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P wie Porsche by Bastian Fuhrmann | 1. Juni 2018 | Personalities

Keiner baut zeitlosere und begehrtere Sportwagen als das Unternehmen aus Stuttgart-Zuffenhausen. Porsche ist zum weltweiten Synonym für Schnelligkeit, Stil und Qualität geworden. Bis auf den Hundertstelmillimeter nimmt man es hier genau – und produziert so Wagen mit Sexappeal und Persönlichkeit.

Sommer 1948, aus einem ehemaligen Sägewerk im österreichischen Gmünd entlässt eine kleine eingeschworene Mannschaft aus Ingenieuren und Mechanikern unter der Führung von Ferdinand „Ferry“ Anton Ernst Porsche ein einzigartiges Automobil in die Welt: den Porsche 356. Vier Jahre nach ihrer Flucht aus dem kriegsgebeutelten Stuttgart steuern sie den kleinen Sportwagen direkt in die Herzen der Menschen. Das freundliche Gesicht des 356, seine schwungvolle Silhouette und das markante Motorengeräusch fallen nach dem Kriegstrauma vergangener Tage jedem auf. Der Porsche 356 war schnell und sorgte viele Jahre lang für überraschende Motorsportmomente. Seine Konstruktionsweise und Leichtigkeit waren im Vergleich zu seinen Mitstreitern der entscheidende Vorteil. Schon bald fuhr der kleine wendige Porsche allen hubraumgrößeren Rennwagen davon. Ende der 50er-Jahre waren die technischen Potenziale des 356 jedoch zunehmend ausgeschöpft. Ein ebenbürtiger Nachfolger musste her. Zurück in Stuttgart präsentiert Porsche im Jahr 1963 schließlich den legendären 911 – kein anderes Automobil hat die Welt so nachhaltig erobert wie dieser Alleskönner. Das einzige Fahrzeug, mit dem man laut Ferry Porsche von einer afrikanischen Safari nach Le Mans, dann ins Theater und anschließend auf die Straßen von New York fahren kann. Der Designer Ferdinand Alexander Porsche, Ferry Porsches erstgeborener Sohn, schuf mit dem 911 eine Formsprache, deren Design-DNA sich bis zum aktuellen Modell eindeutig entschlüsseln lässt. Er kreierte einen Typ für die Ewigkeit. Dem ersten 911 folgten auch mal für Porsche eher ungewöhnliche Fahrzeugkonzepte wie der 928 mit V8-Frontmotor, der Boxster und sogenannte „Einstiegs-Porsches“ oder das erste Porsche-SUV, der Cayenne. Mehr als zwei Drittel aller jemals gebauten Porsches fahren noch heute: Das ist ein unschlagbarer Qualitätsnachweis, der auf den Straßen erlebbar ist – und nicht gedruckt, auf einer gerahmten Urkunde in irgendeinem schicken Foyer. Porsches Detailbesessenheit zieht sich durch sämtliche Abteilungen. Mechaniker können seit Kurzem einen Motor sowohl in der Höhe verstellen als auch um 360 Grad drehen. Der Motor ist das Herz eines Porsches – und Chirurgen arbeiten nun mal nicht gern über Kopf.

Das Qualitäts- und Analysecenter des Unternehmens ist klinisch sauber und in Weiß gehalten. In einem Bereich, wo das bloße Auge keine Unstimmigkeiten an der Fahrzeugoberfläche mehr wahrnimmt, setzt Porsche Lasertechnik und jüngst auch Augmented Reality ein, den neuesten digitalen Schrei. Beide Systeme erkennen Abweichungen von Millimeterbruchteilen. Bei Porsche befindet sich so die Messgenauigkeit aktuell im Hundertstelmillimeterbereich. Karosserieauditoren ertasten mit ihren Händen, was eine Maschine noch nicht zu leisten vermag, ob Haptik verschiedener Oberflächen und das Fugenbild stimmen. Sogar das Porsche-Wappen wird einem Klimawechseltest ausgesetzt. 475 Roboter und rund 190 speziell qualifizierte Mitarbeiter sind am Ende zusammen für den Bau einer Karosserie zuständig. Es ist der wohldosierte Einsatz, die perfekte Mischung von Mensch und Maschine. Intern agiert der Weltkonzern kurz vor seiner nächsten Evolutionsstufe, der Elektrifizierung, dennoch überraschend traditionell: Der Mitarbeiter steht nach wie vor im Mittelpunkt. Porsche setzt Robotik nur dann ein, wenn es auf absolute Wiederholgenauigkeit ankommt. Auch wenn der technische Fortschritt den Stuttgarter Alltag bestimmt, gilt hier doch immer: so viel Mensch wie möglich, so wenig Robotik wie nötig. Diese Genauigkeit zahlt sich aus: Kürzlich wurde der einmillionste 911 produziert, 2017 wurden insgesamt 246.375 Porsche-Fahrzeuge weltweit ausgeliefert. Trotzdem, die Sportwagenfirma prüft sich immer wieder aufs Neue. Ähnlich wie ein Hochleistungssportler, der sich im Wettbewerb ständig neu messen muss. Der Motorsport gehört folglich fest zum Erbgut der Marke. Seit Bestehen überträgt Porsche technische Neuentwicklungen aus sportlichen Dauereinsätzen in die Serienproduktion. Nicht aus Selbstzweck, eher aus obsessiver Perfektion – und aus Leidenschaft zum Sport. Der Sieger eines Rennens ist somit immer auch der private Porschefahrer. Dass sich das Zündschloss in einem Porsche nach wie vor links befindet, rührt zum Beispiel aus früheren Motorsportzeiten: In den 60er-Jahren rannte der Pilot von der Boxengasse aus noch zu seinem Auto auf der Startbahn, sprang hinein – und gleich links neben dem Lenkrad ließ es sich einfach am schnellsten zünden. Talentierten Rennfahrern verhelfen die Qualitäten eines Porsche manchmal sogar zu Ikonen zu werden: Jacky Ickx, Derek Bell, Hans Herrmann oder Walter Röhrl, um nur einige zu nennen. Und selbst die direkten Nachkommen Ferry Porsches zieht es seit den 60er-Jahren ganz regelmäßig in die Boxengassen internationaler Rennveranstaltungen, wie zum Beispiel beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans in Frankreich. Motorsport, das ist auch eine Familienfeier. Keine andere Automobilmarke kann mehr Siege verzeichnen als das Unternehmen mit dem Pferde-Wappen.

Die Rennsportszene ist zugleich ein Magnet für Porsche-Fans aus aller Welt. US-Schauspieler und Stilikone Steve McQueen verfilmte das Rennspektakel von Le Mans sogar. Der King of Cool wurde beim Anblick eines Porsche schnell schwach und besaß gleich mehrere Modelle. Wenn er nicht gerade auf dem Hinterrad seiner Triumph durch die kalifornische Mojave-Wüste donnerte oder vor der Kamera stand, traf man McQueen immer öfter im Cockpit eines seiner Sportwagen aus Zuffenhausen an. Er fuhr sogar Autorennen auf Porsche und war für die Marke in den wilden 70er-Jahren wohl so etwas, was man heute einen Markenbotschafter oder Influencer nennt. Nur cooler. Porsche ist aus dem automobilen Kosmos nicht mehr wegzudenken. Viele schauen zu der Sportwagenfirma auf, selbst ist die Marke aber auf dem Boden geblieben. Sie ist sich treu und hat ihre Wurzeln nicht vergessen. Dies beweist das zeitlose Design des Porsche 911 – und die gelebte Menschlichkeit des Unternehmens. Werte, die Ferry Porsche seinen Nachkommen mit auf den Weg gegeben hat. Auch wenn die Familienmitglieder nicht mehr im operativen Geschäft tätig sind, Wolfgang Porsche, der jüngste Sohn Ferrys, hält den Vorsitz des Aufsichtsrats inne. Er ist das Gesicht der Marke. Was aber macht am Ende einen Porsche aus? Was macht ihn einzigartig? Das Fahrerlebnis? Die Ästhetik des Designs? Der Standort Zuffenhausen und die weitreichenden Wurzeln der Eigentümerfamilie? Der Mythos Rennsport, der in einem Porsche auf der Straße weiterlebt? Nichts von all dem allein. Alles in der Summe. Was aber wird der künftige Auftrag des Sportwagenherstellers sein, der in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert? Man könnte es vielleicht so sagen: Dr. Ing. h.c. F. Porsche – Spezialist für Herzensangelegenheiten.

IssueGG Magazine 03/18
City/CountryGmünd/ Austria
PhotographyDelius Klasing Verlag Bielefeld „70 Jahre Porsche Sportwagen“
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