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M wie Montblanc by Siems Luckwaldt | 1. Juni 2018 | Personalities

Der Name lässt es kaum vermuten, aber die edelsten Schreibgeräte der Welt kommen aus Hamburg. Vor 112 Jahren wurde das Traditionsunternehmen in der Hansestadt gegründet, bis heute werden die berühmten Füllfederhalter ausschließlich hier gefertigt. Mit perfekt aufeinander abgestimmten Produktionsschritten und strengen Qualitätskontrollen.

Fast jede Woche pilgern sie in Hamburgs Nordwesten – leidenschaftliche Montblanc-Sammler, auch ganze Reisegruppen. Um mit eigenen Augen zu sehen, wie viel Sorgfalt und Expertise in jedem Schreibgerät steckt, das nach zig Qualitätskontrollen seine Karriere beginnt. Es sei denn, in einem schlichten rechteckigen Raum läuft es nicht rund: Im „Schreibzimmer“ nämlich prüfen Mitarbeiterinnen durch das Schreiben der immer gleichen Unendlichkeits-Acht die Federn jedes Füllhalters auf störende Papierreibung und kratzende Missklänge. Meist mit unsichtbarer Tinte, weil farbige Pigmente kaum mehr aus den filigranen Verzierungen auf der Federoberseite zu entfernen wären. Hier spielt, neben dem Edelharzkorpus und dem Stück zwischen Füllkopf und Schaft, die Musik der Schriftkunst: Auf die perfekte Feder kommt alles an. Von der Iridium-Kugel, die später über das Papier gleitet, bis zum Herzloch, alles aus 18 Karat Gold. Perfektion en miniature, erreicht in 35 exakten Produktionsschritten. Wieder und wieder, seit 112 Jahren.  Die Idee, auslaufsichere Füllfederhalter herzustellen, hatten zunächst ein Hamburger Bankier und ein Berliner Ingenieur. Nach kurzer Zeit übernahmen drei ebenfalls hanseatische Geschäftspartner die junge Firma, die damals „Simplo Filler Pen Co.“ hieß: der Schreibwarenhändler Claus-Johannes Voss, der Bankier Christian Lausen und der Ingenieur Wilhelm Dziambor. Der Grundstein für das Welt-Unternehmen aus Deutschland war gelegt. Das ehrgeizige Trio taufte die Hamburger Firma 1910 auf Montblanc. Der Legende nach kamen die Unternehmer bei einer feucht-fröhlichen Partie Skat auf diesen Namen: der höchste Berg der Alpen und höchste Handwerkskunst bei Schreibgeräten – das passte doch. Die sechs Gletscherzonen auf dem Montblanc-Gipfel steuerten das ikonische Markensymbol bei, den abgerundeten weißen Stern. Das Debüt-Modell „Rouge et Noir“ wurde ab 1919 in einer ersten Hamburger Boutique verkauft. Seit 1924 prangt die Gipfelhöhe von 4.810 Metern als Gravur auf der Feder jedes „Meisterstücks“, dem wohl berühmtesten Füllfederhalter der Welt.

Heute ist die Montblanc-Filiale am eleganten Neuen Wall in Hamburgs Innenstadt eine der umsatzstärksten weltweit. Ein lukratives Heimspiel, könnte man sagen. Denn obwohl man Teil der Luxusholding Richemont sei, betont Oliver Goessler, Managing Director Northern Europe, würden die Geschicke von Montblanc weiterhin maßgeblich in Hamburg bestimmt. „Unsere historischen Wurzeln liegen hier, aber auch unsere Werte, unser Bekenntnis zu Handwerkskunst und Qualität ist hier verankert. Denen bleiben wir treu. Auf unsere Produkte ist damals wie heute Verlass. Schnelllebige modische Trends sind nicht unser primäres Interesse. Auch das ist vielleicht in den Augen anderer ein Stück weit deutsch.“ Ein Drittel der weltweit rund 3.000 Mitarbeiter sitzt in Hamburg. Auch Montblanc-CEO Nicolas Baretzki betont, wie wichtig die Hansestadt für die DNA der Marke ist. Für ihn ist es daher Ehrensache, sich unermüdlich für den Status Hamburgs als kultureller Fixpunkt zu engagieren. Etwa mit dem Montblanc-Haus, das ab 2020 den Firmensitz ergänzen wird. Mit einer faszinierenden Melange aus Museum der Schriftkunst, Montblanc-Geschichte und einer ständigen Ausstellung der eigenen Kunstsammlung. Auf über 2.900 Quadratmetern, entworfen von dem renommierten Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos.

Die Bewahrer der Schriftkunst bemühen sich ständig, Schritt zu halten mit der Zukunft. Etwa mit der modernen Ästhetik der „StarWalker“-Kollektion mit ihrer transparenten Kappenspitze oder Innovationen wie dem Augmented Paper, bei dem ein Schreibblock handschriftliche in digitale Notizen verwandelt. Außerdem im Portfolio: der „Monte Celio“, mit 2,4 Millionen Euro das teuerste Schreibgerät der Welt. Besetzt mit einem Diamanten, Brillanten und Saphiren. Hinzu kommen immer neue Special Editions zu Ehren berühmter Persönlichkeiten wie John F. Kennedy, den Beatles, Marilyn Monroe, Andy Warhol oder Antoine de Saint-Exupéry. Auch den bedeutendsten Kunstförderern der Historie widmet man spezielle Modelle, etwa Lorenzo de‘ Medici oder Peggy Guggenheim. Bei so viel Einfallsreichtum und Liebe zum Detail wundert es nicht, dass auch in der Internet- und Smartphone-Ära etwa 40 Prozent des Umsatzes mit Schreibgeräten gemacht wird, erst danach tauchen in der Bilanz andere Bereiche auf: etwa Lederwaren aus der eigenen Manufaktur bei Florenz und das Uhren-Segment mit Linien wie „TimeWalker“ und der ersten Smartwatch mit dem passenden Namen „Summit“. Sämtliche Zeitmesser werden im Schweizer Le Locle und in Villeret konzipiert und gebaut, seit 2008 besitzt Montblanc zudem komplett in-house gefertigte Uhrwerke. In einer „Made in Germany“-Ausgabe muss die Frage erlaubt sein, ob man etwa die Füllfederhalter nicht auch in China produzieren könnte. Oliver Goessler antwortet deutlich: „Das könnte man, vermutlich sogar absolut hochwertig. Wichtiger ist aber die Überlegung, ob Montblanc es tun sollte. Und darauf sage ich ganz klar: nein. Das würde die Erwartungen unserer Kunden nicht erfüllen und ein Versprechen brechen.“ Gefertigt werden die Schreibgeräte ausschließlich in Hamburg. Begeistert ist man in der Maison Montblanc von Markenbotschafter Hugh Jackman, der gerade als legendärer Zirkusdirektor P. T. Barnum im Kino zu sehen ist – samt einem extra für den Film entwickelten Montblanc-Schreibgerät. „Er passt wie kein zweiter Hollywoodstar zu uns“, sagt Goessler. „Jackman strahlt Seriosität und eine gewisse Seniorität aus, er ist erfolgreich, vielseitig talentiert und auch noch gut aussehend.“ Dank der Blockbuster-Reihe „X-Men“ erreicht er mehrere Generationen, wobei das Schlagwort „Millennials“ Goessler nicht nervös macht. „Das Meisterstück gibt es seit über 90 Jahren, es überzeugte also etliche Generationen. Unser Altersmix ist sehr divers.“ Unaufgeregt, verlässlich und nicht bei jedem Hype sofort dabei – diese Attribute, die auch das Management von Montblanc beschreiben könnten, sind in den Augen manches Beobachters vielleicht typisch deutsch. Wer nicht weiß, wofür er steht, schreibt selten Geschichte. Apropos: Welche Schriftstücke hütet Oliver Goessler eigentlich wie einen Schatz? „Frühere Briefe meiner Frau an mich und ein Tagebuch meines Großvaters.“

IssueGG Magazine 03/18
City/CountryHamburg/ Germany
PhotographyMontblanc