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Bawah Resort by Irina von Gagern | 4. September 2020 | Travel

Es gibt Zeiten, da reist man besser in Gedanken. Wie gemacht dafür ist ein sehr besonderer Ort: ein Inselparadies im Südchinesischen Meer. Einzigartig einsam und umweltbewusst bis ins Detail. Auch „Social Distancing“ bekommt hier eine völlig neue Qualität – mehr als 70 Gäste dürfen zeitgleich nie auf der Insel sein.

Nachts erwacht der Dschungel auf Bawah zum Leben, und ich lausche einem Konzert der Wildnis.

Bawah ist der Name eines kleinen Archipels im Südchinesischen Meer, das selbst erfahrene Luxusreisende ins Schwärmen versetzt. Auf Indonesisch bedeutet „bawah“ „ganz unten“. Eine geografische Referenz, denn die Insel liegt ganz im Süden der Anambas, einer knapp 300 Eilande zählenden Inselgruppe zwischen Borneo und Malaysia.

Schon der erste Blick auf Bawah ist eine Verheißung. Der Pilot des kleinen Wasserflugzeugs fliegt um die Hauptinsel, um die sich fünf weitere Inseln gruppieren. Ich bewundere den dichten Urwald, die vielen einsamen Strände. Dann setzt er die Maschine auf der glatten Oberfläche der Lagune auf und steuert sie in Richtung des Holzstegs mit den zwei Anlegern, der von oben aussah wie der Schwanz einer Meerjungfrau.

Vor zwölf Jahren entdeckte der britische Unternehmer Tim Hartnoll das winzige Archipel während eines Segeltörns und verliebte sich sofort in dieses unbewohnte Inselparadies mit dem jahrhundertealten tropischen Wald. Der 64-Jährige hat mit Frachtschiffen sein Vermögen gemacht und lebt mit seiner Frau und drei erwachsenen Kindern in Singapur. Er konnte das 300 Hektar große Eiland mit den fünf kleinen Nachbarinseln kaufen.

Was Bawah so einzigartig macht, ist neben der unberührten Natur die riesige Lagune und damit die Möglichkeit, hier mit einem Wasserflugzeug zu landen – fern der Zivilisation und doch bequem erreichbar. Bis aus der verwunschenen Insel ein Ökoresort der Luxusklasse wurde, dauerte es noch sechs Jahre. Denn Bawah liegt mitten in einem Naturschutzgebiet, der Einsatz von schweren Maschinen war tabu. Hartnoll engagierte Sim Boon Yang, einen auf ökologische Bauprojekte spezialisierten Architekten und Designer aus Singapur, der die insgesamt 35 Villen ganz behutsam in die Landschaft einpasste.

Mein Quartier ist eine der 19 „Beach Suites“. Sie kosten 1.855 Euro pro Nacht, je nach Saison auch mehr. Noch exklusiver sind die Wasserbungalows, die bei 2.250 Euro pro Nacht beginnen. Sie stehen auf Stelzen im Wasser, mit einem sagenhaften Blick auf die Lagune. Von der Rezeption führt ein frisch gerechter Sandweg durch den Dschungel. Alle paar Meter baumelt ein liebevoll bemaltes Holzschild mit dem Vornamen eines Gastes an einem Strauch und weist den Weg zu dessen Strandvilla. Sicher nicht konform mit der europäischen Datenschutzverordnung, denke ich mir, um schon im nächsten Moment gerührt zu sein über das IRINA Schild, das mir den Weg zu meinem Strandhaus weist – einer luftigen Bambuskonstruktion unter einem hohen weißen Zeltdach. Die Seitenwände bestehen aus dünnen Jalousien aus Bambusstroh. Über ein paar Bambusstufen gelange ich auf die Veranda. Das Meer liegt nur ein paar Schritte entfernt. Hinter der Veranda verteilen sich auf gut 70 Quadratmetern ein Schlafzimmer und ein wunderschönes Bad. Badewanne und Waschbecken sind handgefertigt aus recyceltem indonesischem Kupfer, was schlicht und elegant aussieht. Umweltschutz ist auf Bawah umfassend, aber unaufdringlich. Gut versteckte Solarpaneele sorgen für heißes Wasser. Regen- und Meerwasser wird zu Trinkwasser aufbereitet und in Flaschen abgefüllt.

Vor meiner Haustür: wagenradgroße Steinkorallen in Pastelltönen und tiefblaue Seesterne.

Ich reise mit leichtem Gepäck. Mehr als 15 Kilo sind für die letzte Etappe im Wasserflugzeug nicht erlaubt. Ein paar Sommerkleider, Bikinis, Turnschuhe, Sandalen und Yogasachen. Die morgendliche Yogastunde am Strand ist im Preis inbegriffen, wie auch die täglichen Spa-Behandlungen, ein Strandpicknick am menschenleeren Coconut Beach und alle Wasseraktivitäten, außer Tauchen.

