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Tüftler-DNA by Esther Strerath | 6. Dezember 2019 | Personalities

James Dyson hat den Staubsauger revolutioniert – sein Einfallsreichtum machte ihn zum erfolgreichsten Erfinder unserer Zeit. Gemeinsam mit Sohn Jake führt er sein Unternehmen in eine automatisierte Zukunft. Er setzt auf Roboter und künstliche Intelligenz.

Alltag, anders: Der Mann erfand den beutellosen Staubsauger und verlieh so häuslichem Reinemachen futuristisches Flair, seine Handrockner hängen in öffentlichen Waschräumen auf der ganzen Welt, aus Fönen machte er Wunderwerke der Technik. James Dyson, der innovativste Unternehmer Großbritanniens, ist ein Tausendsassa. Ähnlich sein Sohn Jake. Misserfolge sind für beide ein Teil des Spiels. Denn, so die Firmenphilosophie: Nur aus Fehlern kann man lernen. Im Oktober musste Dyson sein bisher größtes Projekt stoppen – ein komplett selbst entwickeltes Elektroauto, ein Gefährt, wie es nie zuvor eins gab, in zwei Jahren sollte es auf den Markt kommen.

Dyson formt die Zukunft, immer schon. Das Unternehmen von Sir James Dyson, 2006 von der Queen geadelt, ist vom Staubsaugerhersteller zu einem Technologiekonzern gewachsen: Mit mehr als 60 Produkten generierte er 2018 einen Umsatz von 5,8 Milliarden US-Dollar. Dabei behauptet der Selfmade-Milliardär gern: „Ich bin kein Geschäftsmann.“

Ein Langstreckenläufer aber war er bereits als Schüler. „Ich war ziemlich gut. Nicht, weil ich physisch besser war, sondern weil ich entschlossener war. Ich habe Entschlossenheit gelernt“, erklärt der jungenhafte Engländer (und siebenfache Großvater) in seiner Autobiografie. Seit 2015 ist sein ältester Sohn Jake, inzwischen Direktor für Forschung und Entwicklung, in der Firma an seiner Seite. Schon als Kind half er in den Ferien beim Bau von Prototypen, heute attestiert ihm sein Vater mehr Erfindungsgeist, als er selbst ihn habe. Beider Werdegang weist starke Parallelen auf.

James Dyson wollte ursprünglich Arzt oder Künstler werden. Auf Anraten eines Mediziners entschied er sich für Kunst, studierte an der Byam Shaw School und landete danach am Royal College of Art, Studienzweig Produktdesign. Jake Dyson studierte am Central Saint Martins College Design. Seine Abschlussarbeit war ein Wassersystem, das Strom erzeugte. Sein Vater hatte mit einem Entwurf für ein Highspeed-Landeboot aus Fiberglas abgeschlossen.

„Ich hasse Science Fiction. Ich finde es nicht besonders clever, sich vorzustellen, wie die Welt sein könnte.“ JAMES DYSON

Danach entwickelte Dyson senior eine Schubkarre mit einem Ball anstelle eines Rads. Die Idee erleichterte das Herumschieben in alle Richtungen, doch Dyson fand keine Produzenten. Sein zweiter Versuch sollte ein Staubsauger sein, wie es noch keinen gab: ohne Beutel nämlich. Ganze 5.127 Prototypen baute er in den 80er-Jahren in einem Schuppen hinter seinem Haus, Ehefrau Deirdre hielt die inzwischen fünfköpfige Familie mit ihrem Job als Kunstlehrerin über Wasser. Doch wieder fand sich kein Hersteller. Auf die Einnahmequelle mit Staubtüten mochte damals noch niemand verzichten.

Bei Jake war es ähnlich. Nachdem er sich in der Londoner Interior-Szene ausprobiert hatte, Bars und Cafés gestaltete, war er Ende der 90er-Jahre dem Ruf des Vaters gefolgt. Aber: „Es war, wie wieder zu Hause einzuziehen“, hat er mal gesagt. Also mietete er ein Studio im Londoner Stadtteil Clerkenwell, tüftelte mit Licht und gründete 2004 eine Leuchtenfirma unter seinem Namen. Das Besondere: Dank einer speziellen Kühlkonstruktion erhitzen die LEDs nicht und erreichen so eine Lebensdauer von 35 bis 40 Jahren. Großen Herstellern erschloss sich der Vorteil nicht. Wie bei den Staubsaugerbeuteln lief doch das Geschäft mit dem Verkauf von LEDs zu gut. 2011 stellte er eine Serie in minimalistischer Form und mit schwenkbaren Lichtköpfen vor. „CSYS“ wurde international erfolgreich. So sehr, dass Vater James die Firma im Jahr 2015 erwarb. Das konnte er leicht. Die Sache mit dem beutellosen Sauger war schließlich bestens ausgegangen – Dyson hat Milliarden damit verdient. Er hatte sich das Startkapital geliehen und einfach selbst gebaut. Eine kleine, japanische Firma orderte als erste und rettete ihn vor dem Bankrott. Mit den ersten Einnahmen gründete er 1991 seine eigene Firma. 18 Monate später war sein „DC 01“ der meistverkaufte Sauger Großbritanniens.

„Mein Vater geht nirgendwohin. Er wird hier sein, bis er 100 ist.“ JAKE DYSON

Inzwischen produziert er in Asien, lebt in Singapur in einem gigantischen Penthouse mit Rundum-Panorama. Dass der Brexit- Verfechter hier 2019 einen neuen Firmensitz bezog, samt Fertigungsstätten für Haartrockner, Luftreiniger sowie das ursprünglich geplante Dyson-Mobil, sorgte im Königreich für Ungemach. Zu Unrecht. James Dyson investiert jährlich Millionen Pfund in Forschungsprogramme in der Heimat. Sein britisches Headquarter, das er 1993 bezog und das stetig wächst, liegt eineinhalb Autostunden westlich von Oxford. Ausgerechnet hier, im historischen Örtchen Malmesbury, wird in die Zukunft geblickt. Und mehr: Dyson führt dort seit zwei Jahren seine eigene Talentschmiede, das „Dyson Institute“. Hier sitzen derzeit 50 Studierende, die die Theorie gleich an der Seite von rund 4.000 Dyson-Ingenieuren ausprobieren können.

So werden die eigenen Produkte kontinuierlich verbessert, man forscht in alle Himmelsrichtungen – vom Fahrradhelm bis zu Nahrungsquellen. Dyson baut auch Gemüse an und beliefert damit etwa die britische Supermarktkette Waitrose. Denn eigentlich ist die Dyson-Philosophie weniger auf Erfindungen fokussiert als darauf, „Probleme zu lösen“, das betonen Vater und Sohn immer wieder. In Malmesbury erhalten Studenten ein Gehalt, Logie ist umsonst, in einem Hangar kann man seinen Frust über einen gescheiterten Prototyp beim Boxen oder Yoga abbauen. Stünde Sir James Dyson einmal zufällig daneben, würde er wohl sagen: Aus Erfolgen lernt man nichts.

„Um etwas zu reparieren, braucht man eine leidenschaftliche Wut darüber, dass etwas nicht gut funktioniert.“ JAMES DYSON

Kurz: Dyson entwickelt in Großbritannien, gebaut wird in Singapur, Malaysia und auf den Philippinen, den Drehkreuzen seines Hauptabsatzmarkts Asien. In der Nähe vom Firmensitz in Malmesbury hat der Unternehmer ein weiteres Areal gekauft, 210 Hektar groß. Es ist der ehemalige Militärflughafen Hullavington. Dort bastelte man an Prototypen für seinen größten Traum, ein Elektro-Auto. Im Oktober zog Dyson, völlig überraschend, die Notbremse. „Aus“ für das Projekt. Man wolle statt dessen die Bereiche Robotik und künstliche Intelligenz vorantreiben, sagte er. Umsonst war die jahrelange Forschung nicht: Die eigens für das Vehikel entwickelten Feststoffbatterien etwa sollen in anderen Produkten verwendet werden. Früher wurden auf dem Stützpunkt Flugzeuge getestet. Wer weiß, vielleicht bringt das die Dysons auf neue Ideen – mit Luft kennen sie sich aus.

IssueGG Magazine 01/20
City/Country
PhotographyGareth Phillips
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