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Skulpturen für Küche und Bad by Uta Abendroth | 23. November 2018 | Offices

Das Mailänder Unternehmen Boffi produziert Küchen, die als Statussymbole gelten, seit über 80 Jahren schon. Im einzigartigen Design verbinden sich Technik und exklusive Wohnlichkeit. Seit 2015 gehört De Padova mit zur Marke und damit zahlreiche Möbelklassiker.

Ich würde sagen, unsere Möbel sind vor allem emotional“, sagt Roberto Gavazzi. „Selbstverständlich spielt der Nutzen eine große Rolle, schließlich verkaufen wir mit unseren Küchen äußerst funktionale, technisch hochentwickelte Produkte. Aber vielleicht ist gerade deshalb der emotionale Aspekt so wichtig – immerhin schaffen sich Kunden eine Küche an, die sie im Schnitt 20 Jahre benutzen werden.“ Gavazzi ist seit 1989 Gesellschafter und Geschäftsführer von Boffi. Seitdem hat sich die High-End-Marke zu einem Global Player entwickelt. Das war zu Beginn nicht wirklich absehbar: Die ersten Küchen baute Unternehmensgründer Piero Boffi 1934 in einer kleinen Tischlerei. Kurz nach dem Krieg, 1947, wurde die erste Boffi-Fabrik in Lentate sul Seveso nahe Como gebaut.

Die drei Söhne Dino, Pier Ugo und Paolo übernahmen die Firma und sorgten dafür, dass das Label „Made in Italy“ zu einer echten Größe wurde. Bereits 1954 kam mit der „Serie C“ von Asti, Favre und Boffi die erste farbige Küche aus Polyester auf den Markt, 1963 kreierte Joe Colombo mit der „Minikitchen“ einen Küchen-Designklassiker für die Ewigkeit, an dem sich aktuelle Varianten mobiler Küchen immer noch messen lassen müssen.

Als Roberto Gavazzi, der Ex-Olivetti-Manager, Ende der Achtzigerjahre von Paolo Boffi engagiert wurde, galten die Küchen der Firma, darunter Antonio Citterios Hightech-Modell „Factory“ von 1980, längst als der Rolls-Royce des Segments. Doch fehlten damals das Know-how im Management und Geld, um weiter wachsen zu können. Paolo Boffi, Roberto Gavazzi und Art Director Piero Lissoni, aus dessen Studio immer noch die meisten Boffi-Entwürfe stammen, begannen an Ideen zu arbeiten, um die Marke weiterzuentwickeln. Heute gehören zu deren Kollektion auch Badeinrichtungen und Systemmöbel. Die drei reisen viel, lassen sich von Kunst, Restaurants, Mode und Filmen inspirieren. Und sie engagieren für ihre Projekte das Who’s Who der Design-Szene: Claudio Silvestrin, Naoto Fukasawa, Patricia Urquiola, Ludovica und Roberto Palomba, um nur einige zu nennen.

Boffis Erfolg wurde durch einen der Architekturtrends der letzten Jahre befeuert: Räume fließen immer öfter ineinander, und so wandelten sich Küchen zum wichtigen Teil des Wohnraums. Die maximal minimierten, extrem stylischen Modelle aus Lentate avancierten zu Statussymbolen. Die Herausforderung für die Designer liegt darin, Technik und Funktionalität mit Wohnlichkeit zu vereinen. Aus diesem Grund gibt es Fronten aus weißem Carrara-Marmor ebenso wie solche aus dem dunklen Stein Pietra d’Avola, aus Nussbaum, Mooreiche, Zement und Metall. Flexibilität ist das Thema. Wer seine Produkte weltweit verkaufen will, muss verschiedene Geschmäcker bedienen können. Und auch speziellste Wünsche erfüllen, etwa die nach einer professionellen Außenküche oder einer „nicht sichtbaren“ Küche.

Norbert Wangen verkaufte sein Unternehmen 2003 an Boffi, der Deutsche ist aber nach wie vor als Designer für die Italiener tätig. Seine Spezialität: Die Küchen „K5”, „K6“ und „K2.2“ sind Kuben, deren Arbeitsplatten gleichzeitig als Deckel fungieren und bei Nichtgebrauch das Kochfeld und die Spüle samt Armatur verbergen. Weniger Küchenlook geht nicht. Mehr Funktion auch nicht.

Mit rund 1.500 verkauften Exemplaren pro Jahr entfallen auf Küchen 71 Prozent des Boffi-Gesamtumsatzes von 91,1 Millionen Euro. Warum also noch Bäder und Systemmöbel? „Bäder und Küchen kauft man mehr oder weniger zur gleichen Zeit, nämlich dann, wenn man ein Haus baut“, so Roberto Gavazzi. „Möbel wählt man spontan aus, Küche und Bad nicht. Für die Auswahl nehmen sich Leute ausgiebig Zeit und sind bereit, viel Geld zu bezahlen, wenn sie dafür etwas Perfektes bekommen. Das Gleiche gilt für die Garderoben und Schränke, die wir produzieren.“ Um das Portfolio strategisch günstig zu erweitern, erwarb Boffi 2015 das Unternehmen De Padova – immerhin kaufen Kunden schneller einen Stuhl, ein Sofa oder einen Tisch. Wiederum spielt das Konzept vom offenen Wohnen die entscheidende Rolle: Nun kann Boffi alle Bereiche bedienen, zumal De Padova 2017 75 Prozent an dem dänischen Start-up MA/U Studio erwarb, das Regale und Tische für den Home- und Office-Bereich produziert.

De Padova war 1956 von Maddalena und Fernando De Padova gegründet worden; sie brachten die nordischen Klassiker von Alvar Aalto und Arne Jacobsen nach Italien. Es folgten Kooperationen mit Charles und Ray Eames, George Nelson, Dieter Rams und schließlich den ganz Großen aus Mailand wie Achille Castiglioni, Vico Magistretti und Michele de Lucchi. Nicolò Gavazzi, der bei seinem Eintritt ins Unternehmen zunächst drei Jahre für Boffi in Asien und Neuseeland tätig war, kümmert sich nun um das Label De Padova, das in Italien einen ganz besonderen Stellenwert genießt. Er sagt: „Die Stile beider Marken ergänzen sich perfekt. Beide Unternehmen spielen im Kontext des italienischen Designs eine sehr wichtige Rolle, und nun können wir den Kunden Gesamtlösungen anbieten. Das komplettiert auch den Look unserer Showrooms.“

IssueGG Magazine 01/19
City/CountryItaly
PhotographyTommaso Sartori, Gianluca Vasallo