An der Garderobe wartet ein Strohhut, im Bad steht eine eigens entwickelte korallenfreundliche Sonnencreme neben den üblichen Pflegeprodukten. Die sind hier – der Umwelt zuliebe – in wiederverwendbare Keramikgefäße gefüllt. Auf der Veranda hat jemand eine Schnorchel-Ausrüstung für mich bereitgelegt. Die probiere ich gleich aus und werde reich belohnt: mit wagenradgroßen Steinkorallenin Pastelltönen und tiefblauen Seesternen. Direkt vor meiner Haustür in der Lagune.

Am Abend lockt ein Dinner im Restaurant, zubereitet aus lokalen Zutaten. Neben dem Meerjungfrauensteg erklimme ich mehrere in den Hang gebaute Steintreppen, bis ich ganz oben auf Höhe der Baumwipfel im „Tree Top“ lande, übrigens auch von Sim Boon Yang entworfen. Das Dach besteht aus einem riesigen Schilfgeflecht, es sieht aus wie ein umgedrehtes Vogelnest. Getragen wird es von einer luftigen Bambuskonstruktion, nach drei Seiten offen. Der Blick auf die Lagune ist auch in der Abenddämmerung spektakulär. Die übrigen zwei Dutzend Gäste sind Deutsche, Engländer, Italiener, US-Amerikaner und Asiaten, Alleinreisende und Paare jeden Alters. Der Dresscode ist entspannt. Nachts erwacht der Dschungel auf Bawah zum Leben, und durch die luftige Wand meiner Suite lausche ich einem atemberaubenden Konzert der Wildnis.

Nur Moskitos höre, sehe und fühle ich zum Glück nicht. Teguh Wahyu Pramana, der Chefgärtner von Bawah, zeigt mir am nächsten Morgen ein ausgeklügeltes System, das ohne jede Chemie wirkt: Verschiedene Wasserbehälter animieren Mücken zum Brüten, die Larven werden kurz vor dem Schlüpfen weggespült. Besonders stolz ist Captain Green, wie Teguh auf Bawah genannt wird, auf seinen riesigen Garten. Hier wächst so ziemlich alles, was man sich an Obst und Gemüse vorstellen kann, in tropischer Fülle: Auberginen, Bananen, Chilis, Kräuter. Die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Mir fällt auf, dass Captain Green nicht nur für seinen Garten schwärmt. Er liebt diese Insel und steht voll hinter dem nachhaltigen Hotelkonzept von Tim Hartnoll. In den Tagen auf Bawah fällt mir immer wieder auf, wie sehr die Mitarbeiter für die Insel brennen.

So auch Sakti Nasukha. Wir haben uns zu einer Wanderung durch den Dschungel verabredet. Die 29-Jährige war eine der ersten Mitarbeiter auf der Insel und sprudelt vor Begeisterung für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt von Bawah. Auf einem schmalen, steil ansteigenden Trampelpfad führt Sakti mich mitten durch das dichte Grün auf den höchsten Punkt der Insel. Ein kurzer Halt am stattlichen Dipterocarpus grandiflorus, einem vom Aussterben bedrohten Hartholzbaum. Der Baum ist über 40 Meter hoch, und Sakti erzählt stolz, dass er gut 270 Jahre alt sein muss. Ganz oben, in der Krone des Baumes, lebt eine Beofamilie, die sich mit lauten, spitzen Schreien bemerkbar macht. Wir begegnen hier im Urwald noch weiteren tropischen Vögeln: der Chinadommel, den Mangrovenblauschnäppern und der Graukappen Glanztaube. Sakti zeigt mir Fischgräten am Boden – hier hat ein Fischadler gespeist.

Hinter mir der Dschungel. Vor mir wie eine riesige Badewanne die türkis leuchtende Lagune.

Nach einer halben Stunde schlüpfen wir durch einen schmalen Durchlass zwischen prächtig rosa blühenden Orchideensträuchern und landen auf einem Felsplateau gut 50 Meter hoch über dem Meer. Hinter mir liegt der Dschungel, vor mir breitet sich wie eine riesige Badewanne die unglaublich türkis leuchtende Lagune aus. Dahinter endlose Weite. Kein Flugzeug, kein Schiff, nur Blau in allen Schattierungen bis zum Horizont. Ein bisschen werde ich wehmütig bei dem Gedanken, dass ich morgen zurückfliege in die Zivilisation.

IssueGG Magazine 04/20
City/CountryIndonesia
PhotographyBawah Reserve
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