930 diverse Landhäuser in Blankenese gebaut und galt als gefragter Mann in bürgerlichen Kreisen. Für den Junggesellen Witte entwarf er zunächst ein eher kleines Haus, 1924 wurde die damals noch eingeschossige Villa im neoklassizistischen Stil fertiggestellt. 1927 erwarb der Rechtsanwalt Alfred Schüler das Anwesen am Elbhang. Da er mit seiner Familie mehr Platz benötigte, ließ er das Haus von Baedeker aufstocken. Bis 1987 blieb die sogenannte „Villa Schüler“ im Familienbesitz, der nachfolgende Eigentümer Lagerfeld taufte das Bauwerk in „Villa Jako“ um, zu Ehren seines verstorbenen Freundes Jacques, und beauftragte die Kunstrestauratorin Renate Kant, die in Hamburg schon im Rathaus und in der Mellin Passage so einiges aufgefrischt hatte, mit der Restaurierung.

Ein schmaler Weg führt zu der denkmalgeschützten Villa. Er endet, leicht abfallend, zunächst vor einem dreiteiligen Portal, das keinen Blick auf das Haus dahinter zulässt, ja, nicht einmal ein solches Anwesen auf der Rückseite vermuten lässt. Erst wenn man das eindrucksvolle Tor passiert hat, blickt man auf die eigentliche Fassade des noch etwas tiefer liegenden Gebäudes mit seinen zwei ionischen Säulen. Im Eingangsbereich offenbart sich schließlich die Besonderheit des Baus, der sich stilistisch an einer römischen Villa orientiert: Alles dreht sich um die perfekte Symmetrie und ein Raumgefühl, das von Großzügigkeit geprägt ist – und von der traumhaften Aussicht über den terrassierten Garten hinweg auf die Elbe. Der Vorraum öffnet sich zu einem zentralen offenen Raum mit einem in den Boden eingelassenen Wasserbecken (derzeit ist es abgedeckt, ein Tisch steht darauf). Den Römern diente das sogenannte Impluvium als Auffangbecken für Regenwasser, hier ist es ein dekoratives Element, das das etwas größere Becken des Gartens „spiegelt“. Vom Atrium öffnen sich rechts und links zwei Räume, die Küche gen Westen, ein als chinesischer Salon hergerichtetes Zimmer gen Osten. Daran schließt sich ein Bad an, das Karl Lagerfeld von der französischen Designerin Andrée Putman ausstatten ließ. Über der Halle wölbt sich eine verglaste Kuppel, die das Tageslicht sanft in das Innere strömen lässt. Durch die mittige Halle betritt man das über 80 Quadratmeter große Wohnzimmer, das die gesamte Breite des Hauses einnimmt und sich – dank drei bodentiefer Rundbogenfenster – zum Garten hin öffnet. Die mit Blattgold verzierte Kassettendecke des Saals ist ebenso original wie der hochwertige Fischgrätparkettboden. Die fast sechs Meter hohen Wände ließ Lagerfeld in den Neunzigerjahren bemalen, und so ist der Eindruck nicht eben klassisch, sondern eher eklektisch. Von der Südterrasse, wo vier dorische Säulen aus Muschelkalk das Gebälk und den Treppengiebel tragen und die Abgüsse antiker Statuen als Abschluss dienen, schweift der Blick über den mit Mosaiken gefliesten Boden auf die Elbe. Der Park ist terrassenförmig gestaltet, über Steinstufen führt der Weg zu Rosen-, Barock- und Biedermeiergärten, einem Fliederhain und einem Bassin mit Springbrunnen. Konsequent wurde bei der gesamten Anlage eine Achse aufgenommen, die in ihrer Verlängerung den unverbaubaren Blick zwischen Süllberg und Kiekeberg auf den Fluss öffnet.

So repräsentativ das großzügig dimensionierte Parterre ist, so intim und gemütlich wirkt die erste Etage, obwohl sie immerhin rund 127 Quadratmeter Wohnfläche umfasst. Drei Schlafzimmer mit angeschlossenen Bädern sowie ein Ankleidezimmer gruppieren sich um die offene Galerie, die den Raum zwischen Oberlicht und Atrium einnimmt. Bücherborde verwandeln den eigentlichen Durchgangsbereich in eine Bibliothek, samtene Vorhänge kreieren eine behagliche Atmosphäre. Von hier oben blickt man aus den Fenstern auf kasemattenartige Gänge, sogenannte Haw-Haws, die das Hanggrundstück in ostwestlicher Richtung durchziehen und ursprünglich dazu dienten, Wild von dem künstlich angelegten Park fernzuhalten. Im Souterrain, das ursprünglich nur von außen zugänglich war und erst seit Ende der 1990er-Jahre durch eine innen liegende Treppe zu erreichen ist, befinden sich weitere Räume, die sich als Kinder-, Gäste- oder Hobbyzimmer eignen, sowie eine Einliegerwohnung mit separatem Eingang. Darüber hinaus finden sich dort Lager- und Abstellräume sowie die Haustechnik. Die „Villa Jako“ ist ein eindrucksvolles Bauwerk, das seinen besonderen Reiz Kontrasten verdankt. Nicht nur denen im Haus und auf dem Grundstück, sondern auch denen der Umgebung: In Blankenese verbinden Treppen und verwinkelte Pfade kleine Fischerkaten mit herrschaftlichen Anwesen, die den zur Elbe hin abschüssigen Geestrücken überziehen. Groß und Klein ergänzen sich hier, Weite und Intimität ebenso. Karl Lagerfeld hat dem Haus auf seine Art ein Denkmal gesetzt: Unter dem Namen „Jako“ brachte er 1998 einen neuen Herrenduft heraus und fotografierte die Anzeigenmotive auf der Säulenterrasse des Anwesens, zudem veröffentlichte er Ansichten und Details in einem Buch. Das „New York Times Magazine“ würdigte die Villa mit dem Kompliment, es sei das schönste Haus, das Lagerfeld je kreiert habe.

 

Kontakt:

Hamburg-Elbe (DE) Engel & Völkers Immobilien GmbH – Lizenzpartner der Engel & Völkers Residential GmbH

TEL.: +49 40 866 06 50 E-MAIL: elbe@engelvoelkers.com

IssueGG Magazine 03/18
City/CountryHamburg/ Germany
PhotographyMark Seelen
